Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Echo · 1921-09-02 · 35 (2.9.1921) · p. Seite 430

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Echo
Volume
8 (1921)
Issue
35 (2.9.1921)
Date
1921-09-02
Page
Seite 430 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/9072829-9103024-9145334--04288-9077113
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

430 Das Jüdische Echo Nr. 35 Dr. Weizmann unter stürmischem Beifall der Versammlung:. „tun uns not. Mit ihrer Hilfe werden wir sieben.“ Der zweite Redner, Nachum Sokolow, knüpfte in seiner Eigenschaft als Vorsitzender der zionistischen Exekutive an die Worte Dr. Weizmanns über die Not des Ostjudentums an. um zur Unterstützung der besonders bedrängten ukrainischen Juden aufzurufen, die seit langer Zeit schmählichen Verfolgungen ausgesetzt sind. Europa beobachte diese Vorgänge immer noch mit Schweigen. Auch in der Ukraine räche sich die Taubheit derjenigen, die Theodor Herzl bekämpften, weil, sie eine Erlösung des Judentums ohne nationale Wiedergeburt für möglich hielten. Hätte das jüdische Volk seine ganze Kraft bereits um die Jahrhundertwende für die Verwirklichung des zionistischen Ideals eingesetzt, so wäre die nationale Heimstätte schon lange Ereignis. Nun habe die Balfour-Deklaration das jüdische Volk endlich wieder in die Weltgeschichte eintreten lassen und den Zionismus zum verbrieften Völkerrecht gemacht. Das wiedererstandene jüdische Volk müsse aber notwendig der Bundesgenosse aller nach nationaler Freiheit ringender Völker sein, zu denen vor allem die Volksgemeinschaften des Orients gehören. Nicht los vom Orient, sondern mit dem ganzen Orient werde der Zionismus sein Ideal verwirklichen. Unter lebhafter Zustimmung rief Sokolow aus: „Ihr Völker dies Orients, wir bringen euch eine Botschaft der Wiedergeburt, des Fortschritts und der Erlösung.“ Bemerkenswert waren Sokolows Äußerungen über die Heiligen Stätten, von denen er meinte, daß jeder Teil von ihnen den Zionisten heilig sei. Sokolow erinnerte daran, daß die Zionistische Organisation seinerzeit dem Papst eine feierliche Erklärung in diesem Sinne abgegeben und dafür den vollen Ausdruck der menschenfreundlichen Gesinnung des ehrwürdigen Oberhauptes der katholischen Kirche empfangen habe. Vom ersten Beginne sei es aber die schwerste Sorge der Zionisten gewesen, es möchten andere Geister sich eindrängen und so viel wie möglich das Gute wieder verderben, was im Bewußtsein höchster Verantwortlichkeit begonnen worden sei, Gleichwohl wolle die Zionistische Organisation nicht von der Hoffnung ablassen. daß die Macht der Dinge auch dieses Mißverständnis glücklich überwinden werde. Für das Endziel der zionistischen Bewegung prägte Sokolow folgende Formel: „In Palästina erstreben wir eine normale Ausgestaltung unseres sozialen und nationalen Lebens. Das nationale Heim des jüdischen Volkes ist jene Form, welche mit der Grundform einer selbständigen Existenz überhaupt zusammenstimmt, es ist die Harmonie der Einzelerscheinungen unseres Lebens mit dem Endzwecke einer Gemeinschaft. Deshalb ist der Zionismus nicht nur für unterdrückte Juden bestimmt, es ist vielmehr der Drang nach Höherem, das Lechzen nach Einheit, Persönlichkeit und freier Eingenart.“ ff. Herrenschneiderei Reiche Stoff-Auswahl Ermäßigte Preise Mode W. Braun & Cie., Mönchen H»uhau»er»tr.l5/|, gegenüber der alten Akademie Sokolow und Weizmann ernteten am Schlüsse ihirer Rieden, häufig auch inmitten ihres Vortrags, reichen Beifall. Anläßlich der Erwähnung Balfours und des englischen Königs wurde stürmisch applaudiert. Nach dien Reden der beiden Führer wurde eine Reihe Begrüßungsschreiben verlesen, an deren Spitze ei« Brief F. G. M a s a r y k s , des Präsidenten der tschechoslovakischen Republik. Masaryk bedauert darin, daß besondere Verpflichtungen und die „mit einer solchen Feierlichkeit untrennbar verbundene Anstrengung“ es ihm bei seinem gegenwärtigen Gesundheitszustand unmöglich mache, den Kongreß zu besuchen. Er bitte daher, der zionistischen Organisation „seine Sympathie und seine besten Wünsche für den Erfolg des Kongresses“ zu übermitteln. Eine ähnliche Erklärung enthielt der dann verlesene Brief des Ministerpräsidenten der tschechoslowakischen; Republik, Coerny. sowie des gegenwärtig in Genf weilenden Außen-Ministers Dr. B e n e s c h. Nach der Verlesung dieser Begrüßungen erhob sich Sir Georges Clark, der Gesandte der britischen Regierung bei der tschechoslowakischen Republik, um den Kongreß im Namen seiner Regierung zu begrüßen. Sir Clark, ein früherer Mitarbeiter Balfours. führte folgendes aus: „Meine Damen und Herren! Es ist nicht meine Absicht, nach den zwei Reden, die Sie eben gehört haben, lange zu Ihnen zu sprechen. Ich will Sie von der großen Aufgabe, deren Erledigung Ihnen bevorsteht, nicht lange abhalten. Aber ich will es bei der feierlichen Gelegenheit Ihres ersten Kongresses nach dem Kriege nicht unterlassen. Sie auf dem Boden der tschechoslowakischen Regierung namens der britischen Regierung zu begrüßen. Viele von Ihnen kennen schon die Gastfreundschaft der tschechoslowakischen Republik, die übrigen werden sie jetzt kennen lernen; aber ich kann Sie versichern, als jemand, der selbst die angenehmsten Erfahrungen gemacht hat, daß Sie nirgends eine großzügigere, aufrichtigere und offenere Aufnahme finden werden. Vielleicht habe ich ein ganz besonderes Recht, hier ein paar Worte zu sprechen, da ich die Ehre habe, die Regierung seiner britischen Majestät in diesem Lande zu vertreten. Lassen Sie mich die Deklaration meiner Regierung vom 2. November 1917 wiederholen.“ Der Gesandte führte nun den Text der Balfour- Deklaration an. um dann fortzufahren: „Sie als Zionisten stehen vor Problemen, die höchste Staatskunst erfordern; aber Sie haben Führer, die voll befähigt sind, sie zu lösen; Führer wie die, die heute hier gesprochen haben; und1 ich bin überzeugt, daß Geduld und loyale Bemühungen auf der Grundlage jener Deklaration zu einer Zukunft vielversprechender Hoffnungen und Erfüllungen führen werden.“ Diesen Worten folgte begeisterter Beifall, der sich immer wieder erneuerte. Dr. Weizmann erwiderte dem Gesandten mit folgenden Worten: „Im Namen des hier zum ersten Male seit dem Weltkriege versammelten Kongresses gestatte ich mir, Ihnen und durch Sie Seiner Majestät Regierung unseren innigsten Dank auszudrücken für die Botschaft voll Hoffnung und Ermutigung, die Sie uns heute gebracht haben. Bei der schweren Aufgabe, vor der wir stehen, bedürfen wir der Ermutigung, und wir vertrauen darauf, daß wir mit Hilfe Ihrer Regierung und durch die Anstrengungen unseres eigenen Volkes die in der Balfour-Deklaration enthaltene Zusicherung erfüllten können, zum Wohle des Volkes,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.