Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- 33 (19.8.1921)
- Date
- 1921-08-19
- Page
- Seite 409 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr, 33 Das Jüdische Echo 409 Gebieten des Lebens durchsetzen. Unter dem Gesichtswinkel der Dauer stellt sich jede andere als die versöhnliche und schöpferische Einstellung nicht allein als unmoralisch^ sondern vor allem als Selbstschädiigung der jüdischen Siedelung heraus; wir haben das heute schon tätig zu respektieren. Der Araber erwacht, und niemand wird ihn wieder einschläfern. Tradition und Erneuerung In Wechselwirkung können dort, wo schon eine so große arabische Kultur bestand, als Nordeuropa gerade erst aus dem Ei kroch, wieder ein geistiges und schöpferisches Leben erzeugen, arabische und jüdische Leistung entweder neben- oder ineinander zu reichen Lebens- und Kunstformen befruchtend. Der Jude hat im neunzehnten Jahrhundert den Kursus „Europa“ durchgearbeitet und sein altes Schöpfertum in neuen Formen und auf allen Gebieten erwiesen; der Araber wird, seine Institutionen mitbenutzend, bald zu eigenen fortschreiten. Und dann könnte eine weitere Funktion der paradox-besonderen Lage des Judenvolkes aktiv werden; dann könnte, eine Parallele zur spanisch-maurischen Zeit, in der der Araber und der Jude das hellenistische Griechenland von Byzanz nach Europa trugen, der Jude neben eigenem Schöpfertum der „ehrliche Makler“ werden, der in durchaus selbständiger Form den europäischen Gehalt nach dem Orient, den arabischen aber an Europa weitergibt. Und somit kann er, den so enge, zähe und zahlreiche Fäden mit den Ländern des zentralen und des östlichen Europas und mit Amerika verbinden, daran arbeiten, den großen Riß zu schließen, den die Urheber nicht nur für die Dauer des Krieges in die so eng verflochtene Welt gebracht haben, und den der Versailler Frieden nicht heilen zu können bereits bewiesen hat. Dies aber ist eine religiöse Aufgabe, ein Amt der reinen Gesinnung und reiner Hände. Die Menschheit, aufgebaut auf .Völkern, wird solange ein dissonierendes Getöse sein, als Haß und Verachtung blind von Volk zu Volk Stacheln und Widerhaken kehren. Der Orient, ein Teil der Menschheit ist keinesfalls ein Objekt der Politik, keinesfalls eine Nutzpflanzung für weiße „Herrenvölker“. Der Jude, fast zwei Jahrtausende das Objekt des Hasses, wird der Menschheit dienen, indem er darlegt: daß geachtet werden soll, wer arbeitet; daß die Hautfarbe keine Vorrechte bedingt; daß niemand das Recht hat, Menschen, seine Kameraden zu versklaven; daß die Erde geräumig ist, und daß die Lehre, die dereinst von Zion und Jerusalem an alle Völker ausgehen soll, der Geist brüderlicher, herzensmilder Gesinnung und Lebensgestaltung ist; daß aber alles Böse mit der Trägheit des Herzens anfängt, mit verachtenden Gedanken weitergeht und mit Gewalt endet. Personalia Herr Lazarus Spielmann, München, feierte am 18. ds. Mts. seinen 60. Geburtstag. Der Gesamtausschuß der Ostjuden nimmt Veranlassung, dem Jubilar, einem der tätigsten Mitglieder der Kolonie, herzliche Glückwünsche auszusprechen. literarisches Echo Felix A. Theilhaber. Der Untergang der deutschen Juden, Neubearbeitung, Jüdischer Verlag Berlin. Im Jüdischen Verlag erscheint demnächst ein Buch von Felix A. Theilhaber, „Der Untergang der deutschen Juden“, dessen Inhalt von höchstem aktuellen Interesse sein dürfte. Wir bringen hier mit freundlicher Genehmigung des Verlages ein besonders interessantes Stück des Buches zum Vorabdruck. Verfall und Aufstieg. .... Der Appell an den Idealismus in Ehren; Hat nicht das offizielle Judentum auch im vorigen Jahrhundert für die altjüdischen Ideale gekämpft? Gab es nicht ein Heer von Vorständen, Rabbinern, Lehrern, Schriftstellern, die für die Erhaltung und Erneuerung tagtäglich warben? Hat nicht die Pogromgefahr Tausende auf geschreckt, die ihr Sein längst vergessen hatten? Hat aber das Leben nicht stärker gewirkt und selbst die Orthodoxie von der Frühehe verjagt? Gut, weckt mit Posaunen die Hunderttausende aus dör Apathie und Lethargie, erfüllt sie mit neuem religiösen und nationalen Willen. Vor allem schafft ein gesundes Volkstum, Möglichkeiten normalen Liebeslebens, ökonomische Grundlagen, kurz reformiert an Haupt und Gliedern, werdet Juden wie die der früheren Zeiten, modelt eine neue Weit in die opponierende Umwelt, macht ein neues Volk mit neuen oder alten Gesetzen — wo ihr könnt! Esten, Irländer und Litauer sind zu neuem nationalen Bewußtsein erweckt worden. Ihnen kam die Einheit und die Kraft des eigenen Grund und Bodens zustatten, Sprache, Sitte und Kultur, politische und wirtschaftliche Interessen. Einflüsse und "RnuThallmaier München ThjsaünsvfCrAÖ. v' ./ l' J