Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- 36 (9.9.1921)
- Date
- 1921-09-09
- Page
- Seite 447 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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bi 36 Das Jüdische Echo i -»/ Nicht die Generäle Reben das Geld, sondern die einfachen Soldaten. Man vergißt den großen Wert der Balfour-Deklaration und das deshalb, weil wir selbst unseren Sinn profaniert haben. Wir haben den Schwung verloren. (Zwischenrufe: Durch Pogrome und Jaffa!) Man spricht von der Schaffung einer jüdischen Legion. Ich glaube, wenn wir 40 000 Chaluzim ins Land gebracht hätten, hätte es in^ Jaffa keinen Pogrom gegeben, sie hätten uns Schutz gebracht, der Ölberg (Regierungsgebäude in Jerusalem) hätte eine andere Sprache geführt. Die arabische Delegation wäre in Jaffa und Haifa geblieben und hätte sich die Reisekosten nach London erspart. Wir kämpfen nicht gegen Personen in Amerika, sondern gegen das System. Es ist die Messiaszeit angebrochen und ein ganzes Jahr lang feilschte man zwischen New York und London um eine 20%ige Rabattgewährung vom Messias (Heiterkeit). Aber wir sagen, der Messias ist uns zu teuer, als daß wir von ihm einen Rabatt gewähren können. Jetzt würden uns die 40 000 Chaluzim das Dreifache kosten, wenn wir sie ins Land bringen könnten. Als wir nach Amerika kamen, herrschte dort Festesstimmung. Man sagte uns, man sei uns dankbar, daß man die Zionisten von ihren Führern befreit habe. Amerika hat seine Pflicht getan. Das Volk ist erwacht. Hier sitzen die besten Vertreter des amerikanischen Judentums. Das Judentum in Amerika ist genau dasselbe wie in Osteuropa. Es ist nicht unsere Schuld, daß zwischen uns und Amerika der große Teich liegt. (Beifall.) Die Herren von der Exekutive haben schwere Opfer gebracht durch Übernahme der Führerschaft. Bei ihrer Arbeit handelt es sich um Leben und Sterben. Wie sehr wurde ihr Leben in der letzten Zeit verbittert, nicht hier auf dem Kongreß, sondern in der Zeit zwischen dem XI. und XII. Kongreß. Ihr, die Ihr das jüdische Volk vertretet, wo seid Ihr und was habt Ihr getan? Alle Ausreden werden Euch1 nichts nützen. Nicht Politik, nicht Ökonomie soll Euer Ziel sein, sondern einfach die praktische Arbeit. Wenn Ihr die Leitung wiederwählen werdet, gebt ihr die Kraft zur Arbeit. aber nicht, wie im vergangenen Jahre. Auch in Amerika ist die Grundlage für alle Arbeit der Geist des Judentums. Ich bin mit Jabotinsky inbezug auf eine Teilung des Landes mit den Arabern nicht einverstanden. Die Araber haben ihren eigenen Staat, wir aber haben nur Erez Jsrael. Wir dürfen nicht das Schulwesen in Palästina erschüttern. Ohne Bildung kann man nicht leben, Auch die hebräische Universität wird für uns ein politischer Faktor werden. 7. Sitzung — 5. September Rechtsanwalt , Dr. Kollenscher: (Posen): San Remo ist für uns eine Chance, aus der wir das jüdische Palästina machen können. Darin sind wi!r noch weit zurück. Die Tatsache, daß die amerikanische Gruppe fehlt, ist ein Fehler und ein Unglück. Es ist gelungen, aus Brandeis, dem Ehrenpräsidenten, einen Gegner der Organir sation zu machen. Das Wichtigste ist jetzt die Sammlung der gesamten Judenschaft. Das ist möglich auf Grund des Baseler Programms, das von Weizmann wie von Jabotinsky hier zitiert worden ist. Es sind lauter Phrasen, die hier gebraucht werden. Herr Buber spricht sogar von einem Feuerbad, durch das wir lündurchgehen müssen. Mit diesen Fragen wird man keinen Hund vom Ofen locken. (Stürmischer Beifall.) So kann man vielleicht einen Wotan-Kult begründen, aber keine zionistische Organisation. Die Herren von der Rechten haben wenigstens eine positive Grundlage, auf der sich eine Kultur aufbauen läßt. Phrasen aber, wie wir sie gehört haben, sind ein Luftgebäude und kein Programm. Wir können kein weiteres Bekenntnis als das des Basler Programms verlangen. In unserer Wirtschaft müssen wir Ordnung, Sparsamkeit und strenge Kontrolle einfiihren. Der wirtschaftliche Aufbau kann nur durch Privatinitiative geschehen. Darum muß die Selbsthilfe gefordert werden. (Zwischenrufe.) Ich lasse mir das Recht der Kritik nicht nehmen. Die Leitung nimmt nicht in klarer Weise Stellung. Jabotinsky sprach von einem nicht zu Ende gelesenen Buch. Aber er hat manches Buch nicht gelesen und es wäre sehr gut, wenn er seine Nase einmal in ein Buch über Nationalökonomie stecken würde. Die Zionisten in den einzelnen Ländern müssen besondere Komitees bilden, welche die wirtschaftliche Tätigkeit anregen. Wir haben in dieser Weise manchen Erfolg erzielt. (Zwischenruf: Wo sind die Erfolge?) Darauf lasse ich mich nicht ein. In den Kolonisationsländern ist der Staat niemals das erste, sondern immer das letzte bestimmende Ding. Der nächste Redner ist Kurt Blumenfeld: (Berlin). Er führt aus: Diesem Kongreß liegt ein einleitender rechnunggebender Bericht der Exekutive nicht voir. Es wäre notwendig gewesen, daß die Exekutive die Generaldebatte mit einem Bericht eingeleitet hätte, der sich mit den Plänen für die Zukunft beschäftigt. Wir wissen, daß in den nächsten zwei Jahren sich viel für uns entscheiden wird und manche sehr vorsichtige führende Persönlichkeit unserer Bewegung glaubt, daß in diesen zwei Jahren das Schicksal unserer Sache entschieden werden wird. Deshalb muß für uns feststehen: Wir müssen eine Exekutive wählen, hinter der die gesamten Machtmittel der Organisation stehen. Wie immer wir uns entscheiden, die überstimmte Minorität wird wissen, daß wir verloren sind, wenn jetzt keine nationale Konzentration erfolgt. Ich nehme die Ordnung des Stoffes durch de Lieme auf. Innere Kenntnis der Organisation, freie Bahn für die Reorganisation und Eroberung der Kräfte dem Juden. Wir wissen sehr gut, daß wir nicht die Herren der Weltpolitik sind, sondern bestenfalls politische Situationen in unserem Sinne benützen können. Was geschehen ist. war möglich, weil es ungeheure Umwälzungen gegeben hat. Es kam darauf an, daß sich Männer fanden, die die Kraft hatten, jetzt jüdische Politik zu machen. Es ist keine Sklavengesinnung, wenn man heute anerkennt, was die einzelnen Männer geleistet haben. Weitzmann war nicht der legitime Vertreter der zionistischen Organisation, abe’* er wußte, daß er in diesem Moment auf dem historisch gegebenen Platze stand. Wir wissen genau, daß politische Führer gerade dann ihre Organisation brauchen, wenn Gefahr droht. Kritik, wie sie jetzt betrieben wurde, ist gefährlich und ein Zeichen der Gefahr. Denn auch diese Gefahrenmomente sind nicht von uns abhängig. Politische Führer können nur arbeiten, wenn sie für ihre Politik die Unterstützung der Macht finden, die sie vertreten. Finden sie sie nicht, dann muß man einen anderen an ihre Stelle setzen. Ganz