Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- 37 (16.9.1921)
- Date
- 1921-09-16
- Page
- Seite 459 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 37 Das Jüdische Echo 459 Intensive Landwirtschaft in Palästina. (Aus dem Kongreßreferat Dr. Soskin.) Wir haben in Palästina Verschwendung getrieben mit Land und Sonne. Die Intensität der Sonne reichte aus, um auf kleineren Flächen dasselbe Produkt zu erzielen. Man ahmte aber Methoden gemäßigter Zonen undi Länder von großer Ausdehnung nach, gab den Kolonisten größere Flächen, als sie selbst zweckmäßig bearbeiten können. Unsere Kolonisation ist bis jetzt gekennzeichnet durch den Kampf mit der Fläche, als Folge daraus durch den Kampf mit dem Arbeiter, den der Kolonist zur Bewältigung der Fläche nötig hatte. Mein System der intensiven Kolonisation sucht das alles zu vermeiden: Der Ansiedler erhält eine Fläche, die ihn ernähren soll durch seiner Hände Arbeit. Ich gebe dem Kolonisten eine Fläche, die gerade groß genug ist, um mit seiner und seiner Angehörigen eigener Kraft bearbeitet zu werden. Die Fläche kann und muß klein sein, da wir in Palästina ein vorzügliches Klima haben, das die Pflanzenzelle das ganze Jahr hindurch arbeiten läßt. Ich spreche, wie Sie sehen, in erster Linie von dem Klima, von der Sonne Palästinas. Meine Methoden basieren auf der Verwendung der größtmöglichen intelligenten und gelernten Arbeit, auf der kleinstmöglichen Fläche. Das ist der Intensivismus, dem gegenwärtig auch andere Völker in klimatisch weniger bevorzugten Ländern nachstreben. Der Intensivismus in der Landwirtschaft ist die modernste und fortschrittlichste Bewegung bei den Völkern Europas und Amerikas — ja, auch Amerikas. Was ich in Spanien, China, Japan und Kalifornien sah, hat mich in meinen Ideen über intensive Landwirtschaft und ihre Anwendung auf Palästina noch mehr bestärkt. Was iich vorschlage, ist nicht nur möglich, es ist der einzige Weg. Die intensive Kolonisation kann auch auf Böden ohne Bewässerung betrieben werden, und zwar im Ackerbau und in Pflanzungen. Auch unbewässerte Böden müssen in Parzellen von viel kleinerer Ausdehnung den neuen Ansiedlern geboten werden, als es bislang der Fall war. Es sind technische Möglichkeiten vorhanden, auch den sogenannten trockenen Boden, das heißt, in Palästina den Boden, der ausschließlich auf den natürlichen Regen angewiesen bleibt, in viel intensiverer Weise anzubauen. Und dies ist wiederum nur möglich, wenn den Kolonisten eine kleinere Fläche überlassen wird, die er allein, ohne fremde Hilfe, bearbeiten kann. Die Erträge sind um vieles größer als bei der üblichen extensiven Art des Getreidebaues. Intensität auf allen Gebieten des Landbaues wird uns eine viel bessere Ausnützung unseres Landbesitzes in Palästina gestatten, das ist eine intensive Kolonisation. Und nun die Frage, die nicht unwesentlich ist: Was kostet die von mir befürwortete intensive Kolonisation? Wie ich schon bei anderer Gelegenheit gesagt habe, ich kann heute noch nicht mit Zahlen aufwarten. Aber Kenner des Landes, die die gegenwärtigen Preise kennen, haben in einer Konferenz, an der ich teilnahm, zugegeben, daß mit 300 Pfund Sterling ein Kolonist nach meinem System angesiedelt werden kann. Und in der Tat glaube ich, daß bei einer zweckmäßigen Organisation aller Zweige und insbesondere des Bauwesens lhit diesem Betrage die ^nsiedlung eines Kolonisten bewerkstelligt werden kann. Die wenigen Dunam Land, möge es noch so teuer sein, fallen nicht ins Gewicht. Die Anlage der Bewässerung, auf die Fläche verteilt, ist auch nicht kostspielig. Der Ansiedler braucht wenig Geräte und wenig Vieh. Bleibt das Haus, der Hauptausgabepunkt. Wenn dieses etwa 150 Pfund kostet, was bei gleichzeitiger Errichtung von 500 Häusern gut möglichist, besonders wenn Bauweisen zur Anwendung kommen, bei denen das Material leicht zu beschaffen ist, so wird es klar, daß der Betrag von 300 Pfund Sterling per Familie ausreichen kann. Wenn wir den Betrag von 300 Pfund per Familie dem bisher als notwendig bezeichneten Betrag von nicht unter 1000 Pfund — ich spreche schon gar nicht von den erst neulich geforderten 1200 bis 1500 Pfund — gegenüberstellen, so ist die Schlußfolgerung nicht schwer zu ziehen. Wir können intensiv kolonisieren, indem wir Land und Geld sparen. Es folgt das Referat Dr. Eders. Dr. Eders beginnt mit einer historischen Vorbemerkung über die Regelung der Einwanderung zur Zeit, als Herbert Samuel nach Palästina kam. Schon am Tage nach der Einsetzung der Zivilverwaltung wurde klar, daß freie, unkontrollierte Einwanderung nicht gestattet würde. Die Zionist Commission wurde auf gefordert, eine Schätzung darüber vorzulegen, für wieviele Personen während des nächsten Jahres Arbeit geschaffen werden könnte. Die Zionist Commission schätzte diese Zahl auf 16 500. Noch vor Inkrafttreten der Einwanderungsverordnung setzte eine starke Einwanderung ein, und in der Zeit vom Juli 1920 bis 15. August 1921 kamen 10 802 Personen ins Land. Die Immigranten zerfallen in zwei Gruppen: solche, die sich selbständig erhalten können, und zionistisch unterstützte Immigranten. Für die letztere Kategorie betragen die Auslagen von dem Zeitpunkte, wo der Einwanderer im palästinensischen Hafen eintrifft, bis zur Unterbringung an der Arbeitsstätte heute 5 Pfund pro Kopf. Bei meiner Ankunft in Palästina gegen Ende DAS HAUS KREU-UCKO THEATINERSTR 16 TELEFON 27831-32 BIETET BESONDERE PREISVORTEILE IN: KLEIDERSTOFFEN - SAMT UND SEIDE {DAMEN- UND JUNGMÄDCHEN-KONFEKTION TEPPICHEN-GARDINEN-DECKEN