Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- 21 (27.5.1921)
- Date
- 1921-05-27
- Page
- Seite 262 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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262 Das Jüdische Echo Nr. 21 hingen, sondern freiwillig gebrachte große Opfer, eine wirkliche Vermögensabgabe. Jedermann würd den Zehent von seinem Vermögen lind seinen Jahreseinkünften auf dem Altar der großen, gemeinsamen Sache niederlegen müssen» und hierin seine unumgängliche Pflicht zu erblicken haben. Die Augen der gesamten zivillisierten Menschheit sind wieder einmal auf uns gerichtet. Eine in unserer zw ei tausendjährigen Leidensgeschichte unerhörte Glückschance bietet sich unserer Gemeinschaft. Ob wir sie jedoch auszunützen verstehen werden, liegt durchaus in unserer Hand. Die Mandatarmacht England hat in unzweideutiger Weise ihren Willen kundgetan. Aber das jüdische Volk selbst ist bisher allzu stumm geblieben. Denn daran kann nicht der mindeste Zweifel sein, daß nur wir selbst das jüdische Palästina zu schaffen vermögen. Diie Mandatsmacht selbst kann nur die Möglichkeiten und Vorbedingungen hierfür bieten, alles andere ist unsere eigenste Aufgabe. Keinem Volk kann man die Heimat schenken, eine Heimat kann nur durch Hingabe und Opfer errungen werden und eine geschenkte Heimat wäre dieses Namens unwürdig. Auch an der Judenschaft Münchens und Bayerns liegt es nunmehr, ihren jüdischen Willen durch die Tat zu beweisen. Wir rufen alle ans Werk, denen ihr Judentum noch etwas gilt und die ihm eine größere, freiere Zukunft bereiten wollen. Darüber hinaus fragen wir nicht nach Gesinnung und Programm. Palästina wartet. Das durch Jahrhunderte sträflich vernachlässigte Land schreit nach jüdischen Mitteln und jüdischen Menschen, und Tausende junger Juden stehen bereit, um hinüberzugehen und in opferfreudiger Entschlossenheit mit Verachtung aller Mühe und Gefahr ihrem alten Stamm die neue Heimat zu bereiten und dem Land, aus dem der jüdische Genius erwachsen ist, der der Welt seine unvergänglichen Lehren verkündete, seinen alten, verlorenen Glanz wiederzugeben. An uns liegt es nunmehr, diesen unseren Pionieren den Weg zu bahnen. So ergeht denn unser Ruf an alle Juden: Volkssteuer für den Palästina-Aufbaufonds. den Keren Hajessod! Der XVII. Delegiertentag der deutschen Zionisten. Der in Hannover tagende Delegiertentag der Z. V. f. D. wurde am 16. Mai geschlossen, nachdem eine Reihe auf die zionistische Politik und die Landesarbeit bezüglichen Resolutionen gefaßt worden war. Unter anderem fordert der Delegierten tag, der in der zionistischen Weltorganisation den Ausdruck der nationalen Einheit und des nationalen Willens des jüdischen Volkes erblickt und den nationalpolitischen Charakter der zionistischen Organisation als Voraussetzung zur Erringung politischer Erfolge ansieht, daß der Kongreß eine von einheitlichem Willen geleitete Exekutive mit dem Sitze in London einsetzt, die die verantwortliche Führung auf allen Gebieten zionistischer Tätigkeit ausübt. Die Aufbauarbeit in Palästina soll von einem dortselbst wohnenden Teil der Gesamtexekutive unter Heranziehung von Vertretern des Jischuw geleitet werden. Der Delegiertentag vertraut darauf, daß keinerlei Zwischenfälle die die Durchführung der von England in der Balfour-Dekaratibn niedergelegten und von der palästinensischen Landesverwaltung unter Sir Herbert Samuel bereits eingeleiteten Politik, welche zur Errichtung der nationalen Heimstätte in Palästina führen soll, beeinträchtigen werden. Der Delegiertentag protestiert gegen die blutigen Exzesse in Jaffa und erwartet, daß der jüdischen Bevölkerung Genugtuung gewährt und für Aufrechterhaltung der Sicherheit Sorge getragen wird. Er spricht die Erwartung aus, daß die zur Zeit verfügte Sperrung der Immigration unverzüglich aufgehoben wird. Die intensivste Arbeit für den Keren Hajessod muß im Vordergrund der zionistischen Tätigkeit stehen. Er erwartet, daß die Bemühungen der Exekutive zur Durchführung der Keren Hajessod-Aktion in Amerika sowie zur Einheit und Autorität der Gesamtorganisation von Erfolg begleitet sein und daß die zionistischen Führer alles tun werden, um die Einheit in der Weltorganisation wiederherzustellen. Der Delegiertentag beauftragt den geschäftsführenden Ausschuß, unverzüglich Mittel für die Berufsvorbereitung und Übersiedlung von Chaluzim zu beschaffen. Der neutrale Jugendbund für Palästina. Am 15. und 16. Mai hielt der Verband der neutralen jüdischen Jugendveireine Deutschlands seine Führertagung in Cassel ab. Es waren etwa 2000 Führer anwesend. Einen wichtigen Punkt der Tagesordnung bildete die Palästinafrage. Es wurde eine von Dr. Alfred Apfel, Dr. Cora Berliner, Dr. Fritz Krombach, Dr. Gustav Löffler, Fritz Schwairzschild, Paul Aufsesser, Claire Finkenstein. Rabbiner Dr. Lazarus, Kurt Neu eingebrachte Resolution unter großer Begeisterung einstimmig in folgendem Wortlaut angenommen: „Die Führertagung des Verbandes der jüdischen Jugendvereine Deutschlands betrachtet die Errichtung einer jüdischen Heimstätte in Palästina als eine historische Tatsache, die parteimäßiger Behandlung entrückt bleiben muß. Sie hofft, daß vielen in ihren Heimatländern entwurzelten Glaubensgenossen in Palästina eine auf der Religion der Väter aufgebaute Heimstätte erstehen wird, aus der belebende religiöse und geistige Impulse dem Judentum und der ganzen Wellt Zuströmen. Die Führertagung erwartet, daß die erforderlichen Mittel in einer Weise gesammelt verwaltet und verwandt werden, die es den deutschen Juden jeder Richtung ermöglicht, sich freudig an einem großzügigen, einheitlichen Sammelwerk zu beteiligen. In dieser Erwartung richtet sie an die Mitglieder der Jugendvereine und darüber hinaus an die deutschen Juden den Appell, sich an den Sammlungen und an dem Aufbau Palästinas opferbereit zu beteiligen.“ Die Resolution wurde von Teilnehmern aller Richtungen, ob Agudist, ob Zentralvereinler oder liberaler Rabbiner, lebhaft unterstützt. Die Annahme der Resolution ist eine bedeutungsvolle üode ff. Herrenschneiderei Reiche Stoff-Auswahl Ermäßigte Preise W. Braan&Cie.,ffiünc!ieB Neuhauaerstr.15/1, gegenüber der alten Akademie Sport