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Das jüdische Echo · 1921-07-22 · 29 (22.7.1921) · p. Seite 362

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Echo
Volume
8 (1921)
Issue
29 (22.7.1921)
Date
1921-07-22
Page
Seite 362 (sequence 8)
Language
German
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362 Das Jüdische Echo Nr. 29 Strand bugsierte und reiche Schätze barg und aufstapelte, ersann der Frankfurter unbegrenzte Möglichkeiten ihrer Verwendung. Nach dem Abendbrot entwickelte er ein großzügiges Wiederaufbauprogramm. Er selbst würde seine organisatorische Begabung, der Lubliner seine ganze Muskelkraft in den Dienst des gemeinsamen Unternehmens stellen. Durch solches Zusammenwirken von Kopf und Hand würde die Insel im Handumdrehen aus einer ungastlichen Steinwüste in eine Heimstätte ethischer Kultur verwandelt \yerden. Frei von allem chiliastischen Utoptismus sollte auf der Insel das Muster einer Demokratie auf rein sittlicher Grüliölage verwirklicht werden. Er war voll idealen Schwungs und sprach wie ein Emissionsprospekt. Der Arbeiter aber war, müde von den Anstrengungen des Ta'ges, schon nach seinen ersten Worten eingeschlafen, so daß ihm der Genuß der auferbaulichen Rede entging. Andern Tages mit etwas eingenommenem Schädel erwacht, wollte sich der Bankier eben wehmütigen Betrachtungen darüber hingeben, wie schwer doch der Kulturmensch den Kaffee entbehrt, als ihm ein würziger Mokkaduft in die Nase stieg. Auch Milch und Honig flössen alsbald in Strömen; denn der Lubliner hatte schon in aller Frühe eine wilde Ziege eingefa'ngen und einen Bienenschwarm entdeckt. Angeregt erklärte der Bankier, daß ihm zur Vervollständigung der Stimmung jetzt nur noch zwei wachsweiche Eier fehlten. Er hatte aber nochi. nicht ganz ausgesprochen, als der Lubliner auch schon das Vermißte aus einem lustig siedenden Topf herausgefischt hatte. „Ein Eiland, das sogar wachsweiche Eier spendiert! Alle meine Nefäres!“ witzelte der Bankier. Er war wieder bombenfest und behauptete, er sei im Begriff, Meinung auf Schiffbrüche und Teufelsinseln zu bekommen. Von Stund an hatte unser Frankfurter Robinson nur noch die eine Sorge: wie er sich bei seinem Mängel an Beschäftigung vor Langeweile schützen könne. Denn sein unermüdlicher Freitag aus Lublin feierte nur am Schabbes. Sonst arbeitete er teils, aus Gutmütigkeit teils aus Betätigungsdrang buchstäblich für zwei. Der Bankier hatte unter so bewandten Umständen fast nichts zu tun, als „den Produktionsprozeß planvoll: zu leiten“, wie er sich ausdrückte. Alles andere machte der Lubliner. Dieser Prachtmensch hatte freilich bei aller sonstigen Vortrefflichkeit auch seine unangenehmen Eigenschaften. Er war außerordentlich wortkarg und gab tagsüber fast keinen Laut von sich; dafür schnarchte er nachts wie ein Orkan. Dazu kam, daß sein Idiom mit dem Frankfurter doch bloß eine sehr entfernte Verwandtschaft hatte, so daß es anfänglich nicht immer leicht war, sich mit ihm zu verständigen. Namentlich hegte er aber Ansichten, die denen des Frankfurters fast durchweg entgegengesetzt waren. Er weigerte sich hartnäckig, die bevorzugte Herkunft der sephardischen Juden anzuerkennen und sprach über die heiligsten Kapitalinteressen der Menschheit in einer Art und Weise, die ihm überall sonst, außer auf einer einsamen Insel, unfehlbar Verfolgung wegen Hochverrats zugezogen hätte. Um nicht vollkommenem Stumpfsinn zu verfallen, blieb dem Bankier daher nichts anderes übrig, als immer wieder in dem reichen Schatz von Anekdoten und Witzen zu kramen, über den er als langjähriger Besucher der Frankfurter Börse verfügte. Als er aber zum hundertstenipal die Geschichte vom alten Baron Mendelssohn aufgetischt hatte, der überwältigt von den Pogromschilderungen eines ukrainischen Flüchtlings in die Worte ausbrach: „Schmeißt ihn raus! Sein Jammer brecht mirs Herz!“, da hielt es der Lubliner nicht länger aus. Er wurde mit einemmal gesprächig. Er sang mit klangvoller Stimme jiddische Volkslieder. Er rezitierte schlicht, aber doch kunstvoll alte chassidische Legenden. Er erzählte dem erstaunt zuhörenden Bankier wundervolle Geschichten aus dem jüdischen Volksleben des Ostens. Als er gar eines Talges anfing, im reinsten Jiddisch Gedichte von Goethe zu deklamieren, ohne daß seinem Vortrag die leiseste Spur von Lächerlichkeit anhaftete, da gab es der Bankier endgültig auf, seine Erinnerungen eines alten Frankfurters zu pflegen. Er war nur noch Ohr für diejenigen seines Schicksalsgefährten aus Lublin. Und wunderbar — je länger das einförmige Leben auf der armseligen Insel währte, um so mehr muteten ihn diese Erinnerungen an, als wären es seine eigenen, nur. wie es ihm schien, aus einer fernen, unendlich traurigen Zeit. —• „Wie haben Sie es nur so lange in der Gesellschaft eines ungebildeten Schnorrers aushalten können?“ fragte jemand den Bankier in späteren Tagen, als dieser durch1 einen glücklichen Zufall gerettet, wieder zu Hause war. — „Leiden S i e einmal Schiffbruch wie ich“ erwiderte der Bankier ernst, „und Sie werden sowohl über die Ostjuden wie über die Proletarier anders denken. Der einzige Schnorrer auf der Insel war i c h. Ihr habt ja keine Ahnung, wie reich die armen Juden sind!“ Gemeindenu. Vereins-Echo Bar Kochba München. Leichtathletik- Abteilung. Das letzte Training für die am 31. Juli stattf findenden Veireünsmeisterschaften findet Mittwoch abends 6 Uhr auf dem Sportplatz Plinganserstraße 84 (Sendling) statt. Sämtliche für dieselben in Betracht kommenden Leute und Ersatzleute müssen bestimmt kommen. Der Sportwart. Das Turnen sämtlicher Abteilungen fällt wegen der Ferien ab heute aus. Es beginnt wieder regelmäßig ab Montag, den 5. September. Die Vorstandschaft. Gesamtausschuß der Ostjuden. Die Sprechstunden des Gesamtausschusses der Ostjuden sind bis auf weiteres nachmittags zwischen 3 und 4 Uhr, Pestalozzistraße 38. Alle Anliegen sind nur in dieser Zeit vorzubringen. Denkmalswettbewerb. Die Isr. Kultusgemeinde in Nürnberg will für ihre im Weltkrieg gefallenen Angehörigen auf dem neuen Friedhof einen Gedenkstein auf richten. Zu diesem Zwecke waren 6 Künstler zu einem engeren Wettbewerb geladen. Das Preisgericht, dem 3 Künstler und 2 Gemeindevertreter angehörten, hatte 19 Entwürfe zu begutachten. Einstimmig wurde dem Entwurf des Herrn Dipl.-Ing. Fritz Landauer, Architekt in München, der Preis zuerkannt. Als Mitarbeiter zeichnete Herr Bildhauer Resch-München. Der Entwurf wurde auch zur Ausführung vorgeschlagen. Herr Arch. Landauer trug; auch vor kurzem in einem Wettbewerb für ein Elias Holl-Denkmal der Stadt Augsburg den 1. Preis davon; auch dieses Projekt wurde zur Ausführung empfohlen._ Gesinnungsgenossen und Freunde, die ihre Sommerferien in einem bayerischen Badeorte verbringen, werden gebeten, Namen und Adresse möglichst unter Angabe der in Betracht kommenden Zeit im Büro der Z.O.G. München, Wagmiillerstraße 19. zu melden.

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