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Das jüdische Echo · 1921-08-19 · 33 (19.8.1921) · p. Seite 407

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
8 (1921)
Issue
33 (19.8.1921)
Date
1921-08-19
Page
Seite 407 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 33 Das Jüdische Echo 407 ausstellen kann. Ich; bin leider gezwungen, dieses Vorgehen als höchst barbarisch und unamerikanisch zu bezeichnen. Es ist unmöglich, Menschen aus technischen Gründen auszuschließen, wenn nicht eine antisemitische Tendenz dabei ist. Darum müssen die amerikanischen Juden eine öffentliche Protestaktion einleiten. In Rotterdam sind nicht so viel Emigranten angesammelt. Auch ist dort die Fürsorge der Schiffsgesellschaften eine weit bessere. Vor einiger Zeit sind ein paar Damen aus New York von der itid. Frauenorganisatilon dort eingetroffen, die vor allem die zahlreichen Kinder beaufsichtigen. Die Kinder werden in englischer Sprache und überhaupt in ,, Am e r ikan ism us“ unte rrilchtet. Ein großes Übel ist, daß die jüdischen Hilfsgesellschaften noch nicht hinreichend organisiert sind. Im wesentlichen kommen nur die zwei großen Gesellschaften „Hias“ und „Ica“ in Betracht, denn sie haben die Mittel. Aber leider können die beiden sich schwer verständigen, denn „Hias“ ist eine demokratische Volksorganisation und dem Volke verantwortlich, während die „Ica“ nach dem Notabeinsystem organisiert, es vorzieht, nach philanthropischer Methode zu arbeiten. Man muß aber auch zugeben, daß eine allgemeine Emigration spolitik auf große Schwierigkeiten stößt, weil die Lage sehr unklar ist und man nie weiß, was der nächste Tag bringen wird. Man sucht andere Länder. Kanada ist besonders streng und verlangt nur Farmer, die kanadische Regierung hat in den Monaten März und April 2000 jüdische Emigranten unter den nichtigsten Vorwänden zurückgeschickt. Man dachte an Mexiko und Brasilien, aber dort ist kein Raum für größere Judenmassen, man läßt sie nicht in die Städte, sondern die Regierungen wollen sie zu Arbeiten in den Sümpfen verwenden, und dazu taugen die Juden nicht. Argentinien stellt ähnliche Bedingungen.“ Das jüdische Palästina und der Orient. Von Arnold Zweig. Wir Zionisten, die die Besiedlung Palästinas durch jüdische Massen schon propagierten, als auf solchen Absichten noch die Strafe jüdischen und nichtjüdischen Gelächters stand, erwarten eine tiefgehende Umwandlung der jüdischen Volksteile durch die Gewalt des Orients; solche Wirkung aber ist notwendige Wechselwirkung und berechtigt die Frage, welcher Umwandlungen der Orient gewärtig sein muß, wenn eine jüdische Einwanderung ihm eine Menschenmenge von durchaus ungewöhnlicher Struktur zu seiner vielfältigen Bevölkerung hinzufügt — zu einer im wesentlichen beharrenden, in sich langsamen, mit dem Willen zur Abschließung gesättigten Bevölkerung. Der neue Zuzug aber wird, allgemein gesehen, drei Elemente in sich tragen, und so dreierlei Einfluß spielen lassen: europäische, ostjüdische, urjüdische. Der Jude kommt, erster Aspekt und größter Gegensatz, als Europäer ins Land. Sein Intellekt ist vollwach und von einer geschmeidigen Schärfe, die sich jeden Problemes und1 jeder Schwierigkeit zu freuen scheint; zugleich kommt er als Großstädter, der in den Formen des zerlegtesten Großbetriebes erwachsen ist und sie überall anzuwenden bereit scheint, mit dem ganzen Tempo des Großstädters und Zeitsparers. Dieser Jude trägt die moderne Wissenschaft an den Rand des Orients: er wird zuerst die Medizin entfalten und den Kampf gegen Malaria und Augenkrankheit, gegen Kindersterblichkeit und Seuchen erfolgreich aufnehmen. Daß damit eine Veränderung der Bodenverhältnisse verbunden ist, sowohl Trockenlegung von Sümpfen als Bewässerung von Trockenland, ist bekannt. Größere Städte und intensiverer Verkehr erscheinen uns unvermeidlich, und die kulturellen Bedürfnisse der Juden, von jeher sehr hoch und europäisch gerichtet, werden ein Einfalltor für Literaturen und Künste der führenden Westvölker werden. Kurz, die Distanz zwischen Europa und dem Orient muß sich verringern. zumal da der Verkehr europäischer Schiffslinien nach palästinensischen Häfen sich intensiv beschleunigen, muß, um der Verbindung der palästinensischen mit der europäischen Judenheit zu dienen; und ebenso wie die jüdische Universität eine modern-europäische Hälfte haben wird, die den Geist des Okzidents in Methoden und Lehr,gegenständ ausarbeiten muß, werden Ausstellungen. Theater und vor allem Konzerte die besten und die neuen Schöpfungen Europas für jeden empfänglichen Geist dar stellen, der kommt, sie aufzunehmen. Geschieht das aber, so ist nicht einzusehen, warum die Bewohner des palästinensischen Hinterlandes nicht an den Gelegenheiten des Studiums teilnehmen sollen, die ihnen plötzlich so nahegerückt sind. Vor allein aber wird er in vielem schon den Geist des Westens kennen lernen können, diesen aggressiven, zerlegenden und logisch-systematischen Geist — wie wir hoffen, ohne allzuviel von den Verzerrungen und Ausartungen zu verspüren, die das Leben in Europa zu diesem unbarmherzigen und nahezu gehässigen Kampfe von Mensch mit Mensch gebracht haben, der den wildesten Ausdruck im Kriege gefunden hat. Dies zu vermeiden, wird vielleicht die Aufgabe des ostjüdischen Elements der neuen Besiedlerschaft sein. Nirgendwo gib es so überzeugte, so tatbereite, so nach neuer Ordnung des Lebens dürstende Massen wie in der Jugend des ostjüdischen Proletariats. Sie ist sozialistisch, diese Jugend, und ihr Einfluß ist um so größer, als die jetzt schon im Lande befindlichen Arbeiterjuden ihre Brüder und Gesinnungsgenossen sind. Denn darüber darf kein Zweifel herrschen: zwar werden die Juden die Formen ausgebildeter Wirtschaft aus Europa mitbringen; den Geist aber, der diese Formen für Europa so verhängnisvoll machte, den Geist des Kapitalismus, der rücksichtslosen Einzelbereicherung, ihn wollen sre nicht in das neue Land verpflanzen. Vielmehr wird die jüdische Gemeinschaft — kein auf Gewalt und Unduldsamkeit gegründeter Staat — von der Freiheit guten Gebrauch machen, den der englische Länderverband den ihm angegliederten Gemeinwesen innerpolitisch wie außerpolitisch in weitem Maße zu lassen pflegt, und sie wird eine Form des sozialen Zusammenlebens zu schaffen suchen, die schon darin von anderen sich unterscheiden dürfte, als der Arbeit am Lande, der groben schweren Habe eine Zahnprajcis eröffnet München, Baaderplatz U Eingang Kohlstrasse H. ÜLLMRIiM, DENTIST früher Nürnberg / Spez. Laboratorium für feine Zahntechnik fachmännische, individuelle persönliche Behandlung

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