Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- 20 (20.5.1921)
- Date
- 1921-05-20
- Page
- Seite 250 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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250 Das Jüdische £cho Nr. 20 Nationalfondsverwaltung ist diese Form der Zusehußwirtschaft groß gezogen worden. Wir müssen dazu kommen, wirtschaftlich selbständige Siedlungen zu schaffen, die sind auch die einzige Lösung für die Chaluzfrage. Dabei muß es uns gleichgültig sein, ob die Koloniisationsformen sozialistische oder kapitalistische sind, wenn sie mir zur Schaffung blühender Siedlungen führen. Im Schlußteil seines Referates stellt Lichtheim seine Vorschläge über die Zusammensetzung der neuen Leitung zur Diskussion. Er beantragt eine acht- bis zwölfgliedrige Exekutive, deren kleinerer Teil in Palästina sitzen und dort die wirtschaftliche Arbeit leisten soll. Das große A.-C. von 30 Mitgliedern soll wieder hergestellt werden, daneben ein Ausschuß von 60 Vertretern der Landesorganisationen und Föderationen, der iim kongreßlosen Jahr die Jahreskonferenz darstellen soll, zusammen mit dem A.-C. Der Kongreß soll jedes dritte Jahr zusammentreten. Die Leitung muß aus Persönlichkeiten bestehen, die nicht nur Fachleute sind, sondern die Fähigkeit haben, die ganze Aufgabe zu überblicken. Die Debatte über das Referat Lichtheim wird in der Weise geführt, daß zunächst die Redner der großen Fraktionen zu Worte kommen. Die stärkste Fraktion ist der nationale Einheitsblock. Der Misrachi ist durch 48 Delegierte vertreten, Hapoel Hazair mit 4L Eine Reihe von Delegierten, die keiner Fraktion angehören, haben sich zur Gruppe der Unabhängigen Zionisten zusammengeschlossen. In der Debatte wird von allen Rednern mit Genugtuung anerkannt, daß die provisorische Exekutive als ihre Aufgabe ansieht, den nationalen Charakter und die Einheit der zionistischen Organisation wieder herzustellen, ihr jenes innere Leben zu geben, welches sie zur Lösung ihrer Aufgabe und zur Beschaffung der Mittel bedarf. F>s wird auch betont, daß die Organisation sich nicht auf die Palästilnaaufgabeii beschränken darf, sondern als die große nationale Organisation des jüdischen Volkes alle Lebensinteressen des Volkes in ihre Tätigkeit einbeziehen und vor allem die nationale Erziehung durchiühren muß. Der Vorsitzende, Felix Rosenblüth, referierte über die zionistische Arbeit in Deutschland. Bekanntlich sind in der letzten Zeit in der Zionistischen Vereinigung für Deutschland Gruppen aufgetreten, welche die nationale Haltung der Leitung bekämpfen und die Gründung einer eigenen Föderation unter dem Namen „Binjan Haarez“, die den Nichtzionisten die Zusammenarbeit mit den Zionisten leichter machen wollen, gründen wollen. Die Führer der Gruppe Binjan Haarez sind auf dem Delegiiertentag nicht erschienen. Rosenblüth erörtert grundsätzlich die Streitfragen, insbesondere die Frage der Gewinnung der Mitarbeit nichtzionistischer Kreise für Palästina und des zionistischen Radikalismus. Er weist nach, daß nur eine innere Stärke des deutschen Zionismus es möglich macht, auch Erfolge bei Nichtzionisten zu erzielen. Die Zionisten dürften nie Mode ff. Herrenschneiderei Reiche Stoff-Auswahl Ermäßigte Preise ».Braun 4 Cie,, lochen Neuhauserstr. 15 1, gegenüber der alten Akademie Sport vergessen, daß Zionismus ausgeht vom Bewußtsein des Golus, daß er die Freiheitsbewegung des jüdischen Volkes ist. Wir brauchen an leitender Stelle Menschen, die dieses Golusgefühl als Quelle ihres Zionismus ganz lebendig empfinden. Der Ernst unseres Zionismus bewährt sich in unseren Leistungen für Keren Hajessod und in der Pioniergesinnung der Jugend. Die Chaluzfrage war im letzten Jahr umstritten, sie muß ein integrierender Bestandteil der zionistischen Arbeit sein. Wir wollen durch eine Bündnilspolitik ohne Gesinnungskompromisse das deutsche Judentum für die Palästinaarbeit gewinnen. Schließlich wendet sich der Referent gegen die Versuche, die staatsbürgerliche Zuverlässigkeit der Zionisten in Frage zu ziehen, eine Methode, die selbst der Zentralvereih als denunziatorisch bezeichnet hat. als sie von den nationaldeutschen Juden ausging, die er selbst aber anzuwenden verschmähte. Nach Rosenblüth spricht Kurt Blumenfeld, der in etwa zweistündiger Rede die Erfahrungen der praktischen Arbeit des letzten Jahres und die Prinzipien des radikalen Zionismus darlegt. Blumenfeld ist nach Beendigung seiner Rede, die mit gespanntester Aufmerksamkeit; angehört wird, Gegenstand lebhafter Ovationen seitens des ganzen Delegiertentages. In der Nachmittagsitzung wird die Debatte fortgesetzt. Großen Eindruck macht die Erklärung des Redners des Misrachi, Herrn Lazarus Barth, der die Richtigkeit der Blumenfeldsehen Methode für die Keren Hajessod- Arbeiit anerkannte. Von den meisten Rednern wurde die Politik der Abstinenz, die Binjan Haarez übt, heftig kritisiert. Mehrere Redner traten für Verständigung und Entgegenkommen ein. Die Debatte wurde Sonntag Abend abgeschlossen. Der Montag brachte die große Debatte über die praktischen Palästinaaufgaben für Juden in Deutschland mit Referaten der Herren Prof. Warburg, Davis Trietsch, Jakob Wolff und Walter Moses. Davis Trietsch verbreitete sich über die „Berufe der Juden im neuen Palästina“ und über „die Gartenstadt als geeignetste Form jüdischer Kolonisation“, Walter Moses behandelte hauptsächlich die Chaluz-Frage. Aus den Referaten von Jakob Wolff und Prof. Warburg bringen wir nachstehend größere Auszüge zum Abdruck. * * * Die Wahlen ergaben folgende Resultate: Als Vertreter der deutschen Landesorganisation im Aktions-Komitee werden die Herren Felix Rosenblüth und Prof. Heinrich Loewe einstimmig gewählt. Zum Vorsitzenden der Z.V.f.D. wird; unter lebhaften Ovationen, Herr Felix Rosenblüth einstimmig wiedergewählt. Der Geschäftsführende Ausschuß erhält folgende Zusammensetzung: Kurt Blumenfeld, Dr- A. Hantke, Dr. Walter Moses, Dr. Siegfried Moses, Dr. Moses Smoira, Dr. Israel Auerbach, Dr. Egon Rosenberg. Max I. Kober, Arthur Rau, Dr. Max Strauß. Außerdem wird ein Zeutral-Komitee von 48 Mitgliedern, sowie ein Ehrengericht gewählt. Das palästinensische Bankwesen und die deutschen Juden. Auszug aus dem Referat von Jacob Wolff. Frankfurt a. M. Die Vorbedingung für jede gesunde wirtschaftliche Entwicklung in jedem Lande ist ein auf reeller Basis ruhendes geordnetes Bankwesen.