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Das jüdische Echo · 1921-07-08 · 27 (8.7.1921) · p. Seite 336

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
8 (1921)
Issue
27 (8.7.1921)
Date
1921-07-08
Page
Seite 336 (sequence 6)
Language
German
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336 Das Jüdische Echo Nr. 27 eine Reinigung des Leibes. Er aber hat die, für Deutsche. wertvolle Eigenschaft, da'ß er sie faßbar macht: faßbar den Gewaltrauscb. der sich sonst als Tapferkeit, faßbar den Eigennutz, der sich sonst als nationale Sorge, faßbar die verlogene Romantik, die sich sonst als Staatsgedanke drapiert, faßbar die Volksfeindschaft und Klassenherrschaft, welche von Knechtung schwatzt, sobald sie nicht mehr frei die unteren Millionen in Sklavenarbeit und Helotentod zwingen darf, faßbar den Neid, faßbar den Haß, faßbar vor a'llem den brutalen, bestialischen Feindseligkeitsinstinkt gegen alles Besondere, Andere, Fremdartige: als welcher, an seiner Reinigung und Veredelung verhindert, das unheilbringendste und verdummendste aller menschlichen Erlebnisse ist. National denken und handeln heißt heute nicht — hieß es unter Einsichtigen nie — die ganze Erde als träge Masse und nur das eigene Volkstum als prägende Form für sie zu sehen; nicht, alle bestehenden Werte auf die Leistung des eigenen Volks oder ihm so nahestehender Mensdbart zurückzuführen, daß man sich mit ihr noch identifizieren darf. National sein heißt heute wie stets, da Nationen die Gefäße der menschlichen Kultur sind, auf alles Verbindende achten, alles Trennende von Verachtung und Dummheit reinigen, die es so leicht übertreiben und vergiften, und vor a'llem der unbewegte und eifervoll liebende Wächter über der Seele seines Volkes sein, damit sie ihrer Verzerrung genese und ein reines Antlitz zu dem leuchtenden Himmel emporheben lerne, der zum Glück alle Völker der Menschheit mit friedvoller Bläue überwölbt. Völkisch edle Motive. Aus einem größeren Aufsatz in der „Wiener Morgenzeitung“: Vor wenigen Tagen hat der deutsche Reichskanzler vor dem Bund der Gewerkschaften in Essen eine Rede gehalten, in welcher er die auswärtigen Feinde beschwor, der deutschen Demokratie die Arbeit nidht durch Sanktionen zu erschweren. In derselben Stunde feierte ein erlesenes Auditorium englischer Gelehrten und geistiger Führer den Professor Einstein als würdigen Vertreter der deutschen Wissenschaft, als einen Mann, dessen Wirken die Versöhnung zwischen den Nationen erleichtere. In derselben Stunde hat ein Berliner Gericht einen Lumpen, der alle „Treudeutschen“ zur Ermordung Einsteins, Försters, Gerlachs und Haidens aufgefordert hatte, zu 1000 Mark Strafe verurteilt; die Strafe wurde niedrig bemessen, weil dem Täter „völkisch edle Motive und das Recht unvermeidlicher Notwehr“ zugebilligt werden mußten. Dabei ist Professor Einstein, der sich zum Zionismus bekennt, politisch überhaupt noch nicht hervorgetreten, Förster und Gerlach arbeiten für den Pazifismus und für die Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund und Harden ist einer der eifrigsten Gläubigen im Tempel Bismarcks. Deutschlands neue Regierung beteuert ihren Willen zu Frieden und zu Demokratie. Aber sie ist allein und weder Beamte noch Hochschullehrer, die berühmten Größen der deutschen Wissenschaft, helfen ihr. Entweder sie schweigen in ratloser Feigheit oder sie stimmen in den brüllenden Chor ein: Juden, Judengeist, Sozi, Bolschewiken! Das deutsche Volk verliert sich immer tiefer in seinem völkischen Edelsinn, den Mördern von rechts antworten die Mörder von links. So geht Oberschlesien verloren und so bringt sich Deutschland selbst um seinen Frieden und seine Erholung. Jüdische Äphorismen. Gerade unter den Gebildeten sind die Menschen besonders häufig, welche über Rassen und Klassen die ungebildetsten Allgemeinurteille fällen. Auch das politische Tier Mensch gehorcht eben in seinem Verhalten zu anderen Kreaturen mehr den Einflüsterungen seiner primitivsten Triebe als seiner höchstentwickelten Geisteskräfte. 'fi K* ❖ Disputationen zwischen Juden und Antisemiten haben in der Regel dasselbe Schicksal wie Religionsgespräche: mati hat sich gegenseitig nicht überzeugt, aber geärgert. $ * * Eigenlob stinkt bekanntlich. Die Logik müßte folgern, daß darum das Eigenlob der Gesamtheiten, in welchem das der Einzelnen nicht nur vereint, sondern gesteigert zusammentrifft, unmöglich duften könne. Es gibt aber sogar Professoren der Logik, die das Letztere nicht nur behaupten, sondern wirklich glauben. „Ob im Recht oder im Unrecht — mein V o 1 k“ ~~ ist ein Grundsatz für Seeräuber. Wer sein Volk liebt, muß es hassen, wenn es unrecht tut. * # ❖ In der Mischnah steht: „Es wurde ein Mensch geschaffen um des Friedens unter den Menschen willen, auf daß nicht Einer zum Andern I L. Kielleuthner | kgl. bayer. Hoflieferant 5 43 Maximilianstrasse 43 g Bekanntes Haus für erstklassige Herrenbekleidung nach Mass

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