Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- 34 (26.8.1921)
- Date
- 1921-08-26
- Page
- Seite 421 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 34 Das Jüdische Echo 421 Ein Gendarmeriekorps für Palästina. Der palästinensische Oberkommiissar hat diie Bildung eines Gendarmeriekorps genehmigt, das aus 300 Kavalleristen und 200 Infanteristen bestehen und aus Mohammedanern, Christen und Juden zusammengestellt werden soll. Die neue Polizeitruppe soll die Landesgrenze bewachen und die Zivilpolizei bei der Aufrechterhaltung der inneren Ruhe und Ordnung unterstützen. (Ziko.) Übernahme der Hilfsvereinsschulen durch den Keren Hajessod. Die Übernahme der zwei palästinensischen Schulen des „Hilfsvereins deutscher Juden“ durch den Keren Hajessod ist Ende Juli feierlich vollzogen worden. Wie erinnerlich, hat der Keren Hajessod die Schulgrundisücke mit ihrem ganzen Inventar käuflich erworben. (Ziko.) Eine Drahtseilbahn für Palästina. Der hervorragende Städtebauer Professor Patrick Geddes hat neuerdings ein Projekt über die Konstruktion einer Drahtseilbahn zwischen Haifa und dem Karmelberg ausgearbeitet. Dr. Ruppin von der Zionist Commission unterstützt diesen Plan und man sagt, daß auch der palästinensische Oberkommissar reges Interesse für ihn bekunde. (Ziko.) Feuilleton Schmilik. Von Scholem Alejchem. (Schluß.) Schmilik teilt alles, was er gelesen hat, den Bauern mit. Denn die Bauern verstehen, nebbich, nicht zu lesen, wollen aber gerne wissen, was in der Welt vorgeht; sie lechzen danach, wissen aber gar nichts; und selbst das, was sie wissen, wissen sie nur stückweise und von einer Seite wie kleine Kinder oder Wilde. „Ihr seid ein finsteres Volk,“ sagt ihnen Schmilik. „Ihr wißt gar nichts.“ „Es ist wahr,“ antwortende Bauern. „Wir sind ein finsteres Volk und wissen gar nichts.“ Und da sie ein finsteres Volk sind und gar nichts wissen, aber gerne alles wissen wollen, so muß ihnen Schmilik die Zeitung vorlesen und alles erklären. „Erzähle uns doch, Schmilik,“ bitten sie ihn, „was die Gelehrten schreiben, was die Klugen sagen.“ Und Schmilik ist nicht faul; er setzt sich zu ihnen auf die Erde und liest ihnen vor, was die Gelehrten schreiben und was die Klugen sagen. Und die Bauern hören ihm zu, starren ihm in den Mund und glauben ihm jedes Wort. Sie glauben nur ihm allein und sonst niemand. Und wenn sie etwas hören, was sie nicht verstehen, so fragen sie Schmilik. Und wenn man ihnen etwas Neues erzählt, so glauben sie nicht und wenden sich an Schmilik. ln allen Fällen wenden sie sich an Schmilik. Man kennt Schmilik nicht nur in dem einen Dorf, wo seine Eltern wohnen, sondern in der ganzen Gegend, in fünfzig Dörfern ringsherum. Groß ist Schmiliks Name! * * * Als die Nachricht eintraf, daß man in allen großen Städten die Juden schlägt, kamen die Bauern von allen fünfzig Dörfern zu Schmilik und baten ihn, er möchte ihnen den kaiserlichen Ukas vorlesen, durch den dien Bauern erlaubt wird, die Juden drei Tage hinter einander zu morden und zu plündern. „Geht nach Hause,“ sagte ihnen Schmilik, „es gibt keinen Ukas, daß man die Juden morden und plündern soll.“ Die Bauern hörten seine Worte, blieben aber noch unentschlossen stehen und kratzten sich die Nacken. „Geht nach Hause!“ sagte ihnen Schmilik noch einmal. „Was kratzt ihr euch?“ Die Bauern standen noch eine Weile da, erklärten aber schließlich Schmilik, er solle für sich keine Angst haben... Schmilik hörte sie an und sagte, daß er für sich auch so keine Angst habe... Darauf sagten ihm die Bauern, er solle auch für seinen Vater keine Angst haben... Darauf sagte ihnen Schmilik, daß auch sein Vater keine Angst habe. Es kostete Schmilik große Mühe, sie davon zu überzeugen, daß es keinen Ukas gäbe, nach dem man drei Tage hintereinander die Juden schlagen dürfe. Die Bauern gingen nach Hause, kamen aber bald wieder und baten Schmilik, er möchte ihnen erklären, was in der Welt vorgeht, was die Konstitution sei und wieviel Land ein jeder von ihnen zugeteilt bekommen werde. Und Schmilik erklärte ihnen, was in der Welt vorgeht, was die Konstitution sei und wieviel Land ein jeder von ihnen zugeteilt bekommen werde. Und Schmilik hat keine Angst mehr vor einem Pogrom, weder in seinem Dorf, noch in den fünfzig Dörfern ringsherum. Schmilik ist auf der Hut, und wenn fremde Bauern aus fremden Dörfern kommen, um einen Judenpogrom zu veranstalten, so wird man ihnen die Köpfe blutig schlagen und sie dorthin jagen, wo der schwarze Pfeffer wächst. Denn wie ist ein Pogrom ohne Schmilik möglich? POBZELLM-NIEDEBLlCil MÜNCHEN THEATINERSTRASSE 33 gegenüber der Feldherrnhalle GRÖSSTE AUSWAHL, IN GEBRAUCHSPORZEI,LAN TÄGLICHE LAGERERGÄNZUNG