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Das jüdische Echo · 1921-07-15 · 28 (15.7.1921) · p. Seite 347

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
8 (1921)
Issue
28 (15.7.1921)
Date
1921-07-15
Page
Seite 347 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 28 Das Jüdische Echo 347 zu derjenigen noch fehlenden Instanz entwickelt, die als Zentrale der Schweiz sich für alle jüdischen Fragen interessiert an deren Lösung die gesamte Judenheit der Welt beteiligt erscheint. Der neue Verband wäre auch berufen, bei kluger Führung — Präsident ist Kantonsrat Dr. Farbstein — das Parlament für Ost- und Westjuden in der Schweiz zu werden, eine Stelle, die zur Ausgleichung von Mißverständnissen und Verständnislosigkeiten sehr zu begrüßen wäre. („Wiener M-Ztg.“) Der XII. Zionistenkongrefi in Karlsbad. Die Exekutive der Zionistischen Organisation hat den XII. Zionistenkongreß auf den 1. September nach KaTlsbad einberufen. Julius Berger und Dr. Martin Rosenbliith haben ihre Tätigkeit bereits begonnen. Zweifellos kommt dem diesjährigen Zionistenkongreß eine ganz besondere Bedeutung zu. Die Weltenwende seit dem letzten Kongresse. dem XI. Zionistenkongreß in Wien, hat für den Zionismus und das jüdische Volk politische Folgen von einer Tragweite gezeitigt, wie sie in der Geschichte der Völker einzig dastehen. Es ist daher begreiflich, daß den Verhandlungen des Kongresses überall mit der größten Spannung entgegengesehen wird und daß mit einem sehr starken Besuch zu rechnen ist. Der Kongreßsaal, der große Theatersa'al des Hotel Schützenhaus in Karlsbad, wird, obwohl er einer der größten Säle dieser Art in den für die Abhaltung des Kongresses diesmal überhaupt in Frage kommenden Ländern ist, für den zu erwartenden starken Andrang nicht ausreichen. Die Ausgabe von Tribünenkarten für Kongreßgäste kann daher nur in einem verhältnismäßig geringen Ausmaß erfolgen. Die Verteilung dieser Karten durch das Kongreßbüro könnte natürlich nur nach zufälligen Umständen geschehen und würde zu Unzuträgliohkeiten Anlaß geben. Demgemäß wird das Kongreßbüro Tribünenkarten überhaupt nicht an Einzelpersonen, sondern nur an die Zentralen der Zionistischen Landesverbände und die Landesbüros der Zionistischen Sonderverbände ausgeben. Bestellungen auf Tribünenkarten für den Zionistenkongreß sind daher nicht an da*s Kongreßbüro, sondern sofort ausschließlich an die Zentralen der zionistischen Landesverbände und die Landesbüros der zionistischen Sonderverbände zu richten. Andererseits bleibt das Kongreßbüro bemüht, durch Schaffung einer möglichst großen Anzahl billiger Stehplätze der zu erwartenden Nachfrage nach Gastkarten einigermaßen gerecht zu werden. Die tschechoslowakischen Behörden bringen dem Kongreß das größte Interesse entgegen und bemühen sich, den Kongreßbesuchern in weitestem Maße Erleichterungen zu gewähren. Insbesondere wird die Visaerteilung an solche Reisende, die sich durch eine offizielle Bescheinigung ihrer zionistischen Landesorganisation resp. ihres zionistischen Sonderverbandes als Besucher des Kongresses ausweisen, von allen tschechoslowakischen Konsulaten ohne weiteres geschehen. Voraussichtlich wird auch eine Ermäßigung der Visagebühren für Kongreßbesucher gewährt werden. Das jüdische Schulwerk in Palästina. Dem vom Erziehungsdepartement des Waad Hazirim herausgegebenen und von Dr. Duschkin verfaßten Rechenschaftsbericht über das dem Waad Hazirim unterstellte Schulwesen während der Jahre 5678—81 ist zu entnehmen: In den Jahren 1920 und 1921 sind zu den früher vorhandenen 10 573 Schülern weitere 2658 Schüler hinzugekommen. Die Zahl der Schulinstitutionen hat sich von 94 auf 135 erhöht, einschließlich der 26, die bereits früher bestanden und erst im letzten Jahre dem Waad Hachinuch unterstellt worden sind. Die Zunahme der Schüler ist außer der natürlichen Entwicklung besonders der Eröffnung der neuen Kindergärten und der Übernahme des Ica-Schulwerkes mit 1226 Schülern zu verdanken. Die Zahl der Mittelschulen mußte infolge der Knappheit der Geldmittel verringert werden; das Knaben- und Mädchengymnasium in Jerusalem wurden vereinigt, ebenso die Jeschibath Hamischtalim in Jerusalem mit dem Lehrerseminar in Petach1 Tikwah und dem Lehrerseminar „Misrachi“, weshalb sich a'uch die Zahl der Schüler in diesen Anstalten verringerte, so daß. wenn man von den Ica-Schulen absieht, die Zunahme der Schüler im Jahre 1921 nur 3,4 Prozent ausmacht. In den dem Waad Hachinuch unterstellten Anstalten unterrichteten im Jahre 1919 448 Lehrer und Kidergärtnerinnen, im Jahre 1920 484 und im Jahre 1921 506. Die Juden in Europa. Rede, gehalten in der Festsitzung der Münchner Akademie am 25. Juli 1881 von Ignaz v. D ö 11 i n g e r.*) Der bekannte Münchner Universitätsprofessor der Kirchengeschichte und des Kirchenrechts Dr. Ignaz v. Dölliger (gest. 1890), dessen religiöse und politische Bedeutung ihm einen Weltruf einbrachte, ist bereits im Jahre 1849 als Abgeordneter des Bayerischen Landtags in einer höchst beachtenswerten Rede für die volle Emanzipation der Juden eingetreten. Anläßlich des in den siebenziger Jahren wiedererwachenden Antisemitismus nahm der gefeierte Gelehrte in einer Rede in der Festsitzung der Münchner Akademie der Wissenschaften am 25. Juli 1881 Steilung zu dem „literarisch geschürten“ Antisemitismus, und es ist ein dankenswertes Verdienst des „Philo-Verlages“ diese Rede der Vergessenheit entzogen zu haben. Auf knappem Raume sind die entscheidenden Tatsachen für die Geschichte der Juden in Europa zusammengestellt, geprüft und gesichtet nach den Forderungen strengster Wissenschaft und geformt von der Meisterhand eines großen deutschen Geschichtsforschers. Wir versagen uns, Auszüge aus diesen vielfach treffenden Ausführungen zu bringen; wenn auch manche Stellen zu beanstanden sind, so muß berücksichtigt werden, daß Döllingers Anschauungen doch vielfach vom Denken und Fühlen eines rein christlichen Forschers beeinflußt sind, der immerhin einigermaßen versucht, von seinem Standpunkt aus gerecht zu denken. Wie viele seiner Glaubensgenossen könnten sich Döllingers Schlußwort zu eigen machen; wir lassen solches hier folgen: „Viel zu lange hat die falsche, abscheuliche Lehre, daß die Menschen berufen seien, Sünden und Verirrungen der Vorfahren an den schuldlosen Nachkommen fort und fort zu rächen, die Welt beherrscht und die Länder Europas mit Greueln und Schandtaten befleckt, von denen wir schaudernd uns abwenden. *) Erschienen im Philo-Verlag, zu beziehen durch die Ewer-Buchhandlung, Wagmüllerstraße 19, München.

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