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Das jüdische Echo · 1921-06-24 · 25 (24.6.1921) · p. Seite 311

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
8 (1921)
Issue
25 (24.6.1921)
Date
1921-06-24
Page
Seite 311 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 25 Das Jüdische Echo 311 abgegeben, die wir nachstehend nach einer Londoner Meldung der „Wiener Morgenzeitung“ veröffentlichen : „Wir können nicht erlauben, daß die Juden von den gegen sie aufgereizten Arabern mißhandelt werden. Das palästinensische Problem sei gegenwärtig viel schwieriger als das mesopotamische, vom militärischen Standpunkt aus jedoch viel leichter. Die einzige Ursache der Unruhen in Palästina liege in der zionistischen Bewegung und in den britischen Versprechungen. Dies sei aber noch kein Grund, um die auf Englands Kosten in Palästina unterhaltene, größtenteils aus regulären Vorkriegsverbänden bestehende Garnison zu reduzieren. Wenn sie daher nicht in Palästina stationiert wären, würden sie irgend anderswo stationiert sein müssen, außer daß das Haus ihre Auflösung beschließen würde. Englands Haltung gegenüber den Juden sei von der Balfour - Deklaration vorgeschrieben, die vom Obersten alliierten Rat in San Remo bestätigt wurde. Ihr Wesen sei im Mandatsentwurf niedergelegt, der in kurzem dem Völkerbund unterbreitet werden soll. Die Schwierigkeiten, die sich aus diesem Versprechen ergeben, kommen daher, daß es mit unserer üblichen Politik der Befragung des Volkes in den Mandatsgebieten und Gewährung autonomer Institutionen an dasselbe kollidiert. In diesem Falle würde eben eine autonome Behörde sofort die jüdische Einwanderung einstellen. Es gebe zwar viele Schwierigkeiten, man werde aber mit Geduld, Kaltblütigkeit und ein wenig Glück einen Ausweg finden. Die Einwanderung und die sie begleitende Propaganda haben die arabische Bevölkerung stark aufgereizt. Die Zionisten haben jedoch das vollkommene Recht, ihre Hoffnungen inbezug auf die Zukunft Palästinas auszudrücken. Die Araber glauben, daß sie in den nächsten Jahren von Tausenden von Einwanderern aus Mittel- und Osteuropa werden weggefegt werden. Diese Furcht sei ganz illusorisch und das müsse man den Arabern beibringen. Redner habe jedoch Vertrauen zu Sir Herbert Samuel, der ein ebenso fähiger, praktischer und liberaler Politiker als ein heißer Zionist sei, der Vertrauen und Unterstützung verdiene. Er gab vor kurzem eine Erklärung ab, in der er die Bedeutung der Balfour-Deklaration erläuterte. Die Araber haben wahrlich keinen Grund zu Betürchtungen. Die jüdische Einwanderung sei sorgfältig überwacht sowohl inbezug auf die Zahl als auch inbezug auf den Charakter der Einwanderer. Wer die von den Juden in Palästina geleistete Arbeit sehe, müßte von den von ihnen erreichten produktiven Erfolgen ungemein überrascht werden. Redner zweifle, ob jemand, der dies gesehen hätte, sagen könne, d i e britische Regierung könne ihre eingenommene Haltung aufgeben und dies alles über den Haufen werfen, damit diese Erfolge durch einen fanatischen Überfall der arabischen Bevölkerung in roher und brutaler Weise vernichtet werde. Bei entsprechender Entwicklung der natürlichen Ouellen Palästinas, und wenn sich das jüdische Kapital dem Wiederaufbau des Landes zur Verfügung stelle, werde es jährlich neue Unterhaltsmöglichkeiten für eine angemessene Anzahl jüdischer Einwanderer geben. Man könne nicht erlauben, daß die jüdischen Kolonien zerstört oder die ganze zukünftige jüdische Einwanderung eingestellt werde, ohne daß das britische Wort im ganzen Osten seine Geltung verliere. Sollte den Arabern autonome Institutionen gewährt werden, so würde man mit ihnen zu einem definitiven Übereinkommen gelangen müssen, das die Einwanderung der Juden ins Land sicherstellen werde. Unsere Aufgabe ist es — sagte Churchill — um mit den Worten des verstorbenen Lord Salisbury zu sprechen — die eine Partie zu Konzessionen, die andere zum Vergeben zu überreden, jedem einen entsprechenden Spielraum zu lassen, um die Einnahme dieser Haltung für beide Parteien zu sichern.“ Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden. Am 19. und 20. Juni fand die erste Tagung des Verbandes in Nürnberg statt. Nachdem in den Vor- und Nachmittagsstunden der Rat in nichtöffentlichen Sitzungen Beschlüsse über die Vorlagen, die bei der Tagung zu behandeln waren, gefaßt und die Wahlen innerhalb des Rates vorgenommen hatte, begannen abends 6 Uhr die Verhandlungen der Tagung. Wir behalten uns vor, über dieselben in der nächsten Nummer ausführlicher zu berichten und möchten heute nur bemerken, daß der Verlauf dieser ersten Tagung ein äußerst befriedigender war. Die Reden und Referate waren sämtlich in Inhalt und Form auf einer solchen Höhe, das sie manchem Staatsparlament zum Muster dienen könnten; auch die kurzen Debatten wurden in der gleichen Weise geführt und wenn die Tagung einen so harmonischen Verlauf nahm, so ist dies nicht zum Geringsten dem Präsidenten des Rates. Herrn Oberlandesgerichtsrat Dr. Neumeyer, und den Referenten, sowie der geschickten und äußerst unparteiischen Leitung der Tagung, des Herrn Rat am obersten Landesgericht und Universitätsprofessor Dr. Wilhelm Silberschmidt, zu danken. Auch die verschiedenen Parteileiter hatten sich bemüht, in Aussicht stehende kleine Differenzen in ruhiger und friedlicher Weise zum Ausgleich zu bringen, und so konnten alle Teilnehmer den besten Eindruck mit nach Hause nehmen. Die Wahlen der Präsidien des Rates und der Tagung, die durch Zuruf stattfanden, hatten folgendes Resultat: a) Rat: i. Präsident: Oberlandesgerichtsrat Dr. Alfred Neumeyer, München; Stellvertreter: Distr.-Rabbiner Dr. Meyer, Regensburg; Justizrat Dr. Hommel, Schweinfurt; I. Schriftführer: Rechtsanwalt Dr. Elias Straus, München; II. Schriftführer: Lehrer Dingfelder. München; I. Schatzmeister: Ludwig Rosenzweig, Nürnberg; II. Schatzmeister: Albert Joseph. Landau (Pfalz), b) Tagung: 1. Präsident: Rat am obersten Landesgericht und Üniversitätsprofessor Dr. Wilhelm Silberschmidt, München; II. Präsident: Rabbiner Dr. Stein, Schweinfurt; III. Präsident: Justizrat Dr. Haas, Würzburg; I. Schriftführer: Bankier Julius Wassermann, Bamberg; II. Schriftführer: Kaufmann Ludwig Dietenhöfer, Ansbach. Hoffen wir, daß der gleiche Geist und die friedliche Arbeit auch ferner der Tätigkeit des Verbandes zum Segen des bayerischen Judentums beschieden sein möge. J. F.

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