Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- 19 (13.5.1921)
- Date
- 1921-05-13
- Page
- Seite 238 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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238 Das Jüdische Echo Nr. 19 Offenkundige Beweise liegen vor für die Teilnahme der arabischen Polizei an den Unruhen. Die arabische Menge wurde von den Parteiführern aufgereizt, die gegen das britische Mandat und die iüdisch-nationale Heimstätte hetzten. 27 Juden wurden ermordet, ungefähr 150 verwundet. Die Stadt ist jetzt vollkommen vom Militär besetzt. Das jüdische Stadtviertel Tel-Awiw ist unter den Schutz demobilisierter jüdischer Soldaten unter Führung jüdischer Offiziere gestellt. — Nach einem Telegramm des Oberkommissars von Palästina, Sir Herbert Samuel, entstanden infolge falscher Gerüchte am 2. Mai neue Unruhen, die aber sofort beigelegt wurden und keinerlei ernste Zwischenfälle hervorriefen. In Jaffa ist die Ruhe wiederhergestellt, nirgendswo sonst im Lande waren Zwischenfälle zu verzeichnen. Die Schuldigen werden in beschleunigtem Verfahren abgeurteilt werden. — Die Beerdigung der Opfer fand am 3. Mai unter großer Teilnahme der Bevölkerung statt. (Ziko.) Jerusalem, 4. Mai (Tel. der „Wr. Morgenzeitung“). Im Zusammenhang mit den Ereignissen in Jaffa hat die Regierung strenge Zensur über die Presse und über alle Telegramme, welche außer Land gehen, verhängt. London, 6. Mai. Da aus verschiedenen Anzeichen die Möglichkeit neuer Unruhen in Jaffa hervorgeht, ist der Belagerungszustand proklamiert worden. Die Lage wird immer noch als sehr ernst bezeichnet. P a r i s. 7. Mai. (Tel. der „Wr. Morgenzeitung.“) In der antisemitischen Presse Frankreichs werden die Ausschreitungen in Jaffa zum Zwecke der Agitation gegen den Zionismus ausgebeutet. Es wird gefordert, daß Frankreich die Araber beschütze und daß Palästina mit Syrien vereinigt werde. Jaffa, 8. Mai. Ein englischer Kreuzer ist in den Hafen von Jaffa eingelaufen und stezte Matrosen ans Land. Die aus den kontinentalen Häfen einlangenden Immigranten werden vorläufig auf den Schiffen zurückgehalten, bis die Ordnung wiederhergestellt ist. Die arabische Polizei ist noch immer nicht entwaffnet. London, 8. Mai. Einem Telegramm Sir Herbert Samuels an das Kolonialministerium zufolge werden die des Verbrechens der Gewalttat angeklagten Personen in Jaffa unverzüglich vom Ausnahmegericht abgeurteilt werden. Mit der Durchführung der Untersuchung wurde der Justizsekretär Bentwich betraut. Am 5. Mai bemächtigte sich der Bevölkerung eine neue Aufregung, die leicht beigelegt werden konnte. Die Ruhe ist wieder hergestellt. — Die zionistische Kommission telegraphiert an die zionistische Exekutive, daß die arabischen Überfälle in Jaffa keinen unmittelbaren Zusammenhang mit der friedlichen jüdischen Arbeiterdemonstration hatten. Der arabische Pöbel wurde von Elementen aufgefF. Herrenschneiderei Reiche Stoff-Auswahl Ermäßigte Preise Hode Sport W. Braun 4 Cie,, München Neuhauserstr. 154, gegenüber der alten Akademie hetzt, die sich offen gegen das englische Mandat und die Schaffung einer jüdischen Heimstätte in Palästina auflehnten. Jerusalem, 8. Mai. Anläßlich der arabischen Feiertage fanden in Ramleh, Nablus und Talkerem arabische Demonstrationen statt. Gleichzeitig haben arabische Trupps die jüdischen Kolonien Chedera, Rechoboth und Petach-Tikwah angegriffen. Es entspann sich ein Kampf, in dessen Verlauf die Araber teils von der jüdischen Selbstwehr und teils von den eingetroffenen Regierungstruppen zurückgeworfen wurden. Mehrere Araber sind getötet worden. Jerusalem, 8. Mai. Die jüdische Presse in Palästina sieht den Ursprung der Ausschreitungen in Jaffa in der Verzögerung der Mandatsbestätigung durch den Völkerbund, ein Umstand, der durch die arabischen Agitatoren der antizionistischen Gruppen ausgenützt wird. Kundgebung der Exekutive der Zionistischen Organisation. Die Exekutive der Zionistischen Organisation in London veröffentlicht unter dem 4. Mai folgende Kundgebung: Dfe letzten Berichte über die antijüdiischen Ausschreitungen in Jaffa besagen, daß keine Erneuerung der Exzesse seit Montag, den 2. Mai vorgekommen sind. Der übrige Teil des Landes ist ruhig. Die Regierung von Palästina ergreift alle Maßnahmen, um die Ordnung aufrecht zu erhalten und Leben und Eigentum zu schützen. Kein Bericht, weder die offiziellen noch die inoffiziellen, berechtigt zu der Annahme irgend eines Zusammenhanges zwischen den Ereignissen und der Aktion der Kommunisten, auf die in dem offiziellen Bericht bezuggenommen wird. Die Kommunisten sind ganz unbedeutend an Zahl und da sie eine Politik der Verbrüderung mit den Arabern verfolgen, ist es klar, daß sie die Araber nicht angegriffen haben können. Offensichtlich wurde die Gelegenheit von antijüdischen Agitatoren ausgenutzt, um die Juden anzugreifen. Hierfür spricht die aktive antijüdische Propaganda, die seit Monaten vor sich geht. Die Exekutive der Zionistischen Organisation ruft jeden Zionisten auf, ruhig zu bleiben. Die britische Regierung und die öffentliche Meinung werden sich von Gewalttat und Unordnung nicht beeinflussen lassen. Der Oberkommilssar besitzt das unerschütterliche Vertrauen des ganzen jüdischen Volkes und aller friedliebenden Elemente in Palästina. Dile zionistische Sache steht fest. Der Verlust kostbarer jüdischer Leben wird eine Welle der Sympatie in der ganzen Judenbeit hervorrufen. Unsere Herzen sind erfüllt mit Schmerz um die Opfer der Ausschreitungen, aber dieses Verbrechen wird nur den Entschluß des jüdischen Volkes verstärken, Palästina als seine nationale Heimstätte wieder aufzubauen. Jeder Zionist und jeder Jude muß ein sehen, daß diese Ereignisse nicht vorgekommen wären, wenn es möglich gewesen wäre, die Zehntausende in das Land hineinzubringen, die vor seinen Toren warten. Das einzige Hindernis, das bewirkt hat, daß sie nicht nach Palästina kommen konnten, ist die Unzulänglichkeit der materiellen Mittel, die der Zionistischen Organisation vom jüdischen Volk zur Verfügung gestellt wurden. Die Antwort des jüdischen Volkes auf die Ereignisse von Jaffa muß