Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- 26 (1.7.1921)
- Date
- 1921-07-01
- Page
- Seite 325 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 26 Das Jüdische Echo 325 für seine praktischen, sozialen und politischen Ideale geben. Diese Seite des Zionismus ist es, welche so wichtig und bedeutungsvoll ist. Man kann ihre Auswirkungen an ganz kleinen Dingen beobachten. Churchill hat z. B. seinen Besuch iin Rischon geschildert; die bloße Tatsache der Existenz eines jüdischen Bauerndorfes ist für unsere Begriffe etwas ganz Außergewöhnliches und Wunderbares. Wir sind gewöhnt, den Begriff „Jude“ mit Park-Lane und Whitechapel in Zuzammenhang zu bringen. Ich war einmal zu Besuch bei einem jüdischen Landwirt, welcher des Morgens zu seinem Vieh geht und abends nach der Arbeit im Felde nach Hause zurückkehrte. Das Leben in Gemeinden, wo die alte hebräische Sprache gesprochen wird, — das ist das hinreißend Neue, das ist wert, die Menschen zu gewissen Opfern anzufeuern. Ich möchte noch ein Wort über die Schwierigkeiten sagen, welche sich zwischen diesen Pionieren, die unsere Sympathie und Ermutigung verdienen, und den Arabern ergeben, welche etwas Furcht haben vor den Einwanderern, insbesondere vor dem neuen Zustrom. Wir müssen die Situation verstehen. Ich gebe zu, daß die neuen Einwanderer meistenteils aus den Ghettos Osteuropas kommen, aus der Ukraine, Rumänien, Bukowina, wo sie ein abgeschlossenes Leben unter ständiger Verfolgung geführt haben, und wo alle Phasen des letzten Krieges über sie hingegangen sind, vielfach den größten Teil ihrer Familie vernichtend. Sie haben den Bolschewismus erlebt und Wrangel und verschiedene andere Machthaber, welche sie alle verfolgt haben. Diese Leute kommen mit allen ihren Vorurteilen und anerkanntermaßen bilden sie nicht jene goldene Brücke zwischen Ost und West. Redner spricht den Wunsch aus. es mögen recht viele sephardische Juden aus den Mittelmeerländern nach Palästina kommen, d i e den Arabern näherstehen und sich mit ihnen leichter verständigen können. Im jüdischen Palästina — fährt der Redner fort — wird es die Aufgabe Großbritanniens sein, dafür zu sorgen, daß die heiligen Stätten der Christenheit besser beaufsichtigt werden als in der Vergangenheit. Unter der türkischen Herrschaft hat es jedes Jahr zu Ostern Ruhestörungen gegeben, blutige Auftritte zwischen rivalisierenden Sekten, die von der türkischen Regierung aufgehetzt wurden. Es ist ein großer Gedanke, daß das Land, das wir alle als heilig betrachten, unter solche Bedingungen gestellt wird, daß es von den Pilgern und Angehörigen aller Nationen als das Bethaus für alle Völker angesehen wird. Jede Politik, welche darauf abzielt, uns von Palästina auszuschalten, und es den Türken oder irgendeiner anderen Macht wieder zuzuspielen, wird einen Ausbruch der tiefsten Entrüstung gerade bei dem religiösen Teil unseres Volkes zur Folge haben, dem sich keine „Anti-Waste-Kampagne“ (jene politische Gruppe, welche in England] die Regierung mit dem Argument bekämpft, daß sie Gelder verschwendet) wird widersetzen können. Wir sind Ehrenpflichten eingegangen, welche wir nicht leichtherzig abschütteln können, weil sich diie Anti-Waste-Leute, die kleinen englischen Spießbürger, den Teufel um Jerusalem und um das britische Reich scheren. Schließlich fordert der Redner den Minister auf. in der Verwaltung des Landes nicht zu viele englische Beamte zu verwenden, sondern palästinensische Juden, Christen und Moslems. Diese werden vielleicht weniger kundige Verwältungsbeamte sein, aber sie werden, wenn sie Zusammenarbeiten, mehr für eine Verständigung wirken. Die Durchführung der Balfour-Deklaration wird dem Minister einen großen Namen in der Geschichte schaffen, und das englische Parlament wird auf dieses Werk stolz sein können. Talismane. 1. Gottes ist der Orient. Die fatalistische Trägheit der Araber hat Palästina aus einem Fruchtgarten in ein armes, zum großen Teil aus Ruinen, Wüste und Sumpf bestehendes Land verwandelt. Die Juden wollen das Zerstörte wieder aufbauen, die Wüste bewässern, die Sümpfe trocken legen. Die arabischen Nationalisten entrüsten sich mit Unrecht über dieses nur auf moralische Eroberung ausgehende Annexionsprogramm und mißhandeln die Juden in Jaffa. 2. Gottes ist der Okzident. Die unermüdliche Arbeit der Deutschen, voran der deutschen Juden, hat Oberschlesien aus einem armen Agrarlande in eines der blühendsten Industriegebiete verwandelt. Die Polen zerstören deutsche Fabriken, lassen Zechen ersaufen und Hochöfen erkalten. Die deutschen Nationalisten entrüsten sich mit Recht über dieses ganz auf Raub und Erpressung gestellte Annexionsprogramm — und mißhandeln die Juden in Kattowitz. 3. Nord und südliches Gelände. Der russische Bolschewismus, eine angebliche Mache des jüdischen Großkapitals, predigt die Heilslehre der nationalen Differenzierung — und mißhandelt zionistische Juden in Moskau. Der bayerische Nationalsozialismus, eine wirkliche Mache des nicht jüdischen Großkapitals. predigt die Heilslehre der nationalen Integrierung — und mißhandelt a n t i - zionistische Juden in München. 4. Ruht im Frieden seiner Hände. Der Vertrag von Versailles ist kein Friedens-, sondern ein Racheakt. Nicht nur jeder Deutsche, jeder gerecht denkende Mensch muß sich über die Heuchelei empören, mit welcher er die Alleinschuld am Kriege und seinen Greueln dem deutschen Volke zuschiebt. Die ihn verfaßten, haben den obersten Grundsaz des englisch-amerikanischen Biilli'gkeitsrechtes: „Must come with clean hands“ („wer anklagen will, muß selbst mit reinen Händen erscheinen“) schnöde verletzt. Niemand kann es den Deutsch-Völkischen zum Vorwurf machen, wenn sie immer daran denken, wohl aber, wenn sie immer davon sprechen, die Juden und die Sozialdemokraten seien daran schuld. Ohne nationale Einheitsfront ist der Kampf um die Revision des Versailler Friedens aussichtslos. Wer diese glaubt, durch Schürung von Klassenhaß und Rassenhaß herstellen zu können, ist um seinen Glauben nicht zu beneiden.— Aus der Jüdischen Welt Palästina Der Palast des Herodes in Askalon aulgedeckt. Bei den Ausgrabungen in Askalon wurde ein Teil des von Herodes dem Großen erbauten Palastes bloßgelegt, dessen Schönheit und Größe der Geschichtsschreiber Josephus als bewunderungswürdig bezeichnet. Es wurden Bildwerke des Apollo, der Venus, einer Viktoria und einies Giganten und eine Statue des Königs Herodes gefunden.