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Das jüdische Echo · 1921-07-01 · 26 (1.7.1921) · p. Seite 322

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
8 (1921)
Issue
26 (1.7.1921)
Date
1921-07-01
Page
Seite 322 (sequence 4)
Language
German
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322 Das Jüdische Echo Nr. 26 Die Geschäftsordnung der Tagung wurde ohne wesentliche Abänderung nach dein Vorschlag des Referenten angenommen. Der Haushaltplan, über welchen Herr Rosenzweig berichtete, konnte im gegenwärtigen Zeitpunkt, wo fast jede Unterlage sowohl für die Höhe der erforderlichen Ausgaben als für die Höhe der zu erwartenden Einnahmen fehlt, nur in ganz großen Umrissen aufgestellt werden. Die Tagung übertrug die Feststellung des Budgets dem von ihr gewählten 12gliedrigen „Ständigen Ausschuß“, und ermächtigte diesen für die Zwecke der Lehrer- und Beamtenbesoldung 250 000 Mk. zu bewilligen, die Mittel hierfür und für die sonstigen Ausgaben des Verbandes durch Festsetzung einer Landesumlage und bis zum Eingang der Steuerbeträge kn Wege einer Anleihe aufzubringen. Die Erhebung einer Landesumlage wird möglich sein, sobald das derzeit dem Ministerrat im Entwurf vorliegende bayerische religionßgesellschaftliche Steuergesetz vom Landtag verabschiedet ist. Uber dieses Gesetz und die damit zusammenhängenden Fragen berichtete in eingehender, äußerst klarer Weise der Präsident des Rates Herr O. L. G. R. Dr. N e u m e y e r, der die Verhandlungen hierüber mit dem zuständigen Referenten im Kultus- und Finanzministerium gepflogen hatte. Sein Bericht ließ erkennen, von welch außerordentlichen Bedeutung dieses Gesetz für die künftige Entwicklung der jüdischen Gemeinden und des Landesverbandes ist. Auch auf dieses Referat werden wir noch zurückkommen. In der Nachmittagssitzung erstattete zunächst Dr. Elias Straus-München sein Referat über die S c h i e d s g e r i c h t s o r d n u n g , die unverändert angenommen wurde, ferner über die Wahlordnung und Geschäftsordnung für die Ausschüsse und die einschlägigen Verfassungsänderungen. Auch hier schloß sich die Tagung den vom Berichterstatter gemachten Vorschlägen an. — Ein seitens der Abgeordneten der Jüdischen Volkspartei gestellter Antrag auf Abänderung des § 7 der vorläufigen Verfassung (Gewährung des passiven Wahlrechts an Nichtreichsdeutsche) wurde nach sehr erregter Debatte dem Verfassungsausschuß als Material überwiesen. Die Frage des Anschlusses der Gemeinde Koburg an den Verband wurde noch zurückgestellt, da die diesbezüglichen Verhandlungen noch nicht abgeschlossen waren. Uber den Anschluß des Landesverbandes an den Deutsch- Israelitiischen Gemeindebund, worüber Dr. Neuin e y e r referierte, entspann sich eine längere Debatte, in deren Verlauf Dr. Freund aus Berlin den Anschluß auf das Wärmste empfahl. Die Angelegenheit wurde schließlich dem Rate überwiesen. Für die Anstalten des Gemeindebundes wurde ein Beitrag von 10 000 Mark bewilligt. Eine Reihe weiterer Anträge, insbesondere auch ein von Vertretern aller Parteien Unterzeichneter Antrag, der Schritte des Verbandes gegen die überhandnehmende antisemitische Hetze in Bayern fordert, wurden dem Rat zur Behandlung überwiesen. Eine größere Anzahl von Anträgen wurden dem Rat zur Erledigung bezw. Vorbereitung überwiesen und wird wohl später Gelegenheit sein, im „J. E.“ darauf zurückzukommen. Nachdem namens der Delegierten Herr Jacob Fränkel-München dem Vorsitzenden und dem Büro in warmen Worten den Dank der Tagung zum Ausdruck gebracht hatte, konnte diese nach 7 Uhr abends geschlossen werden. J. F. Ein Nachwort zur Tagung des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden. von Karl Glaser. Der Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden ist eine verdienstliche Sache. Herr Oberlandesgerichtsrat Dr. Neumeyer darf für seine Schöpfung des Dankes aller bewußten Juden gewiß sein. Heute aber ist der Verband nichts weiter als eine notwendige Organisation unter anderen; fern dem Gefühl und Wollen der großen Mehrzahl seiner Mitglieder. Gewiß hat das bayerische Judentum ein Lebensinteresse an der Erhaltung der kleinen Gemeinden und an der anständigen Besoldung seiner Beamten; viele bayerische Juden aber werden diese Vorteile gering einschätzen gegenüber dem Nachteil neuer steuerlicher Belastung; und der Verbandskassenwart, Herr Ludwig Rosenzweig, hatte leider recht, als er vor zu hohen Anforderungen an die Steuerzahler warnte, die leicht Austritte aus den Gemeinden zur. Folge haben könnten. Diese Gefahr besteht zweifellos; freilich hätte der Verband selbst die Möglichkeit, sie zu beseitigen. Das deutsche Judentum erstickt an seiner Isolierung dem Weltjudentum gegenüber ebenso, wie an seiner Zersplitterung in einander fast fremden Eimzelgemeinden. Jeder Zusammenschluß zu höherer Einheit schafft neue Möglichkeiten jüdischer Verbundenheit, richtet den kraivken Körper des K’lal wieder auf, hilft zur Bildung eines jüdischen Gesamtwillens. Die Wahlen zur Tagung des Verbandes mit ihrer starken Wahlbeteiligung sind Beweis genug; sie zeigen, welche Kräfte geweckt werden können, wenn man nur den Mut hat, mit Ideen und Aufgaben vor die jüdische Allgemeinheit zu treten. Die Verbandswahlen, die für viele zum ersten Male Anteilnahme am Kampf jüdischer Anschauungen, Entscheidung im Judentum und damit Bekenntnis bedeuteten, waren eine Chance. Alles kam darauf an, sie auszunutzen. Hätte man es verstanden, dies Interesse am Verband zu erhalten, so wäre er davor gewahrt geblieben, in den Augen der vielen zu einer bloß steuerrechtlichen Organisation zu werden, so hätte er sich als gemeinschaftsbildender Faktor bewähren können. Dann aber wäre die von Herrn Rosenzweig gezeigte Gefahr weniger drohend geworden, als sie es heute ist. Der Verband hätte nicht nur zur Erhaltung des Judentums, sondern zu seiner Verlebendigung und stärkeren Auswirkung beigetragen. Es ist klar, daß sehr viel davon abhing, wie die erste Tagung des Verbandes verlief. Wir gehören nicht zu denjenigen, die sich von Massen- Mode ff. Herrenschneiderei Reiche Stoff-Auswahl Ermäßigte Preise V. BraoB&Cie.,MODCbei) Houhauaer«tr.l5/|, gegenüber der alten Akademie Sport

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