Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- 19 (13.5.1921)
- Date
- 1921-05-13
- Page
- Seite 240 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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240 Das Jüdische Echo Nr. 19 Tubiza, Listwin und Kalibinka, wo sie überall die jüdische Bevölkerung niledermetzelten und ihre Häuser nach der Ausplündung in Brand steckten. Türkei Gründungsversammlung der türkischen Judenheit. Am l.Mai wurde die Gründungsversammlung der türkischen Juden vom Oberrabbiner in formeller Weise eröffnet. Die zionistische Gruppe besteht aus mehr als 20 Mitgliedern. Die Tagesordnung enthält unter anderem auch den Antrag auf Umwandlung der Gründungsversammlung in eine gesetzgebende Versammlung und auf die Wahl eines permanenten Generalrates, in jüdischen Kreisen wird angenommen, daß diese Versammlung das Interesse der türkischen Judenschaft an den allgemeinen jüdischen Angelegenheiten wachrufen wird. Amerika Rabbiner Dr. Calfan über die Emigration nach Argentinien. Der argentinische Rabbiner Dr. Calfan äußerte sich unlängst, er glaube, daß demnächst eine stärkere Immigration aus Osteuropa nach Südamerika eintreten werde. Gegenwärtig befinden sich dort gegen 200 000 Juden, welche die vollsten Freiheiten genießen und das progressive Element im Lande sind. Der größte Teil der jüdischen Bevölkerung in Argentinien beschäftigt sieh mit Landarbeit und die Kolonien der J. K. A. befinden sich, dank ihrer Arbeit, in einem sehr guten Zustand. Dr. Calfan sagte auch, daß die argentinische Regierung und der argentinische Präsident bereit sind, die jüdische Einwanderung nach Argentinien zu unterstützen. England Eine Ehrung Einsteins. London, 7. Mai. „Times“ melden, Professor Einstein sei zum auswärtigen Mitglied der Royal Society ernannt worden. literarisches Echo Gustav Landauers Shakespearebuch. Am 3. literarischen Abend der „Ewer“-Buchhandlumg sprach Arnold Zweig vor einem zahlreich erschienenen Publikum über Gustav Landauers Shakespearebuch. Landauer besitzt für uns eine doppelte Bedeutung als unser „heimlicher Führer“, wie ihn Buber genannt hat, und als einer der bedeutendsten Literaturkritiker der Gegenwart. Niemals tritt Landauer eitel wie ein Literat vor sein Werk, sondern hält sich bescheiden hinter seinen Analysen zurück, die auf diese Weise selbst wieder zu einem Kunstwerk werden. Zweig, der in einer gewissen Verwandtschaft mit dem Landauerschen Geiist die starke Verbundenheit mit jeder einzelnen Geste, jedem einzelnen Geschehen des Lebens hat, knüpfte eine große Fülle kluger Bemerkungen, die unsere Zeit angehen, an die Besprechung des Shakespearebuches. Er vermittelte dem Publikum selbst die Bekanntschaft mit der Charakteristik des Brutus aus dem Aufsatz „Julius Cäsar“, von dem wir nachstehend einen kurzen Abschnitt zum Abdruck bringen, um so auch unserem Leserkreis einen wenn auch nur schwachen Begriff der ungewöhnlichen Bedeutung dieses Buches zu geben. .... Daß Brutus aus seiner unterirdischen Besinnung mit dem Beschluß erwacht: Cäsar muß fallen, steht mit seiner ungemeinen Achtung vor Cäsar in genauer Verbindung. In Cäsar, in ihm allein, ist ihm der ganze Geist, den wir heute CäsarL'smus nennen, verkörpert. Ein Opfer muß fallen, damit Roms Freiheit wiederersteht; Cäsar muß dieses Opfer sein, weil in ihm, dem überlegenen Staatsmann, der Geist der Gewaltherrschaft konzentriert und nur mit seinem Leben auszurotten ist; damit aber soll es genug sein. Ein einziger Mensch soll getötet werden, damit die Freiheit wieder lebe; gerade das, diese Umkehrung des monarchischen Gedankens, ist es, was Brutus fasziniert. Darin sind Cäsar und Brutus einig: Cäsar ist für sie der König des Reiches; wozu ich berufen bin, muß ich in Wirklichkeit werden, sagt sich Cäsar und strebt nach der Krone; du also, du allein mußt fallen, erwidert Brutus. Wäre es nicht so, wären noch andere gefährlich, könnte man von dem Römern erwarten, daß sie nicht sofort zur Freiheit zurückkehrten, wenn ihnen der Untergang Cäsars verkündigt wird, wie wäre dann ihre Tat gerechtfertigt? Wäre dann nicht die Zeit der Republik vorbei? Alle anderen, auch Antonius, dürfen am Leben bleiben; sie sind nichts, wenn ihnen das Haupt genommen ist, in dem allein der Königsgedanke lebendige Kraft hatte. Das ist sein ungeheurer Irrtum. Für Shakespeares Kunst aber, uns mit bis ins Feinste lebendigen Menschen umgehen zu lassen, weiß ich kein leuchtenderes Zeichen als dieses: daß man den Drang verspürt, aus innerster Teilnahme mit seinen Menschen zu rechten. In diesem Moment der Entscheidung wollte ich zu Brutus zu reden versuchen, wollte ihm Dinge sagen, wie ich sie dem großen Tolstoi, wie ich sie manchen russischen Revolutionären gegenüber auf der Zunge hätte: daß man das Absolute denken, aber nicht tun kann. L. Kielleuthner kgl. bayer. Hoflieferant 43 Maximilianstrasse 43 Bekanntes Haus für erstklassige Herrenbekleidung nach Mass