Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- 26 (1.7.1921)
- Date
- 1921-07-01
- Page
- Seite 326 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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326 Das Jüdische Echo Nr. 26 Fürsorge für alte Bauwerke in Jerusalem. Die palästinensische Regierung setzte eine Kommission zur Pflege alter Bauwerke ein, welche Vorschläge für ihre Erhaltung machen soll. (Ziko.) Mesopotamien Legalisierung der zionistischen Organisation Mesopotamiens. Der Oberkommissar für Mesopotamien teilte der zionistischen Ortsgruppe Bagdad mit. daß er die Zionistische Organisation Mesopotamiens genehmigt, die sich als Abteilung des Londoner Büros betrachtet. Es wurde ein Komitee gewählt, das die zionistische Arbeit überhaupt, sowie die Arbeit für den Keren Hajessod in Mesopotamien leiten soll. Es wird beabsichtigt, in Palästina eine Kolonie mesopotamischer Juden zu gründen* Osteuropa Ein antijüdischer Boykott in Lettland. In einer Proklamation fordert die demokratische Partei die Letten auf, die Juden zu boykottieren und sie so zur Auswanderung zu veranlassen. Ferner verlangt diese Partei die sofortige Ausweisung aller Ausländer, unter welchen sich eine große Anzahl von Juden befinden. Mit Ausnahme der Arbeiterzeitungen unterstützt die ganze Presse diese Bewegung. Der Abgeordnete Fischmann besuchte den Premier und lenkte seine Aufmerksamkeit auf diese Lage. Der Premier versprach, die Juden zu beschützen. Amerika Neue Einbürgerungsschwierigkeiten. Die Kampagne gegen die Einwanderung artet in Schikanen gegen die bereits eingewanderten Ausländer aus. So werden jetzt Maßnahmen erwogen, jeden neuen Immigranten das erste Jahr hindurch unter Polizeiaufsicht zu stellen. Weiter sollen die Frauen der im Auslande geborenen Männer sich separat um die Neutralisierung in den Vereinigten Staaten bewerben müssen, obwohl deren Ehemänner bereits im Besitze sämtlicher Einbürgerungspapiere sind. Dadurch soll die Neutralisation von Ausländern bedeutend erschwert werden. Diese Maßnahmen riefen in maßgebenden Kreisen der jüdischen Bevölkerung Amerikas große Aufregung hervor. Die zulässige Emigrantenzahl aus Polen nach Amerika. Das amerikanische Konsulat beginnt schon heute mit der Erteilung der Visa für die Emigranten aus Polen nach Amerika, deren Kopfzahl für das laufende Jahr nicht 36 000 übersteigen dürfe. Das Konsulat wird alle 36 000 Pässe im Verlaufe von fünf Monaten, und zwar bis 31. Oktober laufenden Jahres visieren. Feuilleton Jiddischer Schwank. Kibud-ow. 0 Aus „Rosinkes und Mandlen“, aus der Literatur der Ostjuden gesammelt von Dr. Jmmanuel Olsvanger, Baden; Verlag der Schweizerischen Gesellschaft für Volkskunde. 1920. A id hot amal gewelt a trunk wasser. Sogt er sajne kinder, sei solen em gejn bringen a trunk wasser. Hoben sach di kinder ongehejben schlügen. Der sogt: „Ich’l2) gejn“ un der sogt: „Ich’l gejn*“ Jeder einziger hot gewelt ton de grojsse mizwe3) fun kibud-ow. Un assej wi a id hot doch b’tewe4) a siben—acht kinderlach, hot men sach gerissen wegen dem. wer es sol gejn. a schein bissei zajt. Der elterer bruder hot gesen, as es nemt kein ssof5) nit, hot er gesogt: „Wejsst ir wos, kinderlach? Ich wel ajeh geben zwei rubel, nor lost mir gejn bringen di wasser farn taten.“ Macht der zweiter bruder: „Wos mir zwej rubel? Ich wel ajeh geben finef rubel, nor lost mir ur’kajem6) sajn di mizwe.“ Un an anderer hot gesogt, as er git siben rubel, un an anderer acht rubel. Sogt der elterer bruder wider: „Ich wel ajeh geben, zen rubel un a soff.“ Is assej gebliben, der elterer soll gejn bringen di wasser. Git der elterer bruder a tracht7) un sogt: „Wejsst ir wos, kinderlach? Di mizwe is doch seier a grejsse, welen mir si m’chabed8) sajn dem taten alejn. Is b’chejn9) tatinke10), gej un bring sich alejn dem trunk wasser. *) Ehrung des Vaters, 2) ich werde, s) Sittengebot, 4) gewöhnlich, 5) Ende, 6) erfüllen, 7) denkt nach, 8) beehren, ö) folglich, 10) Väterchen. Für den Aufbau des jüdischen Palästina. Dem Andenken Theodor Herzls zu seinem Todestage. Der Aufbau des jüdischen Palästina, der vor allem den großen zum Teil völlig besitzlosen Massen unseres Volkes eine neue von Unterdrükkung freie Existenz auf eigenem Boden bereiten soll, dieses gewaltige Werk der Erneuerung ist nur möglich geworden durch die unerschöpfliche Tatkraft, den kühn vorausschauenden Geist eines Mannes: Theodor Herzl. Seinem genialen Impuls, seiner Fähigkeit, die Juden der ganzen Welt zu organisieren und ihr Zusammengehörigkeitsgefühl in ungeahntem Maße zu stärken, verdanken wir es, daß heute ein jüdisches Gemeinwesen im Lande unserer Väter entstehen kann, an dessen Gedeihen alle Teile des Judentums tatkräftigen Anteil nehmen, weil Herzl sie gelehrt hat, sich ungeachtet ihrer Parteirichtung für das Gelingen dieses einzigartigen Werkes verantwortlich zu fühlen. Dem großen Führer des Judentums gilt es, zum 20. Tammus, seinem Todestage, ein seiner würdiges Denkmal zu setzen, das zugleich ein Symbol der lebendigen Palästinaarbeit ist, für die er gewirkt hat. Es besteht bereits, als eih sichtbares Zeichen solcher Ehrung der vom Jüdischen Nationalfonds geschaffene Herzlwald, dessen Pflanzungen eine der wichtigsten kolonisatorischen Aufgaben, der Aufforstung Palästinas, dienen. Mehrere hunderttausend Bäume wurden bereits zu Ehren Theodor Herzls und zum Segen des Landes, dessen Boden sie durch die Entsumpfung wieder die alte Fruchtbarkeit zurückgeben, gepflanzt. Der 20. Tammus dieses Jahres ist wiederum eine Mahnung an alle diejenigen, denen das weitere Gedeihen der jüdischen Siedlung in Erez Israel am Herzen liegt, im Andenken an den unvergeßlich Großen die Durchführung der Aufforstungsarbeiten des Jüdischen Nationalfonds zu unterstützen. Darum ergeht an alle Juden ohne Unterschied der Parteiirichtung die Auff oderung: Jeder pflanze zum 20. Tammus (26. Juli) Bäume im Herzlwald. Jeder bezeuge durch eine solche Baumspende, daß er sich für das Gedeihen des jüdischen Siedlungswerkes im Lande unserer Väter für die Zukunft seiner jüdischen Brüder verantwortlich fühlt!.... i In den nächsten Tagen werden freiwillige Helfer bei Ihnen vorsprechen. Wir bitten Sie, denselben Ihre Spende auszuhändigen und sich in die Spendenliste, die Ihnen vorgelegt wird, einzutragen.