Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- 37 (16.9.1921)
- Date
- 1921-09-16
- Page
- Seite 458 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Mentioned entities
- Haifa 2× ep/1047930
- Tiberias 2× ep/1048138
- Hebron 1× ep/1047559
- Safed 1× ep/1046078
OCR text
458 Das Jüdische Echo Nr. 37 teils in jüdischen, teils in nicht jüdischen Händen, ferner die Rothsehildschen Weinkellereien, einige Maschinenfabriken und Mascbineureparaturwerkstätten, schließlich die fast durchaus in nichtjüdischen Händen befindliche Öl- und Seifenfabrikation. Mineralien, mit Ausnahme von Bausteinen, werden bisher im Lande noch nicht gewonnen. Der Zollsatz für alle eingeführten Waren ist ein Wertzoll von 11 Prozent, der ohne Rücksicht darauf erhoben wird, ob die Ware zu den Rohstoffen, zu den Halbfabrikaten oder Fertigfabrikaten gehört, sodaß die einheimische Industrie so gut wie gar keinen Zollschutz genießt. Auch diejenigen Industrien, die einheimische Rohstoffe verarbeiten, sind durch den Wertzoll von 11 Prozent gegen die Konkurrenz von Ländern, die weiter fortgeschritten sind, nur ungenügend geschützt. Die Handelsbilanz Palästinas ist sehr ungünstig. Dile Einfuhr betrug im Finanzjahre 1920—1921 5 200 000 Pfund Sterling, die Ausfuhr nur 770 000 Pfund Sterling, das heißt, nur etwa 15 Prozent der Einfuhr. Während die Einfuhr hauptsächlich Kohle, Baumwollfahrikate, Zucker, Reis Holz, Tabak, Petroleum, Maschinen, Eiisenwaren und Zement umfaßt, besteht die Ausfuhr nur aus wenigen Artikeln, wie Orangen, Wein, Seife und Ritualien. Das gewaltige Defizit in der Handelsbilanz wird gedeckt zum kleinen Teil durch die Einnahmen aus dem Fremdenverkehr, zum größeren Teil durch die Gelder, welche für religiöse und humanitäre Zwecke aus der ganzen Welt nach Palästina fließen. Neben diesen allgemeinen Angaben, welche sich auf das ganze Palästina und seine ganze Bevölkerung ohne Rücksicht auf ihre nationale und religiöse Zusammengehörigkeit beziehen, möchte ich einige spezielle Angaben über die Juden machen. 15 000 von ihnen leben in den landwirtschaftlichen Kolonien, etwa 3000 sind bei öffentlichen Arbeiten der Regierung und der zionistischen Gesellschaften beschäftigt, während di(e übrigen in den sechs Städten Jerusalem, Jaffa, Haifa, Tiberias, Safed und Hebron wohnen. Die größere Hälfte dieser städtischen Juden, nämlich 35 000—40 000, wohnt in Jerusalem. Die ökonomische Lage der Juden ist in keiner Weise stabil. Die landwirtschaftlichen Kolonien im Süden, die hauptsächlich Baurnwollpflanzungen haben, leiden unter häufigen Absatzkrisen, die Ackerbaukolonien im Norden unter ungenügendem Ertrag. Die Juden in den Städten haben nur zum Teil als Kaufleute, Handwerker und Beamte — von 2490 Beamten in Palästina sind 616 Juden — eine halbwegs unabhängige Existenz, die übrigen sind! zu ihrem Lebensunterhalt ganz oder teilweise auf Unterstützungen angewiesen. Die Juden mit ihrer Geschicklichkeit im Handel könnten sich hier im Kampfe mit nichtjüdischen Konkurrenten in vielen Fällen schnell eine Existenz schaffen. Sie können sich durch geringere Lohnansprüche diejenigen Industrien erobern, die, wie z. B. die Konfektionsindustrie, keine großen Fabrikanlagen und keine besonderen technischen Vorkenntnisse erfordern. In Palästina fehlen beide Voraussetzungen. Das Land bringt so wenig Produkte für den Verkauf hervor, daß von ihrem Vertrieb nur sehr wenig Händler leben können. Es ist volkswirtschaftlich klar, daß wir bei unserer Wirtschaftspolitik nicht darauf rechnen, daß dile Einwanderer mit dem Handel allein ihre Existenz finden werden. Vielmehr können wir nur dann hoffen, daß sie sich in Palästina ernähren können, wenn siie Produzenten, sei es in der Landwirtschaft, sei es in der Industrie, in öffentlichen Arbeiten und im Verkehrswesen, werden. Die Einwanderer müssen alle Berufe ergreifen, aus denen sie dauernd ihren Lebensunterhalt ziehen können. Allerdings werden wir zugunsten der Landwirtschaft immer das eine anführen können, daß wir eine nationale Heimstätte in Palästina nicht allein durch unsere Zentrale erreichen können, sondern daß wir dazu auch den Erwerb des palästinensischen Bodens nötilg haben und daß dieser Erwerb am ehesten durch landwirtschaftliche Betätigung möglich ist. Der Kauf von Boden hat uns 80 000 Dunam erstklassigen landwirtschaftlichen Bodens gebracht. Etwa dile Hälfte wurde vom Jüdischen Nationalfonds erworben, die andere Hälfte von der Palestine Land Developpment Company für sich selbst oder für private Gesellschaften. Der Kauf bot dem Jüdischen Nationalfonds dlie einzige Möglichkeit, unter den besten Zahlungsbedingungen erstklassigen Boden in großen Flächen, zu bekommen, durch welche eine systematische Kolonisation überhaupt erst möglich wird. Alles in allem können wilr sagen, daß die iim letzten Jahre erworbenen Ländereien uns für eine Reihe von Jahren mit Boden versorgt haben, so daß wir viel mehr als bisher imstande sind, eine vernünftige Preispolitik zu treiben. Außer diesen Ländereien iist der jüdische Besitz auch dadurch vermehrt worden, daß die palästinensische Regierung die großen Sumpf- und Dünengebiete zwischen Silchron Jakob und1 Atlith der Ica auf langjährige Pacht überließ. Die Ica wird dieses Gebiet durch großzügige Entsumpfungsarbeit der Kultur erschließen. Die Mittel dafür sind von dem größten Freund: Palästinas, dem Baron Edmund Rothschild, zur Verfügung gestellt worden, der damit aufs neue seine Liebe für Palästina bewiesen hat. Was den Boden in den Städten anlangt, so hat der jüdische Besitz durch große Käufe der P.L.D.C. einen solchen Zuwachs erfahren, daß für uns in den Städten Jerusalem, Jaffa, Haifa und Tiberias Bauplätze für etwa 12 000 neue Häuser vorhanden sind. Damit wird zugleich der Spekulation ein wirksamer Riegel vorgeschoben. Ich will noch eiben Posten erwähnen: die Gründung der Arbeiterbank. Diese Bank, an der sich die zionistische Organisation mit 40 000 Pfund und die Arbeiter vorläufig mit 10 000 Pfund beteiligen, soll den Arbeitern die Möglichkeit geben, im Wege genossenschaftlichen Zusammenschlusses große Arbeit in jeder Art im Akkord zu übernehmen. Die Bank hat bereits bei den öffentlichen Arbeiten der Regierung eine wichtige Rolle gespielt und wird hoffentlich das Instrument werden, das den Arbeitern erlaubt, sich mit guten technischen Hilfsmitteln auszurüsten. Schließlich will ich noch anführen, daß die Verhandlungen des Ingenieurs Ruttenberg für eine Konzession zur Benützung der Audscha für die Kraftgewinnung dem Abschluß nahe sind. Mit den Arbeiten zur Durchführung dieser Konzession kann schon in der nächsten Zeit begonnen werden. Mode ff. Herrenschneiderei Reiche Stoff-Auswahl Ermäßigte Preise V.Brasst Cie., MOncben Neuhaueeratr. 15/f, gegenüber der alten Akademie Sport