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Das jüdische Echo · 1921-09-02 · 35 (2.9.1921) · p. Seite 429

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
8 (1921)
Issue
35 (2.9.1921)
Date
1921-09-02
Page
Seite 429 (sequence 3)
Language
German
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Das Jüdische Echo Nummer 35_2. September 1921 8. Jahrgang Infolge des Kongresses erscheint die diieswöchientliche Nummer etwas verspätet. Die nächste Nummer wird wie üblich erscheinen. ilii!!llll!l!lllllilillllllllllll!l!lllllllllllllllllll!ll!lll!!t!lll!lllll!llllllllllli!llllllllllllllliillillll!lilllllll!l!ll Eröffnung des XII. Zionlsten-Kongresses. Karlsbad, den, 1. September 1921. Im Karlsbader „Schützenhaus“ wurde heute der XII. Zionistische Weltkongreß eröffnet. Um 10 Uhr war der von einem geschickten Architekten umgebaute Zuschauer raum bereits überfüllt; über 1500 Personen waren erschienen, um den Verhandlungen dieses für die Zukunft der zionistischen Bewegung entscheidenden Kongresses beizuwohnen. Eine Stunde später — Landsmannschaften und Fraktionen hatten inzwischen ihre Plätze eingenommen — betraten unter Führung des Präsidenten der Zionistischen Weltorganisation Dr. Weizmann, die Mitglieder der Zionistischen Weltexekutive den Saal. Starker Beifall der Delegierten und Zuschauer empfing die Führer und hielt an, bis Dr. Weizmann das Wort zur Eröffnungsansprache ergriff. Seine Ausführungen mit einem allgemeinen Rückblick auf die Entwicklung deir zionistischen Bewegung einleitend, legte Dr. Weizmann dar, wie der Ausbruch des Weltkrieges die Zionistische Organisation, die gerade zu jener Zeit einer Periode ständigen Wachstums entgegensehen durfte, ih ihren Grundfesten erschütterte, und wie doch gerade jene Katastrophe die Sehnsucht des jüdischen Volkes nach Zion erhöhte. Aber inmitten des ringsum tosenden Kriegslärms konnte die Hoffnung auf Gehör nur gering sein: die nationale Judenheit war ohne Einfluß und hatte nichts als die moralische Kraft ihrer Idee, Ihres historischen Rechtes und den Hinweis auf ihre bisherige Arbeit für die Wiederbelebung Palästinas. Getreu ihrer Tradition, habe sie es unternommen, in einer Zeit verheerender Völkerkämpfe diese Waffen ins Feld zu führen für die Anerkennung der jüdischen Nation. Der Erfolg dieses Ringens: dile Balfour-Deklaration, die Bestätigung dieser Deklaration durch die verbündeten Regierungen, ihre Aufnahme in den türkischen Friedensvertrag und die Annahme eines Mandates für Palästina durch Großbritannien mit der ausdrücklichen Verpflichtung, die jüdische nationale Heimstätte zu errichten, — dieser Erfolg, so betonte Dr. Weizmann, habe einmal wenigstens in der Weltgeschichte bloße Gerechtigkeit gelten lassen. Dr. Weizmann ging dann auf die Schwere der zionistischen Aufgabe ein, die auch „die mächtigste Regierung im Getriebe der weltpolitischen Entwicklungen nur behutsam auf die Durchsetzung ihrer Absichten hinarbeiten läßt“. Die britische Regierung werde aber ihr einmal verpfändetes Wort halten und sich in ihrer Worttreue durch nichts erschüttern lassen. Das Fundament des Nationalheims stehe nach wie vor fest; an der Energie und Opferfreude der Juden selbst läge es jedoch, die Balfour-Deklaration durch den kraftvollen Aufbau dieses Fundaments in ihrem wahren Sinne zu bestimmen. Die Zionistische Organisation sei sich dieser Tatsache ilmmer bewußt gewesen, und sie werde auch auf diesem Kongreß die schöpferische Arbeit zum obersten Gebot erheben. Die Erweiterung der zionistischen Kolonisationsarbeit, die Befestigung der bestehenden Siedlungen, die Schaffung neuer Kolonien auf dem kürzlich in Palästina erworbenen Boden werde Gelegenheit zu gründlichen Vorbereitungsarbeiten geben. Wenn der Kongreß die entsprechenden Pläne zum Wohle des ganzen Landes geschaffen habe, werde sich die Judenheit mit ganzer Kraft um ihre Ausführung bemühen. Auf die Verhältnisse in Palästina übergehend, erklärte Dr. Weizmann, daß der Zionismus der arabischen Bevölkerung des Landes niemals agressiv gegenübergetreten sei; dennoch habe sich ein Teil der Araber gegen die Einhaltung jener Versprechungen gerichtet, die dem jüdischen Volk von starken Mächten gemacht worden sind. „Wir wollen“, sagte Dr. Weizmann in diesem Zusammenhang, „kein Jota der uns durch die Balfour-Deklaration gesicherten Rechte preisgeben, und die Anerkennung dieser Tatsache durch die Araber ist eine wesentliche Vorbedingung für die Herbeiführung befriedigender Beziehungen zwischen Juden und Arabern. Aber wir erklären aufs feierlichste und unzweideutigste, daß wiir keinen Gedanken in unseren Herzen hegen und keine Absicht haben, die legitimen Rechte unserer Nachbarn anzutasten. War hoffen auf eine Zukunft, in der Juden und Araber in Palästina nebeneinander leben und gemeinsam für das Gedeihen des Landes arbeiten. Nichts wird dieser Zukunft im Wege stehen, wenn erst unsere Nachbarn einsehen, daß uns unsere Rechte ebenso heilig sind wie ihnen die ihren.“ Im letzten Teil seiner Rede, der sich vornehmlich auf die innere Lage des Judentums bezog, beschrieb Dr. Weizmannn die drückende Not der Ostjuden. Die unendliche Qual dieser Volksgenossen sei geeignet, das hohe Verantwortungsgefühl in jedem einzelnen Gliede der jüdischen Volksgemeinschaft gegenüber dem Aufbauwerk zu stärken. Für jene Juden aber, die sich noch heute außerhalb deir zionistischen Organisation befänden, sei auf dem Gebiete praktischer Tätigkeit in Palästina sowie kultureller und erzieherischer Arbeit ein weites Feld, auf welchem, ungeachtet der Differenzen in der Auffassung, gemeinsames Wirken möglich sein wird. Er, Weizmann, hoffe, daß die Berührungspunkte jener Juden mit den Zionisten die Differenzen der Gegenwart überdauern werden. Dile Zionistische Organisation sei bereit, zuzugeben, daß mehr als ein Weg nach Palästina führe, und es sei nicht der Wille der Zionistischen Organisation, andere Wege für jene zu sperren, die nicht dien zionistischen Weg gehen wollen. Wer das Werk des Aufbaues aufrichtig unterstütze, dürfe der bereitwilligen Anerkennung sicher sein. Der gegenwärtige Kongrieß aber werde durch Entschlossenheit, zähe Arbeit und Opferfreude Hindernisse überwinden, die heute noch gewaltig erscheinen. und dies umso mehr, als die zionistische Organisation heute viel stärker sei als je zuvor. „Mut, Selbstvertrauen und! Einheit,“ so schloß

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