Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- 19 (13.5.1921)
- Date
- 1921-05-13
- Page
- Seite 239 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 19 Das Jüdische Echo 239 in der Bereitstellung genügender Mittel für die mächtig angewachsene Einwanderung und für Vorbeugungsmaßnahmen gegen Ruhestörungen bestehen. Ergebenheilt an die zionistische Sache wird so und kann nur so bewiesen werden. Jede Verzögerung heißt Verrat an unseren Brüdern, dile für unser Ideal in Palästina kämpfen. Die Verantwortung für die unmittelbare Zukunft liegt jetzt bei den Landesorganisationen. Die Exekutive erläßt diesen ernsten Warnungsruf an alle Verbände und fordert Vertrauen in die zionistische Sache, absolute Ruhe und unverzügliche energische Arbeit Die englische Orientpolitik. Der „Daily Telegraph“ erfährt, daß das Ergebnis der Churchillsehen Reise nach dem mittleren Osten der Beginn einer entschiedenen und klar umrissenen Politik in den betreffenden Ländern durch England sein werde und daß im Zusammenhang damit zwei) große Grundsätze aufgestellt wurden: l.Die Errichtung eines großen Landweges von Europa über Indien nach Australien, 2. die Organisierung des mittleren Ostens in eine Reihe autonomer Nationalstaaten im feudalen Verhältnis zu England. Betreffs Mesopotamiens soll ein unabhängiger arabischer Staat unter einem heimischen Prinzen geschaffen werden, wofür bereits die Kandidatur Emir Faisuls wohlwollend in Erwägung gezogen werde. In Bezug auf Palästina werde folgende Politik verfolgt werden: Die Organisierung Palästinas soll nach den gegenwärtigen Grundzügen fortgesetzt werden. Die heiligen Stätten sollen unter Aufsicht einer unter dem Vorsitz eines prominenten Engländers stehenden Kommission gestellt werden, der unter anderem außer zwei mohammedanischen Vertretern auch Vertreter der jüdischen Bevölkerung angehören sollen. Palästina soll eine eigene, in gleicher Weise aus den arabischen und jüdischen Bevölkerungsteilen rekrutierte Wehrmacht haben. Haifa soll im Hinblick darauf, daß es zum Ausgangspunkt der transkontinentalen Straße und später der Eisenbahn vom Mittelmeer nach Mesopotamien werden soll, zu einem großangelegten Hafen ausgebaut werden. Auch die Röhrenleitung für mesopotamisches Erdöl soll hier enden. Die Errichtung eines regulären Kraftwagenverkehrs von Haifa via Ammon und Rhamadi soll sofort in Erwägung gezogen werden. Es wird empfohlen, die Hedschas- Bahn einer unter englischem Vorsitz stehenden Kommission zu unterstellen. Jüdische Arbeit im fernen Osten. „Haarez“ veröffentlicht ein Gespräch mit Herrn Jsrael Cohen, der im Auftrag der Zionistischen Organisation zum ersten Male dein fernen Osten bereist hat. Die Reise umfaßte Australien, Neuseeland, China, Indien, Japan- und die Mandschurei. Die Zahl der Juden dort ist gering; in Australien sind es 1800, in Neuseeland 2000, Schanghai 1500, Yokohama 500, in Charbin leben zirka 10 000 meist russische Juden. Ihre materielle Lage ist im allgemeinen sehr günstig, obwohl natürlich auch siie unter der allgemeinen Weltkrise zu leiden haben. Die Lebensweise ist englisch-jüdisch, das Interesse für die Arbeit der Juden in der Welt ist sehr rege und dile Propaganda für den Keren Hajessod wurde dort mit großem Eifer aufgenommen. Der Präsident des Parlaments im Staate Neu-Süd-Wales ist Jude. Einmal mußte sogar die Sitzung am Jom-Kipur ausfallen, weil sowohl der Präsident als auch der Vizepräsident in der Synagoge waren. Das kulturelle Leben leidet sehr unter dem Mangel an modernen, gebildeten Rabbinern. Hebräisch wird in fast allen Städten gelernt. Unweit Melbourne gibt es auch eine jüdische Ackerbaukolonie. In zahlreichen Versammlungen, denen auch viele Christen beiwohnten, sprach Herr Cohen über den Keren Hajessod. In Wellington führte der christliche Bürgermeister den Vorsitz. Unter den Rednern befanden sich auch der Ministerpräsident und der Oberrichter. Außer den 700 in der Stadt wohnenden Juden haben sich an den Beiträgen für den Keren Hajessod 1800 Christen beteiligt. Auch in anderen Städten beteiligten sich Christen am Keren Hajessod. Im ganzen wurden durch Herrn Cohen 114 000 Pfund aufgebracht. Aus der Jüdischen Welt Palästina Die Einwanderung nach Palästina im März. Im März 1921 kamen 950 neue Einwanderer nach Palästina, darunter 300 aus Anatolien und Persien. Von diesen neuen Ankömmlingen haben sich 60 Familien zu gemeinsamer Ansiedlung auf dem Lande zusammengetan. Das Einwanderungs-Departement der Zionistischen Kommission ist bemüht, die Einwanderer verschiedene Handwerke lernen zu lassen, wie Bauen, Weben usw. Es bemüht sich ferner, die Eiinwanderer in Gegenden unterzubringen, wo die jüdische Bevölkerung noch gering ist, so z. B. in Berseba, Gaza, Akka, Hamallah, Ludd usw. Viele Einwanderer werden jetzt bei den Eisenbahnen beschäftigt. Einwanderung jüdischer Arbeiter aus Saloniki nach Palästina. Der Oberrabbiner von Saloniki, Benziion Usiel, teilte dem Waad Hazirim mit, daß in Saloniki eine große Bewegung unter den jüdischen Arbeitern für dile Auswanderung nach Palästina bestehe, und bat den Waad Hazirim, diese Bewegung zu fördern. Das palästinensische Wappen. Die palästinensische Regierung hat die Bevölkerung des Landes offiziell auf gef ordert, Vorschläge für die palästinensische Fahne und für das palästinensische Wappen zu machen, das auf den Münzen, den Postwertzeichen und! sonstigen offiziellen Zeichen angebracht werden soll. Das Wappen soll möglichst einfach sein und allen Teilen der Bevölkerung gerecht werden. Deutsche Maschinen für die Bauindustrie in Palästina. Ende März brachte die „Kairo“ die für die Baumaterialienfabrik „Silikat“ in Tel Awtw bei Jaffa bestimmten Maschinen nach Palästina. Die Löschung konnte in Jaffa, wo keine Kräne vorhanden sind, nicht vor genommen werden, weshalb die Ladung in Haifa vorgenommen wurde, von wo die Maschinen mit der Bahn nach Jaffa befördert wurden. Die Maschinen stammen aus Elbing und sind die größten, bisher nach Palästina eingeführten maschinellen Einrichtungen. (Ziko.) Ukraine Neuerliche Massakers in der Ukraine. In London sind Nachrichten eingetroffen, daß neue Massakers in der Ukraine stattgefunden haben. 76 Männer, Frauen und Kinder wurden in schrecklichster Weise durch bewaffnete Banden niedergemacht. Diejenigen, welchen es gelungen ist, in die Wälder zu flüchten, sind erfroren aufgefunden worden. Von der kleinen Stadt Repoka nahmen die Mörder ihren Weg nach Dobrianko-Podabinsko,