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Das jüdische Echo · 1921-06-03 · 22 (3.6.1921) · p. Seite 275

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
8 (1921)
Issue
22 (3.6.1921)
Date
1921-06-03
Page
Seite 275 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 22 Das Jüdische Echo 275 Nach einigen einleitenden Worten des Vorsitzenden Dr. S c h a 1 i t, welcher darauf hinwies, daß zurzeit etwa tausend Chaluzim infolge der Ereignisse in Jaffa in Wien zurückgehalten werden und es Pflicht der Judenschaft Wiens sei, für die besten Söhne des Volkes zu sorgen, ergriff Oberrabbiner Dr. Chajes das Wort und führte aus: Das Verhältnis zwischen England und dem jüdischen Volke in der Palästinafrage ist derart, daß wir ein Eingehen auf unsere besonderen Bedürfnisse erwarten dürfen. Es gründet sich auf gegenseitiges Vertrauen. Angesichts der letzten Vorfälle in Palästina müssen wir uns fragen, ob wir das Vertrauen zu England verlieren sollen, was mit dem Aufgeben unserer Sache identisch wäre. Die Antwort auf die Frage lautet: Unser Vertrauen ist im wesentlichen nicht erschüttert. England hat den Konflikt in Palästina in seiner wahren Form in Erscheinung treten lassen, wahrscheinlich um vor aller Welt klarzulegen, wie dringend die endgültige Entscheidung, die Anerkennung des Mandatentwurfes durch den Völkerbund ist. Allerdings müssen wir verlangen, daß es alle Schritte in Palästina und beim Völkerbund unternimmt, die der Welt und vor allem den Arabern den Beweis erbringen, daß ein Ankämpfen gegen den Beschluß von San Remo unmöglich ist. Dazu gehört, daß endlich einmal der Mandatsentwurf beim Völkerbund beraten und durchgeführt werde und daß die palästinensische Regierung überall im Lande, wo Juden in größerer Zahl wohnen, durch eigene Truppen oder jüdische Hilfskontingente die Ruhe und Ordnung erhalte. Nun ist die Frage, ob auch England das Recht hat, zu uns Vertrauen zu haben. Als England das Abkommen mit uns schloß, wußte es, daß die zionistische Organisation nicht das ganze jüdische Volk vertritt, aber es meinte, daß die Juden aller Schattierungen beweisen werden, daß ihre Sehnsucht nach Erez Israel ernst ist. Jetzt, ein Jahr nach San Remo, ist dieser Beweis noch nicht erbracht. Das jüdische Volk hat uns nicht die Männer zur Verfügung gestellt, um das Palästina-Problem zu lösen und während es sich darum handelte, das Land aufzubauen, haben wir in der Partei selbst mit inneren Streitigkeiten über Methoden begonnen. Und außerhalb der Partei ist noch etwas geschehen: Die amorphe jüdische Masse im Osten, die zu persönlichen Opfern hätte gebracht werden können, wurde von anderen Führern dazu gebracht, nichts zu tun, weil nach ihrer Ansicht die Arbeit der zionistischen Führer schlecht wäre. Wenn die „Agudas Jisroel“ positive Arbeit in Palästina leisten wollte, so wäre dies zu begrüßen, auch wenn es zu einem Kulturkampf in Palästina käme. Aber es ist zu fürchten, daß die bloß negative Tätigkeit deir Agudah die Massen weiter in Lethargie hält. Ohne Enthusiasmus kann keine Arbeit geleistet; werden, negative Arbeit jedoch hat noch nie Enthusiasmus hervorgebracht. Daß trotzdem die englische Regierung das Vertrauen nicht verloren hat, ist einzig und allein der Arbeit von wenigen tausend Chaluzim zu danken. Nun aber ist es höchste Zeit, daß nicht nur ein kleiner Teil, sondern daß das ganze Volk Opfer für Palästina bringt. Ein Palästina, das ohne Opfer erobert ist, würde uns demoralisieren. Nur durch den Beweis unserer Opferwilligkeit können wir Englands Vertrauen erhalten. (Lebhafter Beifall.) Nach einem warmen Appell von Frau Dr. Sofer wurde dann eine Sammlung für die in Wien weilenden Chaluzim vorgenommen. Es fand sich auch eine Anzahl von Personen bereit, Chaluzim während ihres hiesigen Aufenthaltes bei sich in Wohnung und Kost zu nehmen. Nach eindringlichen Worten Professors Artur Freunds, der die jüdische Vermögensabgabe einerseits und die sofortige Freigabe der Einwanderung andererseits forcierte. ferner Ingenieur Wladimir T e m k i n s , der den Ruin der ukrainischen Judenheit und ihre gleichzeitige stärkste Opferwiliigkeit schilderte, wurde einstimmig folgende Resolution angenommen: „Die Nachrichten über die Vorgänge in Palästina haben uns mit Trauer und unsagbarem Schmerz erfüllt. Wir gedenken der Brüder und Schwestern, die in treuer Erfüllung ihrer Pflicht dem Volke und dem Lande gegenüber den Tod gefunden haben. In dieser Stunde des Gedenkens geloben wir, treu zu unserer Sache zu stehen und erklären unsere Bereitwilligkeit, die größten Opfer zu bringen, um unsere nationale Heimstätte aufzubauen, indem wir alle Juden auffordern, an dem Befreiungswerke unseres seit zwei Jahrtausenden geknechteten Volkes teilzunehmen, geben wir unserer bestimmten Zuversicht Ausdruck, daß die englische Regierung alles daransetzen wird, um ihre dem jüdischen Volke in Bezug auf Palästina gegebenen Erklärungen und Versprechen ehestens einzulösen und die endgültige Regelung der Mandatsfrage durch den Völkerbund zu erwirken. Wir stellen an die englische Verwaltung in Palästina das Ersuchen, die jüdischen Einwohner an der Aufrechterhaltung der Sicherheit und Ordnung im Lande teilnehmen zu lassen, und benützen diese Gelegenheit, der englischen Regierung und insbesondere Sir Herbert Samuel unser Vertrauen auszusprechen.“ Die Einwanderung nach Palästina. Gemäß der Abmachung, welche zwischen dem Waad Hazirim (Zionistische Kommission) in Palästina und der dortigen Regierung getroffen wurde, hat der Waad Hazirim die Verantwortung für die wirtschaftliche Lage der Palästina-Immigranten. Im Zusammenhang mit den Arbeitsplänen, deren Ausführung Arbeit in großem Umfang hätte schaffen können, hat der Waad Hazirim die Zahl von 16 500 als. Minimum der mittellosen Einwanderer festgesetzt, welche durch Vermittlung der zionistischen Organisation und auf ihre, beziehungsweise des Waad, Verantwortung ins Land kommen dürfen. Doch infolge der Finanzlage und der Durchführung des Arbeitsprogramms wurden alle diese Arbeiten nicht in Angriff genommen und die öffentlichen Arbeiten der palästinensischen Regierung und des britischen Militärs, das im Lande gamisoniert, geben nur die Möglichkeit für die Einwanderung von einigen tausend Personen. Wer durch Vermittlung der zionistischen Organisation und auf ihre Verantwortung ins Land kommt, erhält ein spezielles Dokument vom Palästina-Amt seines Wohnlandes; nur gesunde, ledige, junge Leute, welche zu jeder schweren körperlichen Arbeit bereit sind, können ein solches Dokument erhalten. Der Waad Hazirim meldet jeden Monat der zionistischen Zentrale in London die Zahl der Immigranten, welche nach Palästina geschickt werden können, und die Londoner Zentrale gibt dann die entsprechende Zahl von Zertifikaten heraus und verteilt sie nach ihrem

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