Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- 18 (6.5.1921)
- Date
- 1921-05-06
- Page
- Seite 229 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 18 Das Jüdische Echo 229 zu finden, in denen sich das Rabbinat in würdiger Weise in den gemeindlichen Organismus eingliedert, und ich habe das innige Vertrauen, daß die geistliche und weltliche Führung unserer Gemeinde in steter Harmonie sich vollziehen wird. Ich begrüße unseren ehrwürdigen Herrn Rabbiner Dr. Ehrentreu, dessen Persönlichkeit die größte Wertschätzung in der gesamten Gemeinde genießt und uns eine Gewähr für eine friedliche Entwicklung der Gemeinde gibt. Ich begrüße unsere bewährten Lehrer und Kantoren, die in treuester Pflichterfüllung in unserer Gemeinde wirken, und denen wir unser kostbarstes Gut, unsere Jugend, anvertraut haben. Ich komme zu dem Vergleich in der physischen Welt zurück. Wie der natürliche Organismus nur gedeihen kann, wenn alle Glieder gesund sind, wenn alle ihre Funktionen erfüllen, da doch jedes zum Bestand des Ganzen unentbehrlich i'st, so kann der gesellschaftliche Organismus nur gedeihen, wenn alle Glieder, jedes nach seiner Aufgabe und Bestimmung, Zusammenwirken zum Wohle und zur Erhaltung des Ganzen. Und in diesem Sinne bitte ich, daß wir alle Zusammenwirken, jeder nach der ihm gestellten Aufgabe, zum Wohle und Heile unserer lieben Gemeinde München. Judenpogrome in Jaffa. Die Tagespresse bringt folgende Notiz: „Nach einer Havasmeldung aus Kaira kam es in Jaffa anläßlich einer bolschewistischen Demonstration, an der russische Zionisten teilnahmen, zu einem Kampfe zwischen Christen und Mohammedanern einerseits und Israeliten andererseits. Es soll etwa 50 Tote und mehrere hundert Verwundete, hauptsächlich Israeliten, gegeben haben. Die jüdischen Geschäfte wurden beinahe alle geplündert.“ Wir geben diese Nachricht, deren Quelle und Abfassung Tendenz verrät, mit allem Vorbehalt wieder. Allerdings scheint nach ihr festzustehen,, daß es in Jaffa zu tief traurigen Vorfällen gekommen ist. Wir werden leider bei den an verschiedenen Stellen vorhandenen Bestrebungen, das Palästina-Aufbauwerk zu verhindern, damit zu rechnen haben, daß Umtriebe dieser Art angesetzt werden und wir noch mancherlei Bitteres erdulden müssen. Je .rascher wir durch Aufwendung aller Kräfte für dieren Stärkung unserer Stellung in Palästina sorgen, je mehr Kräfte wir auf das Palästina-Aufbauwerk verwenden, umso eher werden unsere Feinde in Frankreich und anderswo, die die Araber ja nur benützen, zur Einsicht kommen, daß ihre Umtriebe uns nicht hindern können, das, was unser Volk zum Leben braucht, die Heimat in Palästina, zu errichten. Aus der jüdischen Welt Deutschland. Minister Severing gegen die Ostjudenhetze. In der Debatte über die Kommunistenputsche in der preußischen Landesversammlung führte der Minister des Innern Severing gegenüber deutschnationalen Angriffen aus: „Wenn die Landwirtschaft dringend Arbeitskräfte braucht und auf andere Weise keine bekommen kann, werden auch mit meiner Zustimmung ausländische genommen; wenn darunter einige Dutzend Schnorrer und Verschwörer sind, dann' werfen Sie derselben Regierung, die Ihre Wünsche erfüllt, sofort vor, daß sie die Grenze gegen fremdländische Elemente nicht genügend sperre. Ich kann mich aber der Judenhetze nicht anschließen. Diese erschwert energische Maßnahmen gegen die Zuwanderer, denn jeder Schritt gegen sie gewinnt jetzt den Anschein, als richte er sich gegen die Juden. Andere Leute haben auch ein Existenzrecht.“ (Ruf rechts: Erst die Deutschen!) Palästina Berufliche Aussichten. Der Waad Hazirim zählt in seinen „Mitteilungen“ vom 12. April eine Reihe * von Berufen auf, in denen neue Zuwanderer nach Palästina Beschäftigung finden könnten. Zunächst kommen diejenigen Einwanderer in Betracht, welche sich mit eigenem Kapital als Ackerbautreibende niederlassen wollen. Solche können in unbeschränkter Zahl ins Land kommen, da sie im ganzen Lande siedlungsfähigen Boden erwerben können. Ein Dunam solchen Bodens kostet gegenwärtig drei bis sechs englische Pfund, je nach der Qualität des Bodens und nach seiner Nähe zu bereits besiedelten Zentren. Eine glänzende Zukunft winkt der Fischerei, wenn sie von Fachleuten betrieben wird. Diese werden allerdings die erforderlichen Geräte sowie die fachlich geschulten Hilfskräfte aus dem Ausland einführen müssen. Die besten Aussichten haben diejenigen Einwanderer, welche mit Kapital und fachmännischer Erfahrung die Nägelindustrie und diie Faßbinderei in Palästina errichten. Dasselbe gilt von der Frucht- und Gemüsekonservenindustrie, die bisher in sehr primitiver Weise betrieben wird. Da ein großer Teil der für diese Industrie notwendigen Instrumente im Lande nicht vorhanden ist, wird man sie entweder aus dem Ausland einführen oder eine besondere Fabrik für deren Erzeugung in Palästina errichten müssen. Hingegen ist für die Essig- und Gärungsindustrie kein Raum, ebensowenig für Gold- und Silberschmiede, für Apotheken und Drogerien sowie für Stellenbewerber als Beamte. Amerika. Die jüdischen Farmer in Amerika. Nach dem soeben veröffentlichten Jahresbericht der jüdischen agrikultureilen Gesellschaft in den Vereinigten Staaten befinden sich gegenwärtig in U. S. A. 50 000 jüdische Farmer und Ackerbautreibende, die über eine Million Acres amerikanischen Bodens selbst bestellen. „Die Geheimnisse der Weisen von Zion.“ Vor kurzem ist der Jahresbericht des American Jewish Committee für das Jahr 1920 erschienen, der die überaus wertvolle Feststellung enthält, daß die Direktion des American Jewish Committee von den „Geheimnissen der Weisen von Zion“, der viel besprochenen antisemitischen Fälschung, Kenntnis erhalten hat, noch ehe sie in Europa veröffentlicht worden waren. Die russischen Antisemiten, welche die falschen Protokolle zu dem Zwecke verfaßt und hergestellt hatten, um durch sie den Judenhaß in Rußland wachzuhalten und reaktionäre Propaganda zu treiben, wandten sich an das jüdische Komitee mit dem Vorschlag, gegen eine große Ablösungssumme die angeblichen Originalprotokolle zu vernichten. Das Komitee lehnte selbstverständlich ein solches Ansinnen ab und wies den Erpressungsversuch entschieden zurück. Daraufhin wurden dann die „Geheimnisse“ unter den verschiedensten Titeln in England und später auch in anderen Ländern, vornehmlich in Deutschland, veröffentlicht. Inter-