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Das jüdische Echo · 1921-05-27 · 21 (27.5.1921) · p. Seite 264

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
8 (1921)
Issue
21 (27.5.1921)
Date
1921-05-27
Page
Seite 264 (sequence 6)
Language
German
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26-1 Das Jüdische Echo Nr. 21 Charakterzeichner mit unnachahmlicher Kunst in einer Schale sprühenden Humors vorsetzt und zu einem Buche gestaltet, das zu den köstlichsten Gaben gehört, die wir Scholem Alejchem verdanken. Jaäkobs Traum. Als 4. literarischer Abend der „Ewer“- Buchhandlung, München, Wagmüllerstr. 19, wurde am 11. Mail im Hotel „Bayerischer Hof“ die Vorlesung des dramatischen Vorspiels von Richard Beer-Hoffmann „Jaäkobs Traum“ durch Herrn und Frau Marie geboten. Der verständnisvollen Interpretation gelang es, die ganze Pracht des mehr zum geistigen Genuß als zur sinnlichen Betrachtung geschaffenen Werkes den Hörern zu enthüllen. Die klangvolle Sprache der Verse kam in dieser Rezitation umsomehr zur Geltung, als die augenfällige Darstellung der Bühne — bei dieser dichterischen Schöpfung nach den Erfahrungen der Aufführungen an anderen Orten ein Problem — keineswegs ablenken konnte. Dem Publikum, das sichtlich dankbar war für dk erste Gelegenheit, die Beer-Hoffmannsehe Dichtung in ihrer geistigen Gestaltungskraft aufnehmen zu können, war der Abend ein Genuß, der im Rahmen der „Literarischen Abende“ der „Ewer“- Buchhandlung einen Höhepunkt darstellt. * * Man muß der Ewer-Buchhandlung wärmstens danken für diese Veranstaltung, durch die eines der schönsten jüdischen Werke in deutscher Sprache unserer Zeit so lebendig zu Gehör gebracht wurde. Mit Befremden und Bedauern muß dagegen das geringe Interesse großer jüdischer Kreise — ganz besonders auch der offiziellen — an dieser Veranstaltung festgestellt werden. Diese Kreise hätten, wenn nicht aus eigenem Bedürfnis, so doch um zu sehen, in welcher Weise man jüdische Kulturwerke verlebendigen kann, diesen Abend besuchen müssen. Glücklicherweise war die jüdische Jugend Münchens in Massen erschienen und hat sicherlich starke Eindrücke empfangen. Feuilleton Von einem Platze an der Misrachwand. (Fortsetzung.) Ach, es ist ein schweres Leid. Allein, sich von dieser Goluslast zu befreien und mit dem Misrachplatz zugleich die heilige Schul aus ♦<=>♦<=>♦<=>♦<=>♦€=>♦<=> ♦<=>♦<=>♦<=>♦<=>♦< 0 der Hand des Fremdlings zu befreien — dazu fühlte sich die Kabzansker Gemeinde zu schwach und zu arm. Und allgemach sank alle Hoffnung dahin. Zwei! Menschen hatten indes, wie sich später zeigte, ein Auge auf den Platz an der Misrachwand geworfen und strebten danach, ihn in Besitz zu bekommen — ein jeder auf seine Methode. Der eine war Reb Schmelke, der andere Chaikel- Chajiim — zwei ganz verschiedene Menschen. Wie schwarz und weiß, wie zwei Katzen in einem Sack. Reb Schmelke war eins jener Menschenwesen, von denen man sagen könnte, daß sie unter uns Menschen das gleiche sind, was Gurken z. B. unter dem Gemüse. Frühmorgens zeigt sich im Garten, dort, wo man noch abends zuvor nichts bemerkt hatte, eine große, grüne Gurke. Plötzlich und unvermutet. Gurken — so sagt man — wachsen über Nacht, wenn kein Mensch es sieht Und genau so wachsen auch die großen Männer! Irgend ein armseliger Jude, irgend ein Schmelke aus der niedrigsten Masse von Kabzansk, ist plötzlich — wer merkte was, wer wußte was? — aus der Erde herausgekrochen. Und Heil dir, Kabzansk! mit deiner Gurke und mit dem neu aufgeblühten Reb Schmelke! Sag Segenssprüche, wie auf eine Erstlingsfrucht, auf Reb Schmelke! Schmelke ist heute der Kabzansker Pächter. Schmelke ist Faktor auf dem Gute, Schmelke der ganze Macher im Orte und hoch erhaben. Zwar im Hebräischen ist Schmelke nicht ganz sicher und kein Gelehrter von Geist und Schärfe. Aber scharf und groß ist seine Frömmigkeit. So gläubig wie er ist, findest du keinen zweiten auf der Welt. Was er nicht verstehen kann, glaubt er. An Gott und auch an den Teufel, glaubt an Träume und Wunder, an Zauberei und Besprechung. Und d i e gute Eigenschaft muß man ihm auch nachrühmen: so groß er sich Kleinen gegenüber fühlt, so klein hält er sich Großen gegenüber. Und so leidenschaftlich er nach einem Stückchen Ehre im Städtchen strebt, so sehr verzichtet er im Gutshof auf Ehre. Mögen die Gutsleute ihn noch so grimmig verspotten, ihm machts nichts aus. Und so kühnlich er unter den Seinen die Zunge rührt, so erstickt ihm die Stimme und so erzittert er vor einem Blick des Gutsherrn. Seitdem Reb Schmelke eben Reb Schmelke ist, drängt es ihn gar stark, den Platz der Leibeies zu besitzen; denn er weiß doch sehr gut, daß dieser Platz seine Stellung sehr heben wird. Sobald er jenen Platz an der Misrachwand bekommt, dicht an der heiligen Lade, kann er seinen ♦<=»♦<=>♦<=> * c=c«-c=>*c=>c=>* ♦ 0 ♦ 8 3 8 8 8 8=., L. Kielleuthner kgl. bayer. Hoflieferant 43 Maximilianstrasse 43 Bekanntes Haus für erstklassige Herrenbekleidung nach Mass 8 8 8 8 8 o ♦ 8 8 fl

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