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Das jüdische Echo · 1921-05-20 · 20 (20.5.1921) · p. Seite 254

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
8 (1921)
Issue
20 (20.5.1921)
Date
1921-05-20
Page
Seite 254 (sequence 8)
Language
German
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254 Das Jüdische Echo Nr. 20 deutschen Juden in Palästina Qualitätsarbeit Kann er diese leisten, so hat er mehr Chancen in Palästina Beschäftigung zu finden, als wenn er nur ein gewöhnlicher Handwerker ist. Das gleiche gilt für die Vertreter technischer Berufe, von denen Palästina wohl mit der Zeit noch eine weit größere Anzahl brauchen wird als bisher, nämlich dann, wenn der Bau der Häfen und die Anlage der Bewässerungswerke in Angriff genommen und das Eisenbahnnetz weiter ausgebaut sein wird. Ebenso werden später Elektrizität. Telephon und Gas in den großen Städten, sowie Maschinen in den Fabriken zahlreichen Technikern Arbeit geben. In Hochschulen ausgebildete Ingenieure sind freilich schon jetzt in genügender Anzahl in Palästina; am meisten Aussicht haben Bauingenieure und Landmesser; Maschineningenieure, Elektrotechniker und Mineningenieure werden ebenso wie Chemiker momentan noch gar nicht gebraucht. Ferner sind für die geringen Ansprüche der Gegenwart auch schon genügend Architekten und Baumeister im Lande, so daß die Vorbildung in diiesen Fächern für Palästina kaum anzuraten ist, zumal bei Bedarf beliebig viel ausgebildete Reflektanten in Europa auf den ersten Ruf nach Palästina hinübergehen werden. Auch gibt es genügend und vorzügliche Photographen. Sehr schwer ist es, etwas über den Bedarf an selbständigen Kaufleuten und kaufmännischen Beamten in Palästina vorauszusagen; hängt die Nachfrage danach doch hauptsächlich von der mehr oder weniger schnellen landwirtschaftlichen und industriellen Entwicklung des Landes ab. Freilich ist es ja auch möglich, daß sich in den Hafenstädten, falls sie, oder Teile von ihnen, zu Freihäfen erklärt und dadurch Stapelplätze des Levantehandels werden, ein beträchtlicher von Landwirtschaft und Industrie unabhängiger Handel entwickelt. Außerdem wird die zunehmende Einwanderung von Vertretern geistiger Berufe und Rentiers sowie der allmählich gewaltig anschwellende Touristen- und Fremdenverkehr dem Handel eine große Unterlage bieten, aber allzu viel soll man sich davon, wenigstens für die nächsten Jahre, nicht versprechen. Anders liegt schon die Sache für Industrielle. Schon jetzt sieht man den Beginn industrieller Tätigkeit in Palästina. Einige Industrien des Baufaches, wie Ziegel- und Zementfabrikation, sind schon in der Anlage begriffen, auch eine Sägemülile in Chediera. eine große Dampfmühle in Haifa und eine Ölmühle mit Seifen- und Margarinefabrikation bei Caesarea sind geplant, ferner hört man von Zigaretten-, Konfitüren-, Schokoladen- und Parfümfabrikationen, von einer Gerbereianlage, von Woll- und Baumwollspinnereien und -Webereien, von Wollwäschereien, von Möbel- und Teppichfabrikationen usw. Ebenso ließen sich noch zahlreiche andere Fabrikationszweige anführen, es muß aber jedes einzelne Projekt an Ort und Stelle von Fachleuten studiert werden, allgemeine Richtlinien lassen sich nicht geben. Besonders aussichtsreich scheint die Hotelindustrie zu sein, und hierfür kämen vielleicht auch deutsche Unternehmer in Betracht. Auch wird sich voraussichtlich in steigendem Maße für gute Handwerker und Techniker, sowie für Kaufleute und Fabrikanten die Möglichkeit herausbildien, auch in den. Nachbargebieten Palästinas Beschäftigung zu finden, namentlich wenn sie arabisch und englisch bezw. französisch sprechen; es sollte deshalb möglichst jeder der herausgeht. mindestens etwas englisch vorher lernen. Grundverkehrt ist die Ansicht, man brauche für Palästina geringere Vorbereitung als für Deutschland, da es ein primitives Gebiet sei. Das Land ist vielleicht für kurze Zeit noch als primitiv anzusprechen, die Juden sind es dort aber ebensowenig wie anderswo: im Gegenteil sind sie auch dort sehr anspruchsvoll; das Beste ist ihnen gerade gut genug, lieber lassen sie sich Sachen für teueres Geld aus dem Auslande kommen, oder bringen es von Geschäfts- oder Urlaubsreisen mit, als daß sie minder Gutes sich in Palästina unfertigen lassen. Zweifellos wird es nicht lange dauern, bis Palästina in den meisten Betätigungen hervorragende Fachmänner besitzen wird. Wer daher mit geringem Können, hiükommt, hat wenig Aussicht, sich bei dem kritischen und scharfsinnigen Publikum durchzusetzen. Aber auch im allgemeinen jüdischen Interesse ist es, daß Palästina ein Land der Hochleistungen auf allen Gebieten wird, als ein Land, wo nicht billig und schlecht, sondern wenn auch teuer, so doch gut, ja möglichst erstklassig gearbeitet wird, einerlei, ob es sich um Kleidung, Bauten und Möbel handelt, oder um Gastwirtschaften, Konditoreien, Kinos, Konzerte usw. Erst dann wird Palästina zu einem solchen Anziehungspunkt werden, wie wir es im Interesse seiner schnellen Entwicklung erstreben; erst dann wird Palästina auch von den Nichtjuden als eine hervorragende Leistung anerkannt werden und dlem gesamten Judentum der Welt zur Ehre gereichen. Das gleiche, und vielleicht in noch höherem Maße, gilt auch für geistige Interessen. Soll Palästina vorbildlich werden, so ist auch hier das Beste gerade gut genug. Das Schulwesen muß nicht, wie bisher, infolge der Schmalheit der Mittel, stets am Rande des eben Erträglichen verbleiben, sondern in Bezug auf Lehrer, Lehrmaterial und Bauten voranstellen, und das gleiche gilt für andere gemeinnützige Institute, wie Bibliotheken, Museen, Turnhallen, Sportplätze, öffentliche Bäder, Volkshäuser usw. Gerade hier haben die deutschen Juden mit ihrer relativ höheren Kultur ein weites Feld der Betätigung. Jede deutsche Ortsgruppe sollte ein Palästinakomitee errichten, das sich mit solchen Dingen befaßt, die dort besonders in Frage kommen. Einerseits kommen dauernde Unterstützungen besonders wünschenswerter Institutionen in Palästina in Betracht, vielleicht derart, daß die Ortsgruppen, wie es Dr. Chamizer in der „Jüdischen Rundschau“ kürzlich empfohlen hat, das Patronat darüber übernehmen, andererseits können sich die Komitees bei größeren Leistungen zusammentun. Bin besonderer Zweig der Tätigkeit dieses Komitees würde auch das Sammeln von Büchern für die Nationalbezw. Universitätsbibliothek und von künstlerischen und wissenschaftlichen Gegenständen für die verschiedenen Museen, ferner von naturwissenschaftlichen Objekten, Mikroskopen, Lupen, Zirkelkasten, Präparaten, Bestecken usw. bilden. Es ist bedauerlich, daß dieses Feld, da*s gerade jetzt in der Zeit der Wohnungsnot und Einschränkung so viel Erfolg verspricht, bisher noch gar nicht methodisch beackert ist. Wie weit deutsch-jüdische Kräfte für den Aufbau des geistigen Palästina gebraucht werden, läßt sich natürlich ebensowenig voraussehen, wie es bei dem wirtschaftlichen Palästina möglich ist. Eine große Zahl wird sicher * dort Unterkommen können, wenn natürlich auch von jeder Berufsart nur einige wenige. So wird es gewiß vielen deutschen akademisch vorgebddeten Juden, darunter auch manchen Juristen und Volkswirten, möglich

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