Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- 28 (15.7.1921)
- Date
- 1921-07-15
- Page
- Seite 348 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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348 Das Jüdische Echo Nr. 28 Wehe uns und unsren Enkeln, wenn jenes Rachegesetz gegen die Nachkommen der Deutsdhen. Franzosen, Spanier und Engländer des Mittelalters zur Anwendung kommen sollte! Eins aber ist. was die heutige, antisemitisch sich nennende Agitation nicht vergessen sollte: Haß und Verachtung sind Gefühle, traurig und unerquicklich für den, der. sie hegt, peinigend und erbitternd für den davon Betroffenen. Schlimm, wenn, um biblisch zu reden, ein Abgrund den anderen anruft! Unser Wahlspruch sei und bleibe das Wort der Sophokleischen Antigone: „Nicht mitzuhassen, mitzulieben bin ich da.“ “ J. Fr. Erinnerung an eine bayerische Synode. In diesen Tagen (am 11. Juli) sind es 50 Jahre, daß in Augsburg eine jüdische Synode tagte. Es wird wohl kaum einer der Teilnehmer mehr auf Erden weilen, von den Rabbinern sicher nicht. Die Synode wurde von links-liberaler Seite einberufen und war von 20 Rabbinern und 32 Vorstehern, Gelehrten und Lehrern beschickt. (Ein Bericht bezeichnet die Teilnahme als „beschämend“.) Den Vorsitz führte Prof. Dr. Lazarus, der in schwungvoller Eröffnungsund1 Schlußrede die Dürftigkeit der Verhandlungen durch rhetorische Leistung zu verkleistern verstand. Es wurden zwar eine Anzahl Abänderungen religiösgesetzlicher Satzungen ins Auge gefaßt, aber nur wenige Gemeinden zeigten Begeisterung für diese Anregungen. Heute nach 50 Jahren dürften solche radikale Anwandlungen selbst in liberalen Kreisen wenig Anklang mehr finden. J. F. Jüdische Sagen. 1. Der itmge Abraham. Der junge Abraham nahm einen Steinhammer und zerschlug die Götzen seines Vaters bis auf einen. Diesem drückte er den Hammer in die Hand, lief zum Vater und sprach: „Dein oberster Gott hat alle seine Brüder erschlagen!“ Da erzürnte Tharah und sagte: „Spotte nicht Knabe; wie sollte er dazu fähig sein, da ich ihn doch selbst aus Ton geformt habe?“ Abraham aber erwiderte lachend: „Wenn dein oberster Gott nicht zu leisten vermag, was ich mit meiner Knabenhand vermochte. wie kann e r es gewesen sein, der dich und mich, Himmel und Erde schuf?“ Da verstummte Tharah. — Erste Moral: Bei den alten Juden war die Jugend aufgeklärter als das Alter. Zweite Moral: Den stärksten Götzen kann man nur mit Witz überwinden. Dritte Moral: Mit dem Hammer allein kann man nicht philosophieren. 2. Treue. „Pinehas, der Sohn Jair. ein armer, aber redlicher Mann, wohnte in einer Stadt gegen den Mittag. Es kamen Männer zu ihm, die ihm Getreide aufzuheben gaben; sie vergaßen es abzuholen und reisten weg. Was tat Pineha's? Er ließ das Getreide alle Jahre säen und ernten und in die Scheune sammeln. Nach sieben Jahren kamen die Männer wieder und forderten ihr Getreide. Pinehas erkannte sie bald und1 sprach, zu ihnen: .Kommt und nehmt die Schätze, die der Herr Euch gesegnet hat; da habt Ihr das Eure?“ So zu lesen bei Herder, der. obwohl nichts weniger als ein sonderlicher Freund der Juden, jüdische Sagen der Vorzeit mit großer Liebe gesammelt und in sein geliebtes Deutsch übertragen hat. Von den deutschen Schriftgelehrten unserer Tage würde die eine Hälfte über die Geschichte mit der Bemerkung hinweggehen, die Treue sei bei den Juden eine Legende, während die andere umständlich beweisen würde, daß Pinehas, Sohn Jair, der Sproß eines nach Palästina verschlagenen Germanen Stammes gewesen ist. 3. Mimicry. Wir haben kürzlich den Lesern des „Jüdischen Echo“ die Geschichte eines, Laubfrosches erzählt, der sich veränderter Lebensumstände halber braun färbte. Der „Völkische Beobachte r“, der veränderter Lebensumstände halber neuerdings als „N a t i o n a 1 s o z i a 1 i s t“ erscheint, knüpft daran da*s antisemitische Echo: „Siehe Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens.“ — Nein, verkappter Beobachter: Siehe die völkischen Go-schens und de Bunsens, Sculzkys und Lehmanows, Wetterles und Il-debrandinis, die draußen in der Welt angelsächseln, slawophilistern, französeln und ladienern, obwohl ihre Väter deutsche Staatsbürger christlichen Glaubens gewesen sind. Siehe ferner die alldeutschen Englishmen und deutsch-völkischen Ya'nkee, girls, die unsere politischen Kinder mit Rachegiit und Rassengalle speisen. Namentlich aber siehe den gelben Gewerkschafter, der in seinem blutroten Sozialistenmantel der nächste Verwandte L. Kielleuthner kgl. bayer. Hoflieferant 43 Maximilianstrasse 43 Bekanntes Haus für erstklassige Herrenbekleidung nach Mass ►c=>*c=>*<