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Das jüdische Echo · 1921-05-20 · 20 (20.5.1921) · p. Seite 251

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
8 (1921)
Issue
20 (20.5.1921)
Date
1921-05-20
Page
Seite 251 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 20 Das jüdische Echo 251 Die jetzt?n Palästina bestehende Ordnung auf diesem Gebiet widerspricht den einfachsten kaufmännischen Anforderungen, die man verpflichtet ist an das Bankwesen zu stellen. Es herrscht keine eigene Währung; eingeführt ist das nach meiner Auffassung schädliche und für die Verhältnisse Palästinas viel zu schwere, ägyptische Pfund, also eine Währung, die noch um 2lh% teuerer ist, als diie englische. Ebensowenig kann von einem eigenen Bankwesen die Rede sein. Die durch uns begründete Anglo Palestine Comp, besitzt mit ihren 300 000 £ ein viel zu geringes Eigenkapital, um irgendwelchen bestimmenden Einfluß auszuüben, dies umso weniger, als sie, wie bekannt ist, über 350 000 £, also mehr als das gesamte Eigenkapital in Hypotheken, die auf längere Jahre laufen, festgelegt hat. Diese Hypotheken sind nun z. T. aus alter Zeit zu einem niedrigen Zinsfuß gegeben; wie es mit den Eingängen der Zinsen und Annuitäten steht, ist sehr fraglich, da zurzeit gemäß den bestehenden Gesetzen Subhastationen und auch sonstige Zwangsmaßnahmen gegen böswillige Schuldner kaum durchführbar, in den meisten Fällen sogar undurchführbar sind. Es ist also in der Tat so, daß diese Bank Geschäfte nur mit den bei ihr hinterlegten Depositen machen muß, ein ganz ungewöhnlicher, aber auch ungesunder Zustand, wahrlich keine beneidenswerte Situation, weder für die Bank selbst, noch für die Direktoren. Daher die in Palästina so vielfach auftauchenden Beschwerden über dieses Institut und seine vermeintliche, böswillige Ablehnung von noch so sehr gesicherten Krediten. Daß natürlich an eine Böswilligkeit nicht zu denken ist, geht schon aus der Tatsache hervor, daß die Bank im Laufe der Jahre durch die Macht der Verhältnisse gezwungen worden ist, von dem eigentlichen Bankgeschäfte abzuweichen, um die Stelle der Hypothekenbank zu vertreten. Und gerade dadurch und die damit in Verbindung stehende Hergabe von einer Hypothekensumme, die mehr als das ganze Eigenkapital verschlungen hat, ist sie selbst heute in ihren flüssigen Mitteln außerordentlich beschränkt. Die Flüssigmachung dieser Bank ist also eine außerordentlich wichtige Aufgabe der nächsten Zeit. Die anderen in Palästina domizilierenden Banken sind reine Geschäftsinstitute, Filialen größerer, ausländischer Unternehmungen. Welche Institute wären nun von unserer Leitung zu errichten, die die Gewähr für eine Entwicklung bieten, wie wir sie von unserem Standpunkt aus verlangen müssen. Dazu würden gehören: a) ein Zentralbankinstitut mit dem Recht der Notenausgabe. b) eine Hypothekenbank mit dem Recht der Pfandbriefausgabe (etwa in Form der in Deutschland bestehenden Landeskreditkassen), c) eine Agrar- und Industriebank, d) eine Arbeiterbank. Um es vorweg zu sagen: Alle diese Institute sollten aber möglichst ihr Kapital aus öffentlichen Mitteln erhalten und der Privatinitiative entzogen sein. So sicher es sein muß, daß die geschäftlichen Angelegenheiten dieser Institute nach rein kaufmännischen Prinzipien erledigt werden müssen, damit sich das Geschäft frei von jeder politischen Beeinflußung entwickeln kann, so unbedingt notwendig aber ist es, daß eine Stelle geschaffen wird, die die Entwicklung Palästinas auf diesem Gebiete nur im Einklang mit der Leitung vorsieht. (Wolff legt hierauf die Spezial auf gaben und die Ausgestaltung der einzelnen Banken ausführlich dar, doch müssen wir uns die Wiedergabe infolge Platzmangels leider versagen.) Wie können wir in Deutschland lebende Juden nun bei dieser speziellen Aufbauarbeit behilflich sein, trotz unserer schlechten Valuta? Die Zionistische Vereinigung für Deutschland hat nach der Proklamierung des Keren Hajessod sehr rasch erkannt, daß demselben die bedeutendste Aufgabe für die nächsten Jahre zufallen wird, und sie hat dank der Rührigkeit und Hingabe der Leiter des Keren Hajessod in kurzer Zeit die Zeichnung von 25 Millionen Mark hauptsächlich von Zionisten zusammengebracht. Die Förderung dieses Werkes ist eine der vornehmsten Pflichten, der wir uns. in Deutschland zu unterziehen haben. Es muß der Wille aller deutschen Juden sein, nicht allein tätigen Anteil an diesem Fonds zu nehmen durch Hergabe von Geldern, sondern auch unablässig für die Propagierung selbst und mit aller Entschiedenheit zu wirken. Eine weitere Aufgabe, die uns in Deutschland zufällt, muß die Entsendung von organisatorisch befähigten Bankfachleuten sein. Es ist unsere Pflicht, Menschen aus dem Bankwesen herauszunehmen, die die Praxis durchaus und von Grund auf verstehen, und die in zäher Arbeit gewohnt sind, aus kleinen Anfängen heraus Großes zu entwickeln, ohne Überstürzung und ohne Fehler zu begehen, die bei der Errichtung solcher Institute auf neuem Boden leicht verhängnisvoll werden können. Wir haben weiter dafür zu sorgen, daß wir Leute auswählen, die vermöge ihrer Begabung speziell für die Placierung von Pfandbriefen in den verschiedenen Ländern in Betracht kommen und eine feste Organisation für den Absatz zu schaffen, denn der Erfolg der Hypothekenbank ist in erster Linie abhängig davon, ob es gelingen wird, die Pfandbriefe des Instituts solid und dauernd zu placieren. Wir haben ferner unser Augenmerk darauf zu richten, Menschen heranzuziehen und auszubilden, die die Fähigkeit besitzen, die hebräische, arabische und englische Sprache in Wort und Schrift (auch in Stenographie) zu erlernen, um so gut ausgerüstet ihre Kenntnisse alsdann wertvoll in den Dienst unserer Sache in Palästina zu stellen. Mit einem Worte, was wir tun können, ist neben der Hergabe von Geld die Entsendung erstklassiger Menschen, die infolge ihrer Erziehung und Kenntnisse befähigt und gewillt sind, sich ganz in den Dienst dieser grundlegenden Arbeiten zu stellen unter Aufgabe ihrer hier oft weit besser bezahlten Positionern Wenn wir in diesem Sinne unsere Pflicht verstehen, so kann es nicht fehlen, daß der Einfluß der Zionistischen Vereinigung für Deutschland auf unsere Gesamtorganisation wieder die Bedeutung erlangt, die ihm kraft seiner so oft bewährten Hingabe an unsere gemeinsame Sache zukommt, und es wird ein bleibendes Verdienst des hannoverschen Delegiertentages der Zionistischen Vereinigung für Deutschland sein, wenn er nicht nur Beschlüsse fassen wird, die sich in der Richtung meines Referates bewegen, sondern wenn er es auch verstehen wird, die Beschlüsse zur lebendigen Tat werden zu lassen. Praktische Palästinaaufgaben für Juden in Deutschland. Referat von Prof. D r. O. W a r b u r g. In einer Zeit, wo der Keren Hajessod iim Vordergründe sämtlicher zionistischer Interessen

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