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Das jüdische Echo · 1921-05-06 · 18 (6.5.1921) · p. Seite 230

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
8 (1921)
Issue
18 (6.5.1921)
Date
1921-05-06
Page
Seite 230 (sequence 8)
Language
German
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230 Das Jüdische Echo Nr. 18 essant ist auch die Feststellung des Berichtes, daß General Denikin sich der „Geheimnisse“ bei seiner gegenrevolutionären Kampagne bediente, indem er den Haß gegen den Bolschewismus dadurch zu erwecken suchte, daß er ihn als eine „jüdische Bewegung“ hinstellte. Polen. Lemberg. Frau Anita Müller aus Wien, die hervorragende Arbeiterin auf dem Gebiete der sozialen Fürsorge, ist hier in Angelegenheiten der ukrainischen Kriegs- und Pogromwaisen im Aufträge der Exekutive der jüdischen Welthilfskonferenz eingetroffen. Ihr Besuch gilt u. a. dem Abtransporte der in polnischen Randgebieten weilenden Waisenkinder nach dem Westen. In Lemberg wurde ein zwischenparteiliches, jüdisches Komitee zu ihrem Empfange eingesetzt. Literarisches Echo Otto Hauser, Geschichte des Judentums, Weimar 1921. Mk. 55.—. Von diesem Buch kann man sich einen Begriff machen, wenn man einiges vom Verfasser weiß. Dieser ist 1870 in Kroatien geboren und hatte bis 1913 32 Bücher geschrieben bezw. herausgegeben. Das ist nicht zu viel, wenn er als ABC-Schütze angetan gen hat, kommt nur ein Buch auf jedes Jahr. Er hat Werke veröffentlicht über Verlaine und über Hiob, über Moliere und über Japan, über Spinoza und über die Runen, über Alt-Wien und über Homer. Es ist daher stark zu vermuten, daß er seitdem über den Krieg geschrieben hat, und es liegt ganz innerhalb der Entwicklung „EWER“ - BUCHHANDLUNG WAGMÜLLERSTRASSE 19 IV. LITERARISCHER ABEND Mittwoch, den 11. Mai 1921 abends il28 Uhr im Konzertsaal des „Bayerischen Hofes“ JAAKOBS TRAUM Ein Vorspiel von Richard Beer-Hofmann Gelesen von LILLY FREUD-MARLE und _ ARNOLD MARLE Eintrittskarten zu 15, 12, 9 und 6 Mk., Stehplatz 4 Mk., Kategoriekarten 3 Mk. in der EWER-Buchhandlung, Wagmüllerstr. 19, Ecke Galeriestr., Tel. 22045 u. an der Abendkasse dieses Autors, daß er 1921 ein Buch über die Geschichte des Judentums veröffentlicht. Denn warum nicht? „Chuzpe“ pflegt sonst zwar ein Kennzeichen der „semitischen Rasse“, und nicht der germanischen Edelinge zu sein. Aber was bei einem jüdischen Journalisten Chuzpe wäre, ist bei einem Blondling aus Dianesch in Kroatien eine Äußerung echt germanischen Großsinns und Hauser ist wahrlich nicht kleinlich; denn er erklärt ausdrücklich (Seite 4), daß gerade er als Laie berufen ist, über jüdische Geschichte zu schreiben. Er bekennt dabei! zwar bescheiden, daß er die Bibel im hebräischen Urtext zu lesen versteht. Dagegen behauptet er das nicht von der ganzen riesilgen Talmudischen Literatur, die doch allein über das Judentum der letzten zweitausend Jahre Aufschlüsse gibt. Diese Literatur kennt er nur aus Eisenmengers verlogenen Hetzschrift, die er eitrigst zitiert, da er als Laie für die Fortschritte der wissenschaftlichen Forschung in den letzten paar Jahrhunderten kein Interesse zu haben braucht. Es genügt daher auch für ihn, den Talmud samt Kabbala und allem anderen in zwölf von den 526 Seiten des Buches abzutun. Als „Laie“ vertritt er — ebenso wie Chamberlain, der sich auch als Dilletant bekannt — den Standpunkt der „Anthropologischen Geschichtsforschung“. Wer weiß nicht, was das heißt? Es heißt: Alle Blonden sind reinrassige Arier und Edelinge, alle anderen sind bestenfalls reinrassig, aber keine Edelinge; die Juden aber sind weder das eine noch das andere. An der Möglichkeit einer voraussetzungslosen Wissenschaft zweifeln viele Menschen; es ist aber nicht einzusehen, warum man gerade die Voraussetzung haben muß, daß die eigene Rasse die beste sei und alle übrigen Menschen sich als anständige Mitbürger erst legitimieren müssen. Wenn der gute Geschmack und die gute Sitte weiter verbreitet wären, würde man den alten Erfahrungssatz „Eigenlob stinkt“ nicht ganz so sehr außer Acht lassen, aber Herr Hauser merkt das als „Laie“ nicht. Es genügt ihm nicht, dem guten Geschmack nach berühmteren Mustern ins Gesicht zu schlagen, lediglich deshalb, weil er. — sichtlich unsystematisch — die falschen Bücher gelesen und die richtigen beiseite gelassen hat und sich mit großem Fleiß eine Überzeugung eingelesen hat. Leider scheinen in unserer Zeit — und seit dem verlorenen Krieg nicht am wenigsten — die sogenannten Gebildeten in Deutschland tüchtige nationale Gesinnung nur darin zu erblicken, daß man die eigene Art orgiastisch feiert und die anderen möglichst herabsetzt. Wie lange ist es her, daß man die blonden Edelinge Hunnen nannte? Aber wieviele Leute können nichts lernen und nichts vergessen, und dazu gehört offenbar Herr Hauser, dessen Theorie von Reinrassigkeit und Blondheit als unbeweisbare Behauptung eine vorgefaßte Meinung ist und unwahrhaftig durch ein wissenschaftliches Mäntelchen als Ergebnis wissenschaftlicher Forschung angepriesen wird. Es ist nicht so schlimm, daß Herr Hauser solchen Unsinn schreibt, sondern daß man solche Bücher liest und vielfach bejubelt. Das nennen die Leute nationale Gesinnung, und in den Schulen lernt man, daß Goethes und Schillers nationale Gesinnung nicht auf der Höhe gewesen sei. Dieser ernste allgemeine Hintergrund macht dieses dumme und zusammengelesene Buch zu einem kleinen Ereignis. Die Kultur vieler Edelinge spiegelt sich darin. Gott helfe ihnen weiter und wir Juden würden von reinster Freude erfüllt, wenn Autoren, die sich als Exporinenten ihrer (vermeint-

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