Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- 19 (13.5.1921)
- Date
- 1921-05-13
- Page
- Seite 237 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Jüdische Echo Nummer 19 13. Mai 1921 8. Jahrgang Jaffa. In unserer letzten Nr. brachten wir eine mit allem Vorbehalt versehene Havasmeldung über die Ereignisse in Jaffa. Nunmehr liegt uns eine Anzahl weiterer Meldungen vor, die wir in der Reihenfolge, in der sie uns zukamen, zur Kenntnis unserer Leser bringen. Man kann nicht sagen, daß die Meldungen übermäßig klar seien oder ein Bild der Unruhen oder ihrer Ursachen gäben. Sicher ist für jeden Kenner der Verhältnisse, daß Kommunisten, von denen in der tendenziösen Havasmeldung die Rede war, als Ursache des Überfalls auf die jüdische Bevölkerung gar nicht in Frage kommen. Ebenso sicher ist, daß es sich um eine leider sehr erfolgreiche Anstrengung antisemitischer und antizioni^- stischer, in Wirklichkeit vielleicht antienglischer Agitationen handelt. Solche Vorfälle werden solange möglich sein, als die Gegner jüdischen Aufbaues in Palästina hoffen dürfen, die jüdische Siedelung mit leichter Gewalt zu erdrücken. Das traurige Ereignis von Jaffa zeigt uns, daß wir uns allerdings im Irrtum befunden haben, als wir glaubten, die Zionistengegner, deren Werkzeug die aufgehetzten Araber ja nur sind, würden sich mit der politischen Tatsache abfinden, diie in San Remo geschaffen wurde, nachdem gerade die Wochen vor San Remo in Palästina außerordentlich kritisch waren. Es ist sicherlich mit unsere Schuld, wenn die Feinde des jüdischen Heims in Palästina es wagen, mit Mitteln der Gewalt vorzugehen. Zweifellos haben sie durch den Umstand, daß in dem ganzen Jahr, das seit San Remo verflossen ist, nichts von Bedeutung geschaffen, daß in dem ganzen Jahr kein entscheidender Fortschritt der Aufbautätigkeit zu verzeichnen ist, ihren Mut zu weiteren Störungsversuchen gestärkt. Die Opfer von Jaffa sind eine überdeutliche Warnung dafür, das Palästinawerk nicht weiter saumselig und planlos zu betreiben, wie bisher. Die Opfer von Jaffa sind aber vor allem auch eine erschütternde Warnung an die Zionisten aller Richtungen von dem zerstörenden Streit abzulassen, der zurzeit das zionistische Lager spaltet. Es'muß endlich einmal aufgehört werden, güte und schlechte Zionisten nach Gesinnung oder Programmen zu unterscheiden, statt ausschließlich nach der Leistung. Kein Zionist hat das Recht, Gesinnungsgenossen zu verdächtigen und in so unangemessener Weise verächtlich zu behandeln, wie es gegenwärtig geschieht, weil sie andere Mittel und Wege für den Aufbau Palästinas wählen zu müssen glauben, als er selbst. Der bevorstehende Delegiertentag der deutschen Zioni- ,sten hat vielleicht wirklich eine historische Aufgabe darin, die möglichst ruhige und wirksame Neben ein an de rar beit der verschiedenen Richtungen innerhalb der zionistischen Organisation zu ermöglichen. Es darf auf diesem Delegiertentag keine Sieger und Besiegte geben, denn die Sieger wären in diesem Falle ausschließlich unsere Feinde. Es kann auch nicht in den Redekämpfen des Delegiertentages entschieden werden, welcher Weg zum Erfolg in Palästina der richtige ist. Dies wird überhaupt nicht zu entscheiden sein und wir glauben nicht, daß es richtig ist, einen allein seligmachenden Weg zu proklamieren. Jeder, der guten Willens ist, wird zum gemeinsamen Werk beitragen, an ihm mitschaffen können. Es darf kein anderes Kriterium geben, als die Leistung. Allergrößte Einigkeit, unermüdliches, rastloses Schaffen aller am gemeinsamen Werk ohne gegenseitige Verärgerung, dies ist die Lehre, die wir aus den traurigen Ereignissen von Jaffa zu ziehen haben. Telegramm des Oberkommissars Herbert Samuel vom 2. Mai. Am 1. Mai fand in der jüdischen Vorstadt Jaffas eine Maifeier statt, die von jüdischen Kommunisten gestört wurde. Die letzteren wurden in das mohammedanisch-jüdische Viertel, woher sie gekommen waren, zurückgedrängt. Es ist noch nicht aufgeklärt, wodurch es hierbei zu einem ernsten Zusammenstoß zwischen Arabern und Juden kam, wobei mehrere Juden und Araber getötet wurden. Es wurden sofort Regierungstruppen aus Ludd, sowie einige Panzerautomobile aus Jerusalem herbeigerufen, die die Ruhe ohne weiteres Blutvergießen wiederherstellten. Die Nacht verlief ruhig. Am folgenden Morgen begannen die Unruhen von neuem, und einige weitere Juden und Araber wurden getötet. Es mußten weitere Truppen, Panzerautomobile und Polizei herbeigeholt werden. Bei dem ersten Gerücht über die Unruhen begab sich General Deeds nach Jaffa. Einige höhere Beamte, sowie angesehene Führer der Araber und der Juden gingen durch die Straßen, und es gelang ihnen, das Volk zu beruhigen. Der Belagerungszustand brauchte nicht verhängt zu werden. Im ganzen wurden über 30 Juden und 10 Araber getötet und 140 Juden und 37 Araber verwundet. Mehrere Läden wurden geplündert und über 60 Personen verhaftet. Im übrigen ist das Land vollständig ruhig. Am 2. Mai erneuerten sich die Unruhen, wurden aber schnell wieder beigelegt, ohne daß es zu Zwischenfällen kam. Am 3. Mai morgens kamen neuerlich vereinzelte Überfälle vor. Daraufhin wurde das Standrecht proklamiert. Seitdem ist die Stadt ruhig.— Jerusalem, 2. Mai. Nach einer Meldung der Zionistischen Kommission haben sich die Herren Sokolow und Eder nach Jaffa begeben.— Der bekannte hebräische Schriftsteller J. Ch. Brenner wurde ermordet aufgefunden. Jaffa, 3. M a i. Am 1. Mai kam es in der Altstadt von Jaffa zu Unruhen, die zu schweren Ausschreitungen führten. Ein von den Behörden ausdrücklich zugelassener Umzug der jüdischen Arbeiter verlief vollkommen friedlich, ungeachtet des Versuchs einer Handvoll Kommunisten. Zwischenfälle hervorzurufen. Araber benutzten die Gelegenheit zu Angriffen gegen Juden und zur Plünderung jüdischer Läden. Ein heftiger Angriff richtete sich gegen die jüdische Herberge, wobei Männer, Frauen und Kinder mißhandelt wurden.