Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- 31 (5.8.1921)
- Date
- 1921-08-05
- Page
- Seite 382 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/9072829-9103024-9145330--04236-9077061- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Haifa 1× ep/1047930
- Safed 1× ep/1046078
- Tiberias 1× ep/1048138
OCR text
382 Das Jüdische Echo Nr. 31 1886 1914 von auf hiervon Juden Jerusalem 42.000 110.000 70.000 Jaffa 17.000 60.000 15.000 Safed 10.000 18.000 10.000 Tiberias 5.000 10.000 8.000 Haifa 6.000 25.000 3.500 Seither, das heißt von Kriegsbeginn an, sind die obigen Ziffern, die einschließlich einiger kleineren Städte und der landwirtschaftlichen Kolonien die Gesamt judenzahl auf 120.000 gebracht hatten, stark zurückgegangen. Viele Tausende, welche die osmanische Untertanenschaft nicht erwerben wollten, waren ins Ausland (hauptsächlich nach Ägypten) geflüchtet. Außerdem war die Sterblichkeit unter den zahlreichen älteren Elementen sehr stark, und die durch den Krieg unterbrochene Einwanderung setzte erst anfangs 1920 wieder ein. Mitt dieser ist die gegenwärtige Judenziffer Palästinas (Mitte 1921) wieder auf zirka 100.000 zu schätzen, und eine rasche Zunahme dürfte nunmehr unmittelbar bevorstehen. * * Die jüdische landwirtschaftliche Kolonisation, die mit dem Jahre 1881 begann, zählte im Jahre 1900 knapp 5000, im Jahre 1912 bereits 12.000 Einwohner in insgesamt 50 Kolonien. In diesen war vor dem Kriege der Wert des Bodens durch die hineingesteckte Arbeit durchschnittlich auf das Zehnfache gestiegen. Die Erträge waren ebenfalls stark gewachsen und die Kolonien haben der umwohnenden Landesbevölkerung vielfach als Muster gedient. Die Einnahmen der türkischen Regierung allein aus der Zehntsteuer von den beiden Hauptprodukten in nur zwölf von diesen Kolonien betrugen (in Vorkriegsmark): für die Ernte an: Getreide Orangen zusammen Mk. Mk. Mk. im Jahre 1904 27.906 8.109 36.015 im Jahre 1913 172.952 84.208 257.160 also innerhalb zehn Jahren eine Steigerung auf das Siebenfache! Vor der Gründung der jüdischen Kolonien, die zumeist auf unbebautem Land entstanden, war so gut wie überhaupt kein Ertrag und demzufolge auch keine Zehntsteuer da. Der Wert der jüdischen Kolonien wurde (nach dem Stande von 1913/14) auf Grund der bei den Kolonien der deutschen Templer zur Berechnung he ran gezogenen und anderen Unterlagen auf zwischen 48 und 80 Millionen Vorkriegsmark geschätzt. Die jährliche Ernte stellte vor dem Kriege einen Wert von 3,8 Millionen Mark dar. Dieser Wert war durch das Heranwachsen der zahlreichen jungen Baum Pflanzungen in sehr rascher Steigerung begriffen. Trotz der unvollkommenen Methoden in dem von der jüdischen Gesamtheit getragenen Werk der Kolonisation, des Brziehungswie des Fürsorgewesens sind die seitens der Judenschaft der Welt in der Epoche der neueren Kolonisation, das ff. Herrenschneiderei Reiche Stoff-Auswahl Ermäßigte Preise üode Nport Meuhauserstr.15/1, gegenüber der alten Akademie heißt in den 40 Jahren von 1881 bis 1921 aufgebrachten 10 Millionen Pfund Sterling nicht vergeblich aufgewendet worden. Der heutige materielle Wert der jüdischen Positionen in Palästina repräsentiert — in Stadt und Land — mindestens diesen Betrag. Dem neuen unter so günstigen Auspizien stehenden jüdischen Palästina dürfte in den nächsten zehn Jahren ein vielfaches jener bisherigen Aufwendungen zur Verfügung stehen. Der gegenwärtige Stand des landwirtschaftlichen Ansiedlungswesens beträgt (1921): 65 Kolonien mit 60 000 Hektar Land und 13 000 Einwohnern. * * Von besonderem Interesse ist auch die Verk e h tr s e n t w i c k 1 u n g des Landes, die eben - falls erst seit der neuen, jüdischen Einwanderung und Kolonisation stattgefunden hat und wesentlich durch diese ermöglicht wurde. Im Jahre 1892 wurde die Linie Jaffa—Jerusalem als die erste Bahn ganz Syriens gebaut. Inzwischen sah Palästina eine ziemlich lebhafte Verkehrsentwicklung. Seit dem; Kriege ist das Bahnnetz des Landes auch mit den großen Bahnsystemen Vorderasiens, Europas und Afrikas in Verbindung gebracht worden. Damit ist Palästina aus der Verkehrsisolierung heraus und ist als wichtiges Bindeglied der großen Kontinentallinien (nur über Palästina konnte das afrikanische Schienennetz mit dem Asiens und Europas verbunden werden) und durch seine Nachbarschaft zum Suezkanal wieder in einen Mittelpunkt des Weltverkehrs gestellt Die Eisenbahnentwicklung Palästinas zeigt folgendes Bild: Im Jahre 1881 .... 0 km Bahnlänge Im Jahre 1892 .... 87 km Bahnlänge Im Jahre 1906 .... 584 km Bahnlänge Im Jahre 1921 .... 1455 km Bahnlänge Hiebei ist nur das traditionelle Palästina berücksichtigt — ohne die syrischen Strecken nördlich Der’o und ohne die Hedschas-Bahnstrecke südlich Ma’an, aber einschließlich der ägyptischen Berührungslinie gerechnet, die auch in ihrem Namen als Palästina-Bahn bezeichnet ist und bei Kantara am Suezkanal ihren Endpunkt erreicht. * * In den neuen Grenzen des jüdischen Palästina unter dem britischen Mandat bilden die Juden schon gegenwärtig 22 Prozent der Bevölkerung. Mit dieser Ziffer ist Palästina schon jetzt wieder das erste Judenland der Welt. Jerusalem zählt unter 90 000 Einwohnern 55 000 Juden (vor dem Kriege waren es 70 000 Juden unter etwas über 100 000 Einwohnern). Keine Stadt ähnlicher Größe hatte verhältnismäßig mehr Juden. Auch der Einfluß der Juden auf das Wirtschaftsleben ist in keinem Lande so deutlich wie in Palästina, und ebenfalls in keinem Lande in so starker Zunahme begriffen. Bankinstitute, Genossenschaftswesen, Pflanzungsgesellschaften, Handels- und Verkehrsunternehmungen der Juden bilden in ihrer Gesamtheit schon längst die stärkste ökonomische Kraft im Lande. Der Absatz der Hauptprodukte, wie Wein, Mandeln, Orangen ist in leistungsfähigen Verbänden organisiert. Zum Zwecke der Aufforstung wurden im Jahre 1920 in Baumschulen eineinhalb Millionen Bäumchen gezogen. Das landwirtschaftliche Versuchswesen ist in stetiger Ausbildung begriffen.