Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- 31 (5.8.1921)
- Date
- 1921-08-05
- Page
- Seite 381 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Jüdische Echo Nummer 31 5. August 1921 8. Jahrgang Die Entwicklung Palästinas durch die Juden. Tatsachen und Ziffern über die Entwicklung Palästinas durch die Juden von Davis T r i e t s c h. Die Schaffung einer gesicherten Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina, die vom ersten Zionistenkongreß in Basel im Jahre 1897 als Programm aufgestellt wurde, ist innerhalb zwanzig Jahren aus einer scheinbaren Utopie zu eitler realpolitischen Tatsache geworden. Alle Mächte der Erde haben sich für die Errichtung einer nationalen Heimstätte des jüdischen Volkes in Palästina erklärt. England, von dem diese Aktion ausging, gab mit der am 2. November 1917 erfolgten Balfour-Erklärung den Anlaß zu gleich oder ähnlich lautenden Erklärungen aller anderen Mächte. Auf der Friedenskonferenz in San Remo im Frühiaihr 1920 wurde diese Erklärung bestätigt und keinerlei Gegenaktionen haben die Tatsache erschüttern können, daß den Juden die Möglichkeit gegeben wird, in Palästina ihre nationale Heimstätte zu errichten. Ihren verfolgten Massen wird dort ein Zukunftsland eröffnet, das ihnen niemand verwehren und von wo aus die jüdische Gesamtentwicklung einen neuen Aufstieg nehmen wird. Mit diesem welthistorischen Akt war die politische Seite der Judenfrage gelöst. Nunmehr ist die jüdische Wanderung nach Palästina zu lenken. Trotz alledem sehen die Juden noch heute die auf Palästina gerichteten Bestrebungen als utopisch, als romantisch und als irreal an. Dies beruht auf einer Unkenntnis der Tatsachen, die schon längst in der Richtung auf das Ziel sich entwickelt haben, das durch diile allseitige Zustimmung der Mächte nunmehr in greifbare Nähe gerückt ist, so daß es nur noch von der werktätigen Mithilfe der jüdischen Welt abhängt, aus den Programmen, Erklärungen und Möglichkeiten eine Verwirklichung der Rettung und des Aufbaues zu machen. Im nachstehenden seien einige der wichtigsten Tatsachen und Ziffern über das jüdische Volk zus ammen ge tr ag en. Schon zur türkischen Zeit hatte däs jüdische Element in Palästina in den beiden letzten Menschenaltern einen rapiden Aufstieg gezeigt, während die Bevölkerung des türkischen Reiches sich nur langsam hob und in manchen Teilen sogar Stillstand und Rückgang auf wies. Die Zahl der Juden im Lande betrug: im Jahre 1852 .rund 5 000— 6.500 im Jahre 1867 .rund 12.000—13.000 im Jahre 1881 .rund 25.000 im Jahre 1897 . ... rund 50.000 im Jahre 1911 .rund 100.000 Unmittelbar vor dem Kriege war die Zahl der Juden auf etwa 120.000 angewachsen. Die obige Ziffernreihe zeigt eine viermalige Verdoppelung der Judenziffer innerhalb je etwa fünfzehn Jahren. Dies beruhte im wesentlichen auf der Einwanderung, die mit der Besserung der Verkehrsverhältnisse immer mehr zugenommen imd vor dem Kriege durchschnittlich etwa 3000 bis 5000 im Jahr betragen hatte. Der Rückgang der jüdischen Ziffern im Kriege ist durch die Einwanderung von 1920/21 wieder ausgeglichen. Diese neue Einwanderung ist allem Anschein nach in rascher Zunahme begriffen. Die Bildung einer neuen jüdischen Konzentration in Palästina steht damit außer Frage. * * Die jüdische Einwanderung nach Palästina bildete weitaus das zahlreichste europäische Element im Lande. Das zweitstärkste Element waren die Deutschen, deren Zahl aber nur ein schwaches Fünfzigstel der jüdischen Ziffern ausmachte. Mit der jüdischen Einwanderung stiegen auch Ein- und Ausfuhr erheblich. Ausdrücklich wurde dieser Zusammenhang unter anderem auch von den Konsulaten der verschiedenen Ländern bestätigt. * * In Jaffa, wo vor 30 Jahren keine 100 Juden lebten, zählt man heute bereits über 15.000. Ein großer Teil von ihnen wohnt in eigenen neu erbauten jüdischen Stadtvierteln. Das schönste von diesen — Tel-Awiw — bildet eine rein jüdische Vorstadt mit gegenwärtig 4000 Einwohnern, mit sauberen, breiten Straßen, villenartig in Gärten angelegten Häusern, schönen öffentlichen Anlagen, Wasserleitungen, Elektrizitätswerk, eigener Bahnstation, Post- und Telegraphenamt, Automobilomniibus-Verbin düng mit Jaffa usw. In Jaffa befindet sich auch das hebräische Gymnasium, dessen Unterrichts- und Umgangssprache das Neuhebräische Ist, und das schon vor dem Kriege (nach kaum siebenjährigem Bestehen) bereits 800 Schüler zählte — wovon mehr als die Hälfte vom Ausland geschickt waren — so daß die Einrichtung von Doppelklassen nötig wurde usw. Ebenfalls vor dem Kriege wurde bereits das Abgangszeugnis dieses Gymnasiums von europäischen Universitäten anerkannt und die Abiturienten zum Studium zugelassen. Es gibt ferner Bibliotheken, Vereine, Hotels, Kaffees, ein großes Kinotheater usw. Auch der Handel Jaffas ist schon längst in starkem Aufschwung begriffen. Der gesamte Außenhandel betrug im Jahre Werte in Millionen , Gesamthrtndel Mark (Vorkriegswerte) Einfuhr Ausful.r 1886 ... 7,2 4,8 2,4 1900 . . . 12,9 7,6 5,3 1913 . . . 41,2 26,2 15,0 Während die gesamte Türkei vor dem Kriege einen Außenhandel von rund 1 Milliarde Mark (bei zirka 15 Millionen Einwohnern) aufwies, was 40 Mark pro Kopf entspricht (und zwar 27 Mark in der Einfuhr und 13 Mark in der Ausfuhr) hatte vor dem Kriege Südpalästina allein über Jaffa (also ohne Ohaza) einen Handel von (1913) etwa 110 Mark per Kopf (Einfuhr 70 Mark, Ausfuhr 40 Mark), mithin fast das Dreifache des türkischen Durchschnittes. In etwa der gleichen Zeit (von 1886 bis 1914) stieg die Einwohnerzahl d e ir wichtigsten Judenstädte wie folgt: