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Das jüdische Echo · 1921-06-24 · 25 (24.6.1921) · p. Seite 312

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
8 (1921)
Issue
25 (24.6.1921)
Date
1921-06-24
Page
Seite 312 (sequence 6)
Language
German
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312 Das Jüdische Echo Nr. 25 Albert Einstein Wie ich Zionist wurde. Bis vor einer Generation betrachteten sich die Juden Deutschlands nicht als Angehörige des jüdischen Volkes. Sie fühlten sich lediglich als Mitglieder einer Religionsgemeinschaft und viele von ihnen stehen noch heute auf diesem Standpunkt. Sie sind in der Tat viel assimilierter als die russischen Juden. Sie sind in gemischte Schulen gegangen und haben sich dem deutschen Volks- und Kulturleben angepaßt. Dennoch und trotz der offiziellen Gleichberechtigung, die sie genießen, besteht ein kräftiger sozialer Antisemitismus. Und es sind gerade die gebildeten Kreise, die sich zum Träger der antisemitischen Bewegung gemacht haben. Sie haben sogar eine „Wissenschaft“ des Antisemitismus aufgebaut, während die Gebildeten Rußlands, zumindest vor dem Kriege, im allgemeinen philosemitisch waren und häufig ehrliche Anstrengungen machten, die antisemitische Bewegung zu bekämpfen. Das hängt mit verschiedenen Ursachen zusammen. Zum Teile hat diese Erscheinung ihre Ursache darin, daß die Juden einen weit über ihre Zahl hinausgehenden Einfluß auf das geistige Leben des deutschen Volkes ausüben. Während man nach meinem Dafürhalten die ökonomischen Positionen der deutschen Juden gewaltig überschätzt, ist in der Tat der Einfluß der Juden auf Presse, Literatur und Wissenschaft in Deutschland sehr stark und drängt sich auch dem oberflächlichen Beobachter auf. Es gibt sehr viele, die eigentlich keine Antisemiten sind und in ihrer Argumentation ehrlich sind. Sie betrachten die Juden als eine von der deutschen verschiedene Nationalität und fühlen sich darum durch den wachsenden jüdischen Einfluß in ihrer nationalen Eigenart bedroht. Wiewohl vielleicht der Prozentsatz der Juden in England zum Beispiel nicht viel unbedeutender ist als in Deutschland, üben die englischen Juden sicherlich nicht die gleiche Wirkung auf die englische Gesellschaft und Kultur aus, obwohl ihnen dort die höchsten amtlichen Stellen zugänglich sind und ein Jude — was in Deutschland nahezu undenkbar ist — zum obersten Richter oder zum Vizekönig Indiens ernannt werden kann. Vielfach ist der Antisemitismus eine Frage politischen Kalküls. Es hängt oft nur von der Partei ab. der jemand angehört, ob er sich zum Antisemitismus bekennen wird. Ein Sozialist wird, auch wenn er ein überzeugter Antisemit ist, seine Gesinnung nicht bekennen oder betätigen, weil dies nicht in das Programm seiner Partei paßt. Bei den Konservativen wiederum entspringt der Antisemitismus oft nur dem Wunsch nach der Ausnützung von Instinkten, die in der Bevölkerung vorhanden sind. In einem Lande wie England, wo der jüdische Einfluß kleiner und die Reaktion der Nichtjuden darum viel geringer ist, hemmt der Bestand alter, eingewurzelter liberaler Traditionen das schnelle Wachstum des Antisemitismus. Ich sage das, ohne mich auf persönliche Kenntnis des Landes berufen zu können. Ich war nie in England. Dennoch war schon die Haltung, welche die englische Wissenschaft und Presse gegenüber meiner Theorie einnahmen. recht, kennzeichnend. Während im allgemeinen in Deutschland die Beurteilung meiner Theorie von der Parteistellung der Blätter abhing, hat die Haltung der englischen Wissenschaftler bewiesen, daß ihr Sinn für Objektivität sich nicht durch politische Gesichtspunkte trüben läßt. Die Engländer haben — was ich hier hinzufügen möchte — überhaupt auf die Entwicklung unserer Wissenschaft in hohem Maße eingewirkt und die Prüfung der Relativitätstheorie mit besonderer Energie und besonderem Erfolg in Angriff genommen. Während in Amerika der Antisemitismus nur soziale Formen annimmt, macht sich in Deutschland der gesellschaftliche Antisemitismus noch viel stärker als der soziale bemerkbar. Ich sehe die Sache so an, daß die Tatsache der rassenhaften Besonderheit der Juden notwendigerweise ihre gesellschaftlichen Beziehungen zu den Nichtjuden beeinflußen muß. Die Konsequenz, die die Juden meines Erachtens daraus ziehen müßten, ist, der Tatsache ihrer Besonderheit in ihrer sozialen Lebensweise und ihren kulturellen Leistungen Rechnung zu tragen. Zunächst müßten sie eine gewisse vornehme Zurückhaltung zur Schau tragen und nicht so sehr auf eine soziale Vermischung erpicht sein, von der die anderen nichts oder sehr wenig wissen wollen. Andererseits hat der Antisemitismus in Deutschland Wirkungen, die man vom jüdischen Standpunkt begrüßen sollte. Ich glaube, daß das deutsche Judentum dem Antisemitismus seinen Fortbestand verdankt. Die religiösen Formen, welche früher die Vermischung der Juden und ihre Auflösung in ihre Umgebung verhindert haben, sind mit dem wachsenden Wohlstand und der wachsenden Bildung im Schwinden begriffen. So bleibt nichts anderes als dieser Gegensatz zur Umgebung übrig, den man als Anti.^ semitismus bezeichnet, der eine Trennung im sozialen Leben herbeiführt. Ohne diesen Gegensatz würde die Vermischung der Juden in Deutschland schnell und ungehindert vor sich gehen. Ich habe das an mir selbst beobachtet. Bis vor zwei Jahren lebte ich in der Schweiz und solange ich dort war, war ich mir meines Judentums nicht bewußt und war nichts in meinem Leben vorhan- L. Kielleuthner kgl. bayer. Hoflieferant 43 Maximilianstrasse 43 Bekanntes Haus für erstklassige Herrenbekleidung nach Mass i i

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