Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Echo · 1921-07-22 · 29 (22.7.1921) · p. Seite 360

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Echo
Volume
8 (1921)
Issue
29 (22.7.1921)
Date
1921-07-22
Page
Seite 360 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/9072829-9103024-9144854--04212-9077037
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

360 Das Jüdische Echo Nr. 29 wirklichen oder vermuteten Reaktion der Antisemiten. Uns ist, Gott sei Dank, jene Zivilkourage nicht abhanden gekommen, die nach Bismarcks grimmiger Behauptung leider so manchen Deutschen fehlt, die aber seit den Zeiten der Propheten bis in unsere Tage den Juden nie gemangelt hat, mögen auch einige Entartete sich schamlos bemühen, den Gegenbeweis zu erbringen. Deshalb wagten wir es, den Münchener Terror zu geissein, auch auf die Gefahr hin, unseren Lesern und uns damit „keinen guten Dienst zu leisten“. Daß wir München und die Regierung „wider besseres Wissen verleumdet“ hätten, bestreiten wir aufs schärfste. — Sollen wir nochmals auf die tagtäglichen Beschimpfungen in der Presse und auf Plakate, die mit Genehmigung der Polizei erschienen, sollen wir wieder auf die Störungen jüdischer Versammlungen, auf die Mißhandlungen jüdischer Gelehrter, jüdischer Schüler und Studenten, auf die zweimalige Bedrohung des Gemeinderabbijners Dr. Baerwald verweisen? Man verübelt uns. daß wir uns mit dem Fall Gareis beschäftigten, obwohl Gareis kein Jude war? Das „Jüdische Echo“ beschäftigt sich ausschließlich mit jüdischen Interessen, es treibt keine deutsche Politik, seine Mitarbeiter und Leser sind großenteils keine Sozialisten; aber wir befinden uns mit den Sozialisten in gleicher Not und man wird, knüppelt man jene nieder, uns nicht verschonen. Wilr wissen, warum wir schwarz nennen* was schwarz ist, und man braucht nur die Berichte über den Prozeß Friedrich in Budapest zu verfolgen, um zu erkennen, daß die bei den Gesinnungsgenossen der „M. A. Abendzeitung“ so beliebten führenden Kreise Pogrom-Ungarns vor keinem Mittel, nicht vor Mord^ Gewalttat, Meineid zuirückscheuten. um ihre Ziele zu erreichen oder ihnen unbequeme Persönlichkeiten zu beseitigen. Sage mir, mit wem Du umgehst, und ich will Dir sagen, wer Du bist. Daß man in manchen Kreisen des politischen München die Lüge nicht verabscheut, zeigten uns Aufsätze und Plakate tagtäglich — wer erinnert sich nicht der schönen Bilder der Zeitschrift „Auf Gut Deutsch“, die aus Erzberger einen Juden, aus jedem verhaßten oder kompromittierten Revolutionär mindestens einen Judenstämmling machten? — Und ist die mit dem Belagerungszustand allmächtige Regierung etwa davon freizusprechen, daß sie geduldet hat, was keine auf Ruhe und Ordnung bedachte Regierung dulden dürfte? Gleichviel; wie kennen die Nutzlosigkeit solcher Auseinandersetzungen, bei denen wir keine Waffe haben als unser gutes Recht. Sinn haben sie nur, wenn sie dem Juden zu zeigen vermögen, daß keine Selbstentäußerung, keine Trennung von seinem Stamm, seinen Brüdern, seiner Religion, keine Lossagung von jüdischer Gegenwart und Zukunft ihn von der Kette befreit, die sein Schicksal dem aller Juden, noch des letzten ukrainischen Flüchtlings, verknüpft. — Die „M. A. Abendzeitg.“ weist im Verfolg ihrer Ausführungen auf den Aufsatz hin, der in der gleichen Nummer des „Echo“ sich mit dem berüchtigten Verband Nationaldeutscher Juden beschäftigt. Die denunziatorischen Aufrufe des Herrn R.-A. Naumann sind ja jetzt auch in bayerischen Blättern eschienen; eine Anzahl bayerisch-jüdischer Pesönlichkeiten haben sich nicht gescheut, ihren Namen unter dieses Elaborate des Geistes der Fahnenflucht und des Abfalls zu setzen. Der Aufruf ist unterzeichnet von: Dir. Paul Bechmann, Regensburg; Fabrikbesitzer Max Guekenheimer, Nürnberg; Spezialarzt Dr. Alfred Haas, München; Friedrich Hausmann, München; R.-A. Dr. Leopold Honig. Nürnberg; Zahnarzt Dr. Erich Knoche, München; Dr. med. Luwig Kurzmann, München; Prof. Dr. Karl Neumeyer, München; R.-A. Dr. Silbermann, Würzburg; Dr. med. Wilh. Strauß, Regensburg; R.-A. Ludw.Weiß, München. Man sollte sich diese Namen merken; man sollte aber auch die Herren darauf hinweisen, daß die „M. A. Abendzeitung“ ohne ein Wort des Widerspruchs unsere Bemerkung wiedergibt, daß der Verband Nationaldeutscher Juden „das wohlverstandene deutsche Nationalinteresse diskreditiert und von allen politisch denkenden Deutschen abgeschüttelt werden sollte.“ — Wenn das die Meinung der Deutschnatioaialen nicht einmal schärfster antisemitischer Observanz ilst, welchen Sinn hat dann die Gründung dieses aus der Angst geborenen Verbandes jüdischer Patentdeutscher? Sollten seine Anhänger nicht klug genug sein, bald einen Schritt rückwärts zu tun, nachdem ihnen der Schritt „vorwärts“ keine Erfolge, sondern in den Kreisen, auf die sie spekulieren, im wesentlichen Ablehnung brachte oder eine Art von Zustimmung, die noch viel schlimmer ist. Die „Münchner Neuesten Nachrichten“ begrüßen in ihrer Nummer vom 9. d. M. „lebhaft“ den Entschluß unserer deutschgesinnten Mitbürger: „Der Friede zwischen deutschen Juden und deutschen Nichtjuden kann nur (!) auf dem Wege zustande kommen, der hier beschnitten ist, indem nämlich (!!) die deutschgesinnten Juden in aller Öffentlichkeit von all den Juden abrücken, die durch ihre Beteiligung an der Herbeiführung des Zusammenbruchs — sei es durch finanzielle Unterstützung, der revolutionären Propaganda, sei es durch demagogische Berufsarbeit — schwere Schuld am deutschen Vaterlande auf sich geladen haben.“ Die „M. N. N.“ wenden sich kurz, nachdem sie 8 8 8 8 8 L. Kielleuthner kgl. bayer. Hoflieferant 43 Maximilianstrasse 43 8 8 8 8 Bekanntes Haus für erstklassige Herrenbekleidung nach Mass

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.