Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- 23 (10.6.1921)
- Date
- 1921-06-10
- Page
- Seite 286 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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286 Das Jüdische Echo Nr. 23 verschiedener Hilfsgesellschaften durchzuführen. In der Hauptsache hatte die Exekutive folgende Hilfsaktionen durchzuführen: Fürsorge für die Rumänien, Polen und Italien überflutenden jüdischen Flüchtlinge aus der Ukraine, ferner für die Pogromwaisen und endlich die Erschließung neuer Hilfsquellen hierfür. Über die Arbeit in Rumänien berichtete T e m k i n , über die in Polen Dr. Krämer, über die in Italien E f r o i k i m. Frau Anitta Müller erstattete ein ausführliches Referat über die Probleme der Kinderfürsorge, das zusammen mit wertvollen Anregungen von Herrn Ochberg (Südafrika), Kaplan. Dr. Klumel, Dr. Krämer, Oberrabbiner Dr. C h a j e s und Dr. Klee die Grundlagen für die künftige Tätigkeit der jüdischen Welthilfskonferenz bedeutungsvolle Beschlüsse bildete. Nachdem noch Dr. Klee den Wunsch der Zentralwohlfahrtsstelle nach einer ständigen Verbindung mit der Welthilfskonferenz zur Kenntnis der Sitzung gebracht und Leo M o z k i n über den Stand der E m i - grationsfrage berichtet hatte, wurden folgende Beschlüsse gefaßt: In Bezug auf die Kinderfürsorge wurde die Schaffung eines speziellen, unter der Leitung des Oberrabbiners Dr. Chajes und der Frau Anitta Müller stehenden Zentralbüros für Kinderfürsorge in Wien beschlossen. Dessen Aufgabe ist: Organisierung und Durchführung von Kindertransporten, Gründung von Transitheimen usw. Demnächst sollen mehrere Kindertransporte nach Argentinien, Südafrika, Paris usw. abgehen. Der Exekutive in Paris bleiben die Emigration und Flüchtlingsangelegenheiten Vorbehalten, und zwar hauptsächlich die Herbeiführung des Zusammenschlusses aller jüdischen Hilfsorganisationen zur Lösung des Emigrationsproblems und das Ausfindigmac h en von neuen Ländern, die dän Emigrationsstrom aufzunehmen imstande wären. Hiezu ist ein inniges Zusammenarbeiten mit den politischen Faktoren vorgesehen, um durch geeignete Verhandlungen die politischen Vorbedingungen für die Einwanderung in die neuen Länder zu schaffen. Gleichzeitig wurden die Grundzüge der ersten demnächst aufzunehmenden Waisenaktion festgesetzt. Frau Anitta Müller, Herr Ochberg aus Südafrika und Dr. Krämer sollen sich demnächst nach Wolhynien begeben, um einen Kindertransport zusammenzustellen. Die diesem Transport angehörenden Kinder sollen nach Wien zur Durchführung, beziehungsweise Beendigung ihrer Kur gebracht und gleich darauf nach Südafrika befördert werden. Ebenso soll eine spezielle Waisenaktion nach Palästina, jedoch nicht nach privaten, sondern gesellschaftlichen Grundsätzen, durchgeführt werden. Es gelangte ferner folgende Resolution zur Annahme: „Der Zentralrat der jüdischen Welthilfsff. Herrenschneiderei Reiche Stoff-Auswahl Ermäßigte Preise Uode Sport W. Braun 4 C!e., Indien Meuhauseretr. 151, gegenüber der alten Akademie zentrale, welcher sich mit der Lage der Flüchtlinge in Polen und Rumänien befaßt, ist der Ansicht, daß das Weiterverbleiben größerer Massen Heimatloser in den Ländern des Ostens zu einer Katastrophe führen kann, trotz der Erleichterungen, die von den Regierungen dieser Länder für die Flüchtlinge gewährt werden. Deshalb sind alle Kräfte sämtlicher jüdischen Organisationen des Auslandes darauf zu richten, die Emigration der Flüchtlinge in transozeanische Länder zu ermöglichen. Zum Präsidenten des Zentralrates wurde Prof. Dr. Simonsen (Kopenhagen) gewählt. Die Wiener Hilfsaktion für die ukrainischen Pogromopfer. Wie die „Wiener Morgenzeitung“ berichtet, hat der Aufruf, welcher jüngst von den Vertretern aller jüdischen Gruppen Wiens und hervorragenden jüdischen Persönlichkeiten zur Hilfeleistung für die jüdischen Opfer des ukrainischen Martyriums erlassen wurde, überaus günstige Erfolge gezeitigt. Die Massenaktion ist noch im Fluß. Wenn bis jetzt mehr als viereinhalb Millionen Kronen eingelaufen sind, wo das Hilfswerk kaum erst begonnen hat, muß dieses Anfangsresultat als überaus erfreulich bezeichnet werden. Das Komitee hat sich zur Aufgabe gesetzt, einen Betrag von zehn bis zwölf Millionen österreichischen Kronen zustande zu bringen. Es ist zu hoffen, daß dieses Ziel in kurzer Frist erreicht sein wird, abgesehen von den jetzt sehr ansehnlichen Spenden an Kleidern und Wäsche. Daß das Geld in Polen zur Verwendung gelangt. also einem Wert von rund zwanzig Millionen polnischen Mark entspricht, wird der österreichischen Judenschaft mit diesen Mitteln die Errichtung je eines Emigrantenheimes in Lemberg und K o w n o sowie einiger Werkstätten in Wolhynien ermöglicht, was den Spendern gewiß eine Genugtuung sein wird. Es wird die Öffentlichkeit interessieren und gewiß zu eifrigstem Sammelfleiß anregen, daß das Hilfskomitee einen weiteren Hilfszweck in seine Tätigkeit einbezogen hat: Viele Pogromopfer haben von ihren Angehörigen in Amerika nachweislich Geldmittel für die Emigration überwiesen erhalten, aber den Betrag noch nicht in Händen. Das Komitee wird nun — natürlich nach strengster Prüfung des Sachverhaltes — diesen ukrainischen Juden aus den Sammlungsergebnissen Darlehenssummen vorstrecken und diese Darlehen von den später einlaufenden schon unterwegs befindlichen amerikanischen Hilfsmitteln in Abzug bringen. Es erübrigt sich, zu betonen, welch großer Segen diese Darlehensaktion für die Betroffenen wäre, die sich augenblicklich in verzweifelter Not befinden, so daß vielfach zu befürchten ist, die aus Amerika avisierten Beträge könnten zu spät einlangen. Für die ukrainischen Juden, die nicht gewohnt sind, Almosen und Geschenke entgegenzunehmen, vielmehr in vorbildlicher Weise bedrängten Brüdern in früheren Jahren ausgiebige Hilfe geleistet haben, ist Hilfeleistung in Form von Darlehen auch viel willkommener. Diese Aktion wird selbstverständlich nur im Einverständnisse mit den von den Emigranten gewählten und mit Sachwaltung ihrer Angelegenheiten betrauten Vertretern erfolgen, wie überhaupt die Leitung der Wiener Hilfsaktion nichts unternehmen wird, ohne das Einvernehmen mit diesen Vertretern der schwergeprüften ukrainischen Judenschaft gepflogen zu haben.