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Das jüdische Echo · 1921-08-05 · 31 (5.8.1921) · p. Seite 385

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
8 (1921)
Issue
31 (5.8.1921)
Date
1921-08-05
Page
Seite 385 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 31 Das Jüdische Echo 385 den Wänden ihrer Kneipe mustern, hätten sich dann niemals den Kopf darüber zerbrochen, was für ein Landsmann wohl der Tapfere gewesen ist, der mit seinem Familiennamen Chajes hieß. Sie hätten es sich entweder an seinem völkisch einwandfreien Vornamen genügen lassen und den Familiennamen gar nicht weiter beachtet oder aber sie hätten vielleicht gedacht, Chajes sei ein uralter wendischer Name oder sogar ein keltischer Name, und das hätte sie nicht abgehalten, den Kerl, der ihn trug, für ebenso bierehrlich zu halten, wie andere Kerle, die bei den Schlappinern Waffen belegt hatten, und für einen „noblen Hund“ obendrein. Denn — nicht wahr? — Alle können wir schließlich nicht von Hermann dem Cherusker abstammen. Das wäre entschieden zu viel verlangt. Einige von uns stammen vielleicht sogar von den Legionären des Varus ab, die jener besiegt hat. Aber — versuche einmal Einer, ihnen das nachzuweisen! Hingegen wenn man hört: „Siegfried Chajes von Pflaumloch“, da ist natürlich niemand so blau, sich weiß machen zu lassen, man habe es mit einem schwäbischen Rittergeschlecht zu tun, wie bei „Petz von G e r 1 ic h i n g e n “, „Fuchs von Cos sin anshausen“ oder „Wolf von W unnenstein“. Vielmehr weiß jedermann sofort Bescheid, was es mit Name und Art für eine Bewandtnis hat. Siegfried Chajes hatte es somit lediglich sich selbst zuzuschreiben, wenn sein der Schlappinia gewidmeter Ehrensäbel niemals anders genannt wurde, als: „Der Judens p e e r.“ Die Sehlappiner renommierten nicht wenig mit ihrem Judenspeer. Er bildete die Hauptattraktion ihrer Kneipe. Jeder Keillfuchs mußte ihn sehen und bewundern, und mit der Zeit knüpfte sich an ihn ein Kranz der abenteuerlichsten und zugleich infamsten Legenden. Der eiserne Käfig des Lechburger Stadtmuseums, in dem im Jahre 1349 drei Juden an den Füßen aufgehängt wurden — „und lebeten noch am vierten Tag“ heißt es in der Lechburger Stadtchronik — konnte kein größeres Kuriosum darstellen, als der Judenspeer der Schlappinia. Viele Jahre hindurch hing der Judenspeer immer an dem gleichen Fleck, wo man ihn hingehängt hatte, nachdem er von dem Lehrbuben des Juweliers Salomon Feibeles abgegeben worden war. Bekanntlich wurde aber auf dem vorjährigen Seniorenkonvent des R. P. C., dem ein jüdisches Schandmaul dafür den Spitznamen: „Risches- Ponim-Convent“ angehängt hat, der offizielle Beschluß gefaßt, Juden und Judenstämmlingen in Zukunft weder Satisfaktion noch Waffenschutz zu gewähren. Für die Nächstbeteiligten war die praktische Bedeutung dieses Beschlusses nicht groß. Die Mehrzahl hatte schon vorher eingesehen, daß ihnen die Pflege feudal-aristokratischer Roheiten noch weniger anstehe, als den freien Nachkommen höriger Bauern und den aufgeklärten Enkeln bornierter Pfahlbürger und hatte sich selbst davon abgewendet. Für den Judenspeer aber wurde diie neue Richtung im R. P. C. verhängnisvoll. Eines schönen Tages wurde er unter großer Zeremonie aus den heiligen Hallen der Schlappinia entfernt. Ein krasser Fuchs, der beim „Landesvater“ nachgeklappt hatte — die Sehlappiner lassen sich durch die Judenrepublik in ihren Traditionen nicht beirren — mußte ihn von der Wand abnehmen, die Widmung dreimal anspucken und dann die Klinge zerbrechen. Nachdem das Ärgernis des Judenspeers auf diese Weise beseitigt war, erhob sich die schwierige Frage: was mit dem silbernem Korb anfangen? Denn für einen Spucknapf war er denn doch zu schade. Der J. C. zerbrach sich mehrere Stunden den Kopf darüber. Schließlich beschloß man, alles dem Erstchargierten, stud. phil. Waldemar Holzbock, zu überlassen. Holzbock aber hatte den geistreichen Einfall, Hakenkreuze daraus machen zu lassen und mit deren Anfertigung Salomon Feibeles zu beauftragen. Man war zwar im R. P. C. übereingekommen, sämtliche jüdischen Geschäftsleute zu boykottieren. Allein man weiß doch: chacun a son juif qu’il aime *), und Holzbock hatte nun einmal unseren Salomon Feibeles, den er wegen seiner liberalen Kreditgewährung wertschätzte, in sein Herz geschlossen. So erhielt denn der Verfertiger des Judenspeers den ehrenvollen Auftrag, aus dem silbernen Korb desselben 100 Hakenkreuze zu schmieden. Denn dank der Munifizenz des Spenders reichte das edle Material des Korbes hin, die ganze Aktivitas der Schlappinia mit diesem Schmuck zu versehen. Salomon Feibeles trug kein Bedenken, den Auftrag anzunehmen. Sein Prinzip war: „Geschäft ist Geschäft und *) Jeder hat seinen Juden, den er gern hat. "ßiuThallmaier München ThßaünßvÜrAÖ.!jxyrso9llanQ.

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