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Das jüdische Echo · 1921-05-20 · 20 (20.5.1921) · p. Seite 249

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
8 (1921)
Issue
20 (20.5.1921)
Date
1921-05-20
Page
Seite 249 (sequence 3)
Language
German
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Das Jüdische Echo Nummer 20 20. Mai 1921 8. Jahrgang Der Delegiertentag. Wer in den letzten Monaten die Debatten der zionistischen Presse verfolgt hatte, der mußte damit rechnen, daß der XVII. Delegiertentag der Z.V.f.D. im Zeichen des schärfsten Parteihaders und des Streites um die Richtigkeit der einzelnen Theorien verlaufen werde, anstatt sachliche Diskussionen zu bringen, die uns Wege, die den deutschen Zionisten praktische Beteiligung am Aufbau Palästinas ermöglichen, zeigen könnten. Es war daher sehr erfreulich, daß diese Befürchtungen nicht Wirklichkeit wurden, und symptomatisch, daß selbst in einer Fraktionssitzung (im allgemeinen das Forum für alle erdenklichen persönlichen Zwistigkeiten) ein durchaus nüchternes Pal ästin aref erat von dem kürzlich aus Erez- Israel zurückgekehrten Dr. Walter Moses; gehalten werden konnte. Dieser erfreuliche Eindruck der sachlichen Besprechung praktisch wichtiger Dinge wurde wesentlich gestärkt durch die einheitliche Stimmung, die in alten entscheidenden Fragen mit ganz verschwindenden Ausnahmen herrschte. Die Binjan-Haarez=Gruppe war in der Hauptsache der Tagung fern geblieben, um, wie Herr Dr. Klee in einem Begrüßungsbrief an den Delegiertentag schrieb, im gegenwärtigen Augenblick. der wie keiner die Forderung praktischer Arbeit an uns stelle, jeden fruchtlosen Streit über Fragen der Taktik zu vermeiden. Die Vertreter sämtlicher Fraktionen (es bestanden außer den Fraktionen M'jsrachi, Hapoel-Haza’fr, Nationaler Einheitsblock, noch eine Gruppe Fraktionsloser, die sich um Prof. Loewe und R.-A. Gronemann scharte) bedauerten das Fernbleiben dieser Zionisten und es erregte lebhaften Beifall als Herr R.-A. Gronemann sagte, man solle diesen Schritt nicht als „Desertion“ sondern nur als „unerlaubte Entfernung vom Truppenteil“ auffassen- Bei Anwesenheit der Binjan-Haarez-Gruppe wären wohl in manchen Fragen die Meinungen Ziemlich unsanft aufeinander geprallt, während die unbedingte Maasser-Verpflichtung der Juden dem Keren-Hajessod gegenüber, eine der Hauptforderungen des Delegiertentages, bei Binjan- Haarez ebenso wie bei allen anderen Gruppen über jede Diskussion erhaben ist. — Es traf sich gut, daß gegen Schluß der Tagung eine Resolution der Führertagung der neutralen Jugendvereine. die in Cassel tagte, bekannt wurde, in der der entschiedene Willie zur Mitarbeit am Aufbau des neuen Palästina ausgedriiekt wird. Der Erfolg des Delegiertentages dürfte besonders deutlich werden bei einem Vergleich mit dem vorjährigen. Während dort mit großer Mühe der Kompromiß des Doppelpräsidiums gemacht wurde, vollzog sich diesmal die Wahl des 1. Vorsitzenden der Z.V.f.D. (Dr. Felix Rosenblüth) unter großer, einhelliger Begeisterung. Die neue Leitung hat vom Delegiertentag bestimmte Richtlinien vorgesehrieberi bekommen, die sie beschreiten wird, ohne bei jeder Handlung erst jedes Mall Verhandlungen über grundlegende Dinge führen zu müssen und wird dadurch hoffentlich im kommenden Jahre in der Lage sein, für den deutschen und den Gesamtzionismus nutzbringende Arbeit zu feisten. W. F. Bericht über den Delegiertentag. Der XVII. Delegiertentag der Z. V. f. D. wurde am 13. Mai in Hannover im Saal des Volksheims eröffnet. Anwesend sind 226 Delegierte von 88 Gruppen gewählt. Der Vorsitzende, R.-A. Rosenblüth, gedenkt in seiner Eröffnungsrede der Opfer der Jaffaer Ausschreitungen und skizziert kurz die Aufgaben des Delegiertentages. Hierauf begrüßt er die Vertreter der Exekutive in London, Herrn Richard Lichtheim, ferner Rabbiner Dr. Freund-Hannover und die Vertreter der Jüdischen Gemeinde und zionistischen Ortsgruppe Hannover, sowie den Sekretär der Misrachi-Weitorganisation, Herrn Voß. Er verliest ferner ein Begrüßungstelegramm des Präsidenten Weitzmann aus Amerika, das mit lebhaftem Beifall aufgenommen wird. Als L Punkt der Tagesordnung referiert das Mitglied der provisorischen Exekutive, Richard Lichitheim, über die allgemeine Lage in der zionistischen Bewegung. Er benutzt, die Gelegenheit, um zum ersten Mal vor der Öffentlichkeit das Programm der neuen Exekutive darzulegen und setzt sich mit den verschiedenen Richtungen im Zionismus, insbesondere mit dem amerikanischen Programm auseinander. Unsere Bewegung scheint heute in einer Krise zu sein, deren Ursachen wir nachgehen müssen. Die Ereignisse in Jaffa sind eine grimmige Illustration der Unsicherheit unserer Lage. Wir ersehen daraus, daß wir keineswegs am Ende, sondern erst am Anfang unserer Politik stehen. Wir haben Politik zu führen mit den Engländern und mit den Arabern. Es ist unzweifelhaft, daß England an der Politik der Balfour- Deklaration, festhält. Mit den Arabern wollen wir ein friedliches Zusammenleben, aber wir müssen ihnen beweisen, daß wir eine reale Macht sind. Darum ist unsere stärkste politische Waffe die wirtschaftliche Arbeit in Palästina. Um sie zu fördern und gegen alle unsere Gegner stark zu sein, müssien wir innere Streitigkeiten zurückstellen. Lichtheim entwickelt die Auffassung der neuen Exekutive über die Aufgaben und die Ausgestaltung der Organisation. Er bezeichnet es als einen schweren Fehler der amerikanischen Richtung und der früheren Exekutive, daß sie die Bedeutung der Organisation verkannt habe. Auch für die Geldaufbringung ist die Organisation unser wichtigstes Instrument. Sie ist unsere einzige wirtschaftliche Macht. Eine ganz andere Frage ist die Frage der Geldverwendung. Diese muß selbstverständlich nach streng wirtschaftlichen Methoden vor sich gehen. Der Bericht der Reorganisationskomimiission enthält viel richtige Beobachtungen und Vorschläge, aber es ist falsch, die Palästinakommilssion für alle Mißstände verantwortlich zu machen, deren Gründe zum Teil weit zurückliegen. Die Fehler unseres Koloniisationssystems müssen einmal rücksichtslos ausgesprochen werden. Unter dem Schein genossenschaftlicher Siedlungen werden unrentable Wirtschaften mit Lohnarbeiten betrieben. Durch die

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