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Das jüdische Echo · 1921-07-01 · 26 (1.7.1921) · p. Seite 321

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
8 (1921)
Issue
26 (1.7.1921)
Date
1921-07-01
Page
Seite 321 (sequence 3)
Language
German
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Das Jüdische Echo Nummer 26_1. Juli 1921 8. Jahrgang Bericht über die Tagung des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden. Am 19. und 20. Juni fand (wie bereits in der letzten Nummer des „ J. E.“ kuirz berichtet wurde) die erste Tagung des Verbandes statt. Am 19. Juni abends 6.30 Uhr eröffnete der neugewählte Präsident des Rats, Herr Oberlandesgerichtsrat Dr. Neumeyer, München, die Tagung und erteilte das Wort zur Begrüßung dem Vertreter der Kultusgemeinde Nürnberg, Herrn Geh. Justizrat Dr. Held, sowie Herrn Rabbiner Dr. Freudenthal, welche in herzlichen Worten den Willkommgruß der Gemeinde Nürnberg überbrachten. Namens der Bayerischen Rabbinerkonferenz entbot deren Vorsitzender, Herr Distr.- Rabbiner Dr. Meyer, Regensburg, die Segenswünsche seiner Kollegen, welche in gemeinsamer Arbeit mit den Vertretern der Gemeinden wirken wollen. Alsdann brachte der Präsident ein Schreiben des Referenten für jüdische Kultusangelegenheiten im bayerischen Ministerium für Unterricht und Kultus, des Herrn Ministerialrats Dr. Hezner, zur Verlesung, worin dieser seinem Bedauern Ausdruck gab, durch die Landtagsverhandlungen verhindert zu sein, den Beratungen persönlich anzuwohnen. Dr. Neumeyer begrüßte sodann den zur Tagung erschienenen Vertreter des badischen Oberrates, Herrn Oberrat Dr. Hugo Marx aus Karlsruhe, sowie die Herren Professor Dr. Kali s c h e r und Dr. Jsmar Freund aus Berlin, die als Repräsentanten des D. J. G. B. zur Tagung des Verbandes erschienen waren. Diese Herren ergriffen hierauf selbst das Wort zu kurzen Ansprachen. aus welchen zu erkennen war, welch großes Interesse man in Nord und Süd an dem neugegründeten Landesverband nimmt. Nachdem der Präsident noch ein Begrüßungsschreiben des Herrn Professor Dr. Heimberger, Bonn, zur Verlesung gebracht und in warmen Worten des auf einer Reise in Jerusalem verstorbenen Abgeordneten Abraham Grünbaum, Nürnberg, gedacht hatte, berichtete er über die Tätigkeit des Überleitungsausschusses; hierauf wird nach Erscheinen der offiziellen Sitzungsberichte ausführlicher zurückzukommen sein. Es möge hier nur registriert werden, daß dem Verband 264 Gemeinden mit fast 99 Prozent der bayerischen Juden angeschlossen sind; es fehlen nur 18 Gemeinden mit 663 Seelen. Alsdann erfolgte die Wahl des Büros, dessen Resultat wir bereits in der letzten Nummer bekannt gaben. Nachdem die Gewählten ihren Dank abgestattet hatten, wurde zur Wahl der zwei Mitglieder des Rats geschritten, welche satzungsgemäß in der Tagung zu bestimmen sind. Es wurden durch Zuruf die Herren Kommerzienrat Sigmund Fraenkel, München, und Alfred Braunschweiger, Würzburg, als Ersatzmänner Dr. Max Feuchtwanger, München, und Kommerzienrat M. Wolf, Ludwigshafen, gewählt. Der Vorsitzende gab alsdann die Namen der in den Vorstand und Ausschüsse des Rates, von diesem aus dem Kreise seiner Mitglieder gewählten Personen bekannt und machte die Mitteilung, daß von ungenannter Seite dem Verband 5000 M. als Grundstock für eine Landesstiftung zur „Förderung sozialer und geistiger Schöpfungen“ zugewendet worden seien. Hierauf konnte die Abendsitzung geschlossen werden. Ein großer Teil der Delegierten blieb noch in zwangloser Unterhaltung nach Schluß der Sitzung beisammen. Am Montag, 20. Juni, früh 9 Uhr wurde die zweite Sitzung vom Vorsitzenden mit Bekanntgabe einer Begrüßungsdepesche der Württemberger Oberkirchenbehörde eröffnet; gleichzeitig machte er Mitteilung, daß die „Freie Lehrerzeitg.“, das Organ der jüdischen Lehrer Bayerns, eine Sondernummer der Tagung gewidmet habe, die an die Abgeordneten verteilt wurde. Nunmehr wurde in die Tagesordnung eingetreten und es wurden die folgenden Referate erstattet: Geschäftsordnung der Tagung von Herrn Geheimrat Professor Dr. Frankenburger, München; Die Lage der Lehrer und Kultusbeamten in Bayern von Herrn Lehrer D i n g f e 1 d e r , München; Haushaltplan von Hm. Ludw. Rosenzweig, Nürnberg. Das Referat Diingfelders, zu dessen Ergänzung ein statistischer Bericht über die Lage der Lehrer und Kultusbeamten in Bayern r. d. Rh. den Delegierten zugestellt wurde, gab ein erschütterndes Bild über die Verhältnisse in diesen Kreisen. Wir behalten uns vor, darauf noch ausführlich zurückzukommen und wollen heute nur einzelne drastische Zahlen bringen: Unter 81 Beamten in Bayern r. d. Rh. haben 8 ein Gesamteinkommen unter 5000 Mark 13 ein Gesamteinkommen unter 5—7000 Mark 18 ein Gesamteinkommen unter 7—10000 Mark 12 ein Gesamteinkommen unter 10—15000 Mark usw. usw. Ein Lehrer in A. hat bei 46 Dienstjahren ein Einkommen von 3650 Mk.. ein Lehrer in W. bei 42 Dienstjahren ein Einkommen von 4000 Mk., ein Lehrer in L. bei 48 Dienstjahren ein Einkommen von 4550 Mk., ein Lehrer in R. bei 22 Dienstjahren ein Einkommen von 3090 Mk. Das sind doch Zustände, wie sie schlimmer kaum gedacht werden können. Der Referent kam zu dem Ergebnis, daß die Gemeinden Mehraufwendungen von insgesamt 480 000 Mk. per Jahr machen müßten, damitt die Besoldungen an die staatsangestellten Lehrer und Beamten heranreichen. Es war bedauerlich, daß die Kürze der Tagung und die Notwendigkeit der Behandlung noch anderer Fragen die Möglichkeit einer Aussprache über das Dingfeldersche Referat ausschloß. Vielleicht hätten sonst die Vorstände verschiedener kleiner Gemeinden manches richtige Wort gehört. Wir verkennen nicht, daß viele Kleingemeinden in Notlage sind, es sind aber gar manche dabei, welche wohl in der Lage wären, mehr zu leisten, und die es nicht verantworten können, daß der Mann, der ihnen und ihren Kindern sein Bestes gibt hungert.

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