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Das jüdische Echo · 1921-07-22 · 29 (22.7.1921) · p. Seite 361

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
8 (1921)
Issue
29 (22.7.1921)
Date
1921-07-22
Page
Seite 361 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 29 Das Jüdische Echo 361 diesen Satz veröffentlichten, in ihren entrüsteten Bemerkungen zu den Enthüllungen des „Miesbacher Anzeigers“ über die Förderung der „Süddeutschen Presse“ durch jüdische und deutsche Politiker gegen die Beschuldigung des versteckten Antisemitismus, die einer jener Herren gegen das Blatt richtete. Seit dem Verkauf der „M.N. N.“ kann man über Gesinnung mit ihnen nicht rechten. Sie haben es jedenfalls sehr geschickt verstanden, zu verbergen, daß sie ihre freiheitlichen Anschauungen von ehedem restlos vergessen und allerlei nicht sehr Freiheitliches inzwischen hinzu gelernt haben. Vielleicht bestreiten sie nun auch, daß der oben angeführte Satz antisemitisch ist, obwohl der „Völkische Beobachter“ die „M. N. N.“ um soviel Perfidie beneiden dürfte. Aber wer weiß, vielleicht kann sich das Blatt darauf berufen, daß gerade diese Zeilen von einem seiner jüdischen Mitarbeiter, die den Verband der Nationaldeutschen Juden so herzlich begrüßen, verfaßt worden sind. Da der Verband Nationaldeutscher Juden durch seine bloße Existenz eine Denunziation aller anderen Juden dem deutschen Volke gegenüber bedeutet, kann man allerlei für möglich halten. Unser Interesse daran, der gesinnungslosesten Assimilation auf all ihren Schleichwegen nachzuspüren, ist ebenso beschränkt wie an einer Art der Bekämpfung des Antisemitismus, die letzten Endes nichts weiter als Worte gegen starke Faktoren politischer Macht einzusetzen hat. Wir haben in den letzten Nummern unseres Blattes und mehr, als es unsere Gewohnheit ist, uns mit diesen Dingen beschäftigen müssen. Das Münchner Judentum hat augenblicklich keine Waffe als den Protest gegen seine unwürdige Lage, mag diese Waffe auch so schwach sein, wie sie will. Die Nutzlosigkeit des bisherigen Kampfes der Worte mag es davon überzeugen, daß bloße Proteste keinen Gegner niederschlagen, daß sie nicht einmal geeignet sind, den ewig Klagenden Mitgefühl und Achtung der Welt zu erwerben. Unsere Zeit, in der Juden, Deutsche oder Armenier, niedergemetzelt werden, „wie’s gerade trifft“, ist nicht sehr weichherzig, es ist nicht erfreulich und nicht nützlich, vor ihr als ewige Querulanten dazustehen. Wir wiederholen und werden nicht aufhören zu wiederholen, daß unsere Lage uns zur Leistung und zum Aufbau unserer Gemeinschaft und unserer Zukunft verpflichtet. Leistung und Aufbau aber sind ein Kampffeld, auf dem wir, machen wir nur Ernst dem unfruchtbaren Antisemitismus überlegen sind; die Judenheit, die sich und der Welt Werte schafft, ist weniger leicht angreifbar als die der Klage und des nutzlosen Protestes. literarisches Echo Eine Geschichte des Zionismus. Wer sich bisher über die Geschichte des Zionismus. von ihren Anfängen bis zur jüngsten Gegenwart, informieren wollte, war genötigt, selbst zum Historiker zu werden. Er fand nur Material, aber nirgends die zusammenfassende Darstellung, die ihn über das Werden dieser Bewegung und ihren jetzigen Stand fortlaufend unterrichtet hätte. Da erschien im vorigen Jahre Adolf Böhms „Zionistische Bewegung“ (im Welt-Verlag Berlin); sie gab in prägnanter Form und in tiefeindringender Betrachtungsart diese Geschichte bis zum Tode Herzls. Wie wir jetzt erfahren, wird noch vor dem XII. Zionistenkongreß in Karlsbad der zweite Band dieses Werkes (ebenfalls im Welt-Verlag), der die Geschichte des Zionismus bis zur Gegenwart behandelt, vorliegen. Man darf mit Recht auf diese Darstellung gespannt sein, die ein Mann vom Range Böhme diesem neuesten Abschnitte der Geschichte gegeben hat. Deir bereits erschienene erste Teil läßt vermuten, daß wir in diesen beiden Bänden nun wirklich „d i e“ Geschichte des Zionismus in deutscher Sprache vorliegen haben. Feuilleton Die armen Juden. Von M o r o r. Derselbe Schiffbruch hatte den Frankfurter Bankier aus der Luxuskajüte und den Lubliner Fabrikarbeiter aus dem Zwischendeck an die Küste derselben Felseninsel verschlagen. Wie sie dort nebeneinander kauerten, war es nicht eben leicht, den Frankfurter von dem Lubliner zu unterscheiden. Denn beide hatten nichts als das nackte Leben gerettet. Freilich, sobald sie den Mund auftaten, war es gleich anders. Da konnte man den Bankier sowohl an seiner gewählten Sprache, wie a'n der Überlegenheit seines ganzen Wesens erkennen. „Schnorren gehn oder pleite gehn, das ist nebbich hier die Frage“ — monologisierte der Bankier, nachdem er die Lage gründlich überdacht hatte. „Haben Sie mich begriffen?“ wandte er sich dann ein wenig von oben und mit einem deutlichen Unterton des Zweifels an den Mann aus dem Osten. „Ich? Sie? Kunststück!“ erwiderte dieser kurz und machte sich auf die Suche nach Menschen. Am Abend kehrte der Lubliner erschöpft und niedergeschlagen zurück. Der Frankfurter hatte sich inzwischen die Zeit damit vertrieben, die Hausse und Baisse des Meeres zu beobachten und die wechselnden Kurse des Windes und der Wolken zu notieren. Diese Beschäftigung hatte seine aufgeregten Nerven beruhigt. Trotzdem zitterte er am ganzen Leib, als ihm der Lubliner die Hiobspost brachte, die Insel sei öde und Leer und im weiten Umkreis nicht die Spur einer menschlichen Ansiedelung zu entdecken. Die Stimmung des Bankiers, sonst gewohnheitsmäßig fest, sobald er nur soliden Boden unter sich spürte, wurde jetzt mit einem Schlag vollkommen lustlos. Er lief händeringend am Strand auf und ab, und, obwohl nichts weniger als fromm, stieß er ein „Sch’ma Jisroel!“ nach dem andern aus. Der Lubliner hatte seine liebe Not. zu verhindern, daß er sich in seiner Verzweiflung wieder ins Meer stürzte. Als der Bankier am nächsten Morgen erwachte, fand er sich zu seiner Überraschung in einer wohnlichen Höhle, auf ein weiches Lager gebettet. Vor ihm stand ein Becher französischen Weins, ein Teller mit gebratenen Fischen und ein Paket Bismarckkakes. Alle diese Herrlichkeiten hatte der Lubliner herbeigezaubert, während der Bankier schlief. Dieser rieb sich die Augen. Er glaubte noch zu träumen. Aber alles war Wirklichkeit. Der Lubliner hatte die vor Wind und Wetter schützende Höhle entdeckt und einen großen, im Meer treibenden Lederkoffer aufgefischt. „Nu, wie habe ich das wieder organisiert?“ rief der Bankier äußerst animiert, als er sich von der Realität seines Frühstücks überzeugt und eine echte Import angezündet hatte. Während da*nn der Lubliner den ganzen Tag im Schweiß seines Angesichts arbeitete, noch einige schwimmenden Kisten an ten

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