Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- 37 (16.9.1921)
- Date
- 1921-09-16
- Page
- Seite 462 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/9072829-9103024-9145337--04322-9077147- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
462 Das Jüdische Echo Nr. 37 meine Zustimmung gegeben hätte, selbst unter dem Namen von Strohmännern erworbenes Land wieder zu verkaufen. Die Emekfrage: Man sagt, daß die Palästinakommission ihre Kompetenz überschritten habe. Aber sie mußte ihre Zahlung leisten und niemals hätte ich, selbst für den Fall, daß mir Emek nicht so wichtig erschien, meine Zustimmung gegeben, daß sie wortbrüchig dastünde und1 lieber den Kontrakt bestätigt, um die Palästinakommission nicht unmöglich zu machen. Ich bin aber immer für die Erwerbung des Emek Bodens eingetreten. So wichtig mir auch die ländliche Siedlung ist, war ich mir bewußt, daß für die politische Erwerbung des Landes die Kolonisation eine andere Basis haben muß als die landwirtschaftliche. Ich bin überzeugt, daß wir Städte und Industrien schaffen müssen. Die Kleinsiedelungen von Soskin werden uns vielleicht vorwärts bringen, mit dem fünften Teil der Summe aber ist es möglich die Vorbereitungen zu treffen, um Industrien zu schaffen, durch die erst der Absatzmarkt geschaffen wird. Jabotinski hat von der Touristenwirtschaft gesprochen. Dieser kann nur ein Ende bereitet werden, wenn die Institutionen nach Erez Israel überführt werden. Es ist merkwürdig, daß er als Mitglied der Exekutive einen solchen Vorwurf erhob, während wir heute von Warburg. erfahren haben, daß die Exekutive gegen die Überführung des Nationalfonds ihr Veto eingelegt hat. Bezüglich der Verwaltung war Lichtheim selbst der Meinung, daß sie von Palästina aus erfolgen muß. Nur bezüglich der Propaganda war man im Zweifel. Aber es gibt kein besseres Propagandamittel als die Werbearbeit von Palästina aus zu betreiben. Ich werde folgende Anträge stellen: 1. Das Hauptbureau des Jüdischen Nationalfonds ist unverzüglich nach Erez Israel zu überführen; 2. das Direktorium des Nationalfonds ist tunlichst bald so einzurichten, daß wenigstens die Mehrheit der Direktoren ihren Wohnsitz in Erez Israel haben. Agronom Ettinger: Lassen Sie mich kurz meine eigenen positiven Vorschläge resümieren. Ich habe in meiner Schrift darauf gedrängt, daß die kleinen Farmen in Kolonien umgewandelt ^werden. Ich schlage nicht eine einseitige Kultur vor, sondern mannigfaltige, wie sie die Vielfältigkeit von Palästina und des dortigen Menschenmaterials verlangt. Der Boden, den die Zionistische Organisation durch den Nationalfonds erworben hat, darf nicht verringert und zerstört, sondern muß aufgebaut werden. Die Flächen, die nach furchtbarem Kampf gekauft worden sind, müssen ausgenützt; werden, extensiv und intensiv dort, wo es möglich ist. Der neuerworbene Boden muß okkupiert werden. Nach Emek Jesreel müssen Vorposten der Besiedlung vorgeschoben werden. Der Boden ist ausgezeichnet, aber vernachlässigt, Sanierung, Trainage und Bewässerung ist durchzuführen. Elieser Jaffe: Für Palästina kann das nur das System der gemischten Wirtschaft sein* die alles erzeugt, was der Ansiedler braucht. Eine Wirtschaft, die nur ein Produkt erzeugt und die alles andere kaufen muß, wird uns sehr teuer zu stehen kommen. Das Gemüse wird in den Speichern liegen bleiben, und die Gemüsezüchter werden jedes Jahr nach Jerusalem fahren, ein „Budget“ von dem Waad Hazirim fordern, um von den Fellachen Brot, Milch und Eier zu kaufen. Meine Schrift „Zur Gründung der Moschawe Owd.im“ behandelt das ganze Problem ausführlich. Jetzt möchte ich nur damit schließen, daß während der nächsten Jahrzehnte in Palästina nur solche Wirtschaften möglich sind, die ihren ganzen Eigenbedarf erzeugen können. Nur durch die gemischte Wirtschaft wird unser Land auf gebaut werden. Scheinkin: Wir hatten als Einwanderung sei ement nicht nur Chaluzim, sondern auch andere „olim“ (Einwanderer). Im ersten Jahr sind bis Oktober 10 000 Personen eingewandert, davon waren 3000 Rückwanderer, d. h, solche, die vor dem Kriege in Palästina gelebt hatten, also ungefähr 600 Familien. Nach ihrer Heimkehr fielen sie nicht der Zionistischen Organisation zur Last; diejenigen, die von der Chaluka gelebt hatten, wurden vom Joint ausgehalten. Verbleiben 7000, davon war die Hälfte einfache Juden, also was man Masse nennt, Schneider, Schuster, Tischler, Handwerker. Diese hatten wenige Mittel und doch fügten sie sich in das Wirtschaftsleben ein und ernähren sich in Palästina in den Kolonien, Städten, jüdischen und nicht jüdischen. Wir liehen ihnen ein Pfund, und nach einiger Zeit bekamen wir es zurückgezahlt, und weiter sahen wir diese Leute nicht. Sie ko- T?auThallmcri@r München %£atinevür.lö. Glaser ^TKcollarw. 88