Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- 36 (9.9.1921)
- Date
- 1921-09-09
- Page
- Seite 448 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/9072829-9103024-9145336--04307-9077132- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
448 Das Jüdische Echo Nr. 36 unmöglich aber ist es. zu sagen: Der Mann taugt nicht, und ihn dann zwingen, weiter die Geschäfte zu führen. In der Exekutive der letzten Jahre fehlte jede Einheitlichkeit. Wer kann die konsequente Araber politik machen, wenn aus dem Kreise seiner Mitarbeiter Anschauungen wie gestern geäußert wurden, die ihm sein Wirken nicht leicht machen? Wollen wir uns mit den Arabern verständigen, dann muß eine klare Politik der zionistischen Organisation geführt werden, dann darf es niemanden geben, der so oder so handelt, zumindest aber in einer ganz unmißverständlichen Weise diese Araber als eine minderwertige Rasse hinstellt. (Zustimmung und Beifall.) Das geht unmöglich. Was ist der Wille der zionistischen Organisation in dieser Frage? Wir müssen zu dem Entschluß einer wirklichen Araberpolitik kommen und wollen es auch. Wenn wir als die Majorität im Lande Erklärungen der versöhnlichen Gesinung den Arabern gegenüber abgeben, so wäre das ein großes und außerordentliches Werk. Heute müssen wir mit tiefem Respekt von dem Volke sprechen, das die Majorität im Lande hat. aber wir müssen alle Kräfte zusammennehmen, um die Majorität zu erhalten. Wer sich versöhnen will, muß wissen, daß man sich nur mit der Stärke versöhnt. (Zwischenrufe: Aber nicht Stärke posierend!) Mit der Stärke, die durch unser inneres Wesen zum Ausdruck kommt. Wir wollen in der Frage der Auffassung der zionistischen Organisation und der nationalen Propaganda eindeutige Verhältnisse ebenso wie in der Frage des Aufbaues und der Verwaltung Palästinas. Wir brauchen in der Exekutive eine straffe Ressorteinteilung. Wa^ uns in Palästina fehlt, ist ein Beamtentum. Dazu rechne ich alle, die von uns dorthin gesendet werden, die die Exekutive unbeeinflußt von den Strömungen im Lande vertreten. Ihre Verwaltung muß absolut zuverlässig sein. Von allen Stellen der Organisation wurde an allen Leuten hin- und hergezerrt. Solche Beamte werden Sie nur finden, wenn Sie in dieser Frage Klarheit schaffen. Es ist falsch, wenn man als Beamter irgendeinen Vorrang in der Landesorganisation hat. Hüten Sie sich aber, aus Beamten Zionisten mittlerer Rechte zu machen! (Beifall.) Erst degradiert man sie und dann beklagt man sich darüber, daß man charakterlose Diener hat. Wir wollen diie besten Leute des jüdischen Volkes haben. (Beifall.) Es ist möglich, daß wir schlechte Beamte haben, dann entfernen Siie sie auf der Stelle, aber hüten Sie sich, mit diesem Zustand zu rechnen und dann zu sagen, wir nehmen dagegen Stellung. Im allgemeinen Wer sich geschmackvoll kleiden will, der besuche die Husstellungs- und Verkaufsräume der Firma ffdalbert Schmidt Kgl. bayer. Hoflieferant München, Residenzstrasse 6 Feine Herren- und Damenschneiderei nach Mass sind jene Beamten unbeliebt, die ihre Pflicht erfüllen. (Lebhafter Beifall.) Wir werden von der Exekutive fordern, daß sie sich über die zukünftige Arbeit in Palästina ausspricht. Wenn sie das nicht kann, so werden wir zu ihr kein Vertrauen haben. Politische Beschlüsse können durch Menschen repräsentiert werden. Das war die Aufgabe der zionistischen Leitung. Es darf aber unter keinen Umständen geschehen, daß der große Versöhnungsmischmasch kommt und die Verlegenheit sich zeigt, weil niemand mehr weiß, was zu geschehen hat. Dann blüht die Intrige. (Lebhafter Beifall.) Redner beschäftigt sich sodann eingehend und in detaillierter Weise mit den Anwürfen Simons und de Liemes. Dr. Artur Ruppin: Ich empfinde einen schreienden Gegensatz zwischen dem. was wir reden und dem, was geschehen soll. Seit ich aus Palästina fort bin, bemühe ich mich in Versammlungen und Privatgesprächen, den Zionisten klarzumachen, wie ernst unsere Lage ist, daß es gewaltiger Anstrengungen bedarf, wenn wir in dieser historischen Stunde überhaupt nur unsere Pflicht erfüllen sollen. Aber ich sehe, wie wenig diese Ermahnungen fruchten, daß das Werk der Selbstzerfleischung weitergeht, als es notwendig wäre, daß, was in Artikeln und Reden überall erörtert wurde, hier von neuem breitgetreten wird. Ich muß gegen meinen Willen auf Angriffe antworten. Simon hat das volle Recht der Kritik, speziell was meine Person betrifft, er hat auch das Recht, mich für unfähig zu halten. Aber was er sagt, steht im Gegensatz zu dem. was er als Mitglied der Reorganisationskommission und der Exekutive getan hat. Ich trat, als ich nach vierjähriger Abwesenheit nach Palästina zurückkam, in die Zionistische Kommission ein. Ich fand ein ganz anderes Palästina vor, geändert in den materiellen Grundlagen und in der ganzen Psychologie. Ich habe in der Zionistischen Kommission kein Geld vorgefunden, aber ungeheuer erhöhte Ansprüche von allen Seiten. Geld konnte ich nach Palästina nicht beschaffen. Das war die Aufgabe Londons. Ich konnte nur eine Reform der Organisation in Palästina verlangen, soweit ich sie für fehlerhaft hielt und ich hielt sie für fehlerhaft. Als Simon und de Lieme Palästina verließen, glaubte ich, daß wir schließlich doch eine neue Linie der Arbeit gefunden haben. Umsomehr war ich erstaunt, als ich den Bericht las, den die Kommission erstattete. Herr Simon sagt, es ist wahr, ich hätte dieselben Vorschläge wie er gemacht, aber er iinputiert mir andere Motive. Woher er sie hat, weiß ich nicht. Herr Simon hat mir vorgehalten, ich passe nicht für eine solche Stellung, weil ich es nicht verstehe, die Fonds auseinanderzuhalten. Diese Ausführung ist in allen Punkten unrichtig. Wir haben uns bezüglich der Käufe in Emek Israel wirklich einer Komoetenziiberschreitung schuldig gemacht. Aber sie war nicht böswillig, sondern durch die Verhältnisse aufgezwungen. Vielleicht hahe ich große Fehler gemacht. Ich glaube, daß jeder, der in Palästina arbeiten wird, Fehler machen wird. Aber wir lernen hiebei. Leider gibt es keine mathematischen Lehrbücher für die landwirtschaftliche Kolonisation, aus denen man für jeden Fall die Regel lernen kann. Ich habe erst Farmen gegründet und uenes Leben in die Landwirtschaft hineingetragen. Wir haben die