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Das jüdische Echo · 1921-06-03 · 22 (3.6.1921) · p. Seite 274

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
8 (1921)
Issue
22 (3.6.1921)
Date
1921-06-03
Page
Seite 274 (sequence 4)
Language
German
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274 Das Jüdische Echo NT. 22 dem man ihm seinen Laden geplündert und seinen Schwager ermordet hatte, während verschiedene Araber, die der Plünderung überführt worden waren, mit 6 Wochen Gefängnis davon kamen. Es ist zwar gar nicht daran zu zweifeln, daß die englische Regierung sich der größten Objektivität bemüht und daß das Einwanderungsverbot nach Palästina nur ein vorübergehendes ist, aber man überlege es sich einmal, wie schwer es das jüdische Volk selbst einer so gut gesinnten Regierung wie der englischen macht, ihr Versprechen einzulösen. indem es für die große Belastung des englischen Kolonialbudgets auch noch nicht annähernd hinreichende Gegenleistungen aufgebracht hat. Wie schwierig unter den obwaltenden Umständen es sein wird, zu einer Verständigung mit den Arabern zu kommen, die natürlich zu den Grundlagen des Palästinawerkes überhaupt gehört, kann man aus einem in der „Jüdischen Rundschau“ vom 24. Mai veröffentlichten Brief von Schulim L e r n e r aus C h e d e r a sehr gut ersehen. Es ist sehr interessant, wie bei nahender Gefahr von seiten der Araber plötzlich der tiefe Gegensatz zwischen jüdischen Kolonisten und jüdischen Arbeitern ohne weiteres verschwand und sie gemeinsam gegen die Araber fochten. Es läßt sich von hier aus kaum sagen, ob es wirklich nicht möglich ist, eine „Verbrüderungspolitik“ mit den arabischen Arbeitern zu treiben, wie es der extreme Flügel der Sozialisten im Sinne hat. Man muß alle diese Nachrichten über eine solche Unmöglichkeit mit einiger Reserve aufnehmen, denn wir wissen sehr genau, und es muß einmal deutlich ausgesprochen werden, daß im Hapoel-Hazair, dem der Briefschreiber angehört, leider stark chauvinistische Tendenzen herrschen. Der Brief von Lerner ist nicht der erste Bericht aus Palästina, in dem eine derartige Gesinnung bemerkbar wird. Dazu sogar noch eine gewisse Freude an der Soldatenspielerei und Heldenverehrung, über die sich die Juden bei den anderen Völkern, und mit Recht, garnicht lustig genug machen konnten. Wohlverstanden, hiermit soll nur gegen militaristische Anwandlungen, nicht etwa grundsätzlich gegen eine Selbstverteidigung der Juden gesprochen werden. Die Vorschläge Jabotinkys über die Wiedereinführung der jüdischen Legion sind jedenfalls in Betracht zu ziehen, wenngleich der Gedanke, die Araber dabei unberücksichtigt zu lassen, von Eurpa aus gesehen, zum mindesten weder als sehr gerecht, noch taktisch sehr klug erscheint. Es ist klar, hier hilft nur grundsätzliche Neuorganisation der Arbeit und unter diesen Arbeiten sind es wiederum zwei, hinter denen alle anderen fast völlig zurücktreten müssen: weitere Stärkung der Einwanderung und Geld. Lerner schreibt in seinem Brief: „Es muß unbedingt ein großer Strom neuer Einwanderer, wirklicher Chaluzim, hereinkommen. Nur kommen! Man kann das nicht laut genug schreien; die Menschen schaffen dann mim ff. Herrenschneiderei e Reiche Stoff-Auswahl Ermäßigte Preise W. Braans Cie., München Neuhauaeratr. 15 I, g^gonüber der alten Akademie ^fMMP auch Arbeitsmöglichkeiten!“ und weiter: „Ohne große Theorien aufzustellen, muß man handeln! Donnerstag, als wir alle auf den Angriff bereit waren, bekam ich drei Briefe von verschiedenen Leuten. Jemand schrieb mir gerade über die Theorien, die wieder in Berlin besprochen worden sind durch Bernfeld und Buber. Ich schätze diese Männer sehr hoch ein. Aber trotzdem mußte ich doch ein Donnerwetter herausschreien. Leute sitzen in Berlin und verdrehen sich die Köpfe mit Theorien, wie Fragen: „Darf ich zum Zionismus erziehen, oder muß man selbst dahin kommen!“ Mir schreibt man, mit welchen Kulturen man sich beschäftigen soll, mit chinesischer, japanischer oder sonst was, statt, wie ich iln diesem Augenblick dachte, hier auf dem Hofe zu stehen und sich selbst zu verteidigen. Und nicht, daß Inder uns beschützen müssen. Öffnet doch die Augen und seht, was not tut! Seid nicht so problematisch! Nochmals: kommt und kommt und wieder kommt, wer die Kraft in sich fühlt!“ Wie lächerlich ist es, sich jetzt den Kopf darüber zu zerbrechen, ob man das Programm des Zionismus erweitern oder verengern muß, wie geradezu meschin die mit meist nur sehr wenig Geist geführten gegenwärtigen Parteistreitigkeiten in Deutschland! Das schlimmste freilich ist, wie die jüdische Jugend und nicht zuletzt auch Kreise im Blau-Weiß und einem recht beträchtlichen Teile der Studentenschaft sich über völlig abstrakte und minderwertige Theorien ihrer Einstellung zur zionistischen Idee den Kopf zerbrechen, statt mit dem ganzen Temperament und dem leidenschaftlichen Feuer, das die Jugend haben sollte, für eine durchgreifende Neuordnung innerhalb der zionistischen Organisation einzutreten. Soll es denn kein Land auf der ganzen Erde geben, in dem die Juden nicht vogelfrei sind? Jeder wahrhafte Jude, gleichgültig welcher Richtung er angehört, weiß heute, daß das Palästina- Werk, wie der Deutsche Rabbiner-Verband, der am 18. Mai d. J. in Frankfurt a. M. tagte, einstimmig gesagt hat, „eine heilige Verpflichtung des gesamten Judentums ist. Die Großloge U.O.B.B. hat sich für den Aufbau Palästinas erklärt Ein großer Teil der Mitglieder des „Zentralvereins Deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens“ steht dem Aufbau positiv gegenüber. Der überwiegende Teil der jüdischen Jugend aus den neutralen Jugendverbänden hat sich auf der Führertagung in Cassel einmütig und begeistert für die Mitarbeit an der Aufrichtung der Heimstätte in Erez Israel ausgesprochen.... Nun, Ihr seid doch alle für Palästina, was könnt Ihr also tun? Geld geben, und sofern Ihr jung seid und die Kräfte dazu habt, hinübergehen. Es handelt sich jetzt um Sein oder Nichtsein des jüdischen Volkes. Fritz Schiff. Massenkundgebung der Zionisten Wiens. Das Zionistische Landeskomitee für Österreich hatte für Sonntag eine Versammlung ins Komödienhaus einberufen, um zu den Vorfällen in Erez Israel Stellung zu nehmen. Die Versammlung gestaltete sich zu einer jüdischen Massenkundgebung, in welcher der feste Wille zum Ausdruck kam, sich durch keinerlei Hindernisse in der Arbeit für den Aufbau der Heimstätte in Erez Israel beirren zu lassen.

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