Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- 18 (6.5.1921)
- Date
- 1921-05-06
- Page
- Seite 227 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 18 Das Jüdische Echo 227 Aufforstung, kulturelle Einrichtungen und ähnliches mehr sind keinesfalls unrentabel, sondern werden überall aus Steuern und Umlagen derer gedeckt, die davon profitieren. Man darf nur nicht die Verkehrtheit begehen, einem Stadium der Einwanderung und Kolonisation ein solches separater, langwieriger Vorbereitungen vorangehen lassen zu wollen. Solche vorbereitende Arbeiten gehören eben schon selbst zu dem Komplex der Einwanderung und der Kolonisation. Sie sind schon mit Arbeit, Landerwerb und Häuserbau verbunden und daher von vornherein ebenfalls als rentabel zu betrachten. Sogar Sanierung von Ländereien, Entsumpfung usw. kann rentabel gestaltet werden, indem die Unternehmer sich die Verwertung der sanierten Flächen sichern. Wenn man sieht, wie es in Palästina dem Einzelnen noch heute kaum mögfich ist, seinen Landbedarf ohne wesentlichen Überpreis zu decken oder zu einem erträglichen Mietpreis eine Wohnung zu bekommen, so sollte es klar seih, daß Landerwerb und Häuserbau im großen nicht nur ein der Einwanderung und Kolonisation nützliches, sondern auch ein rentables und sicheres Geschäft bedeuten.“ Über die gegenwärtigen Preise äußert sich Trietsch: „In Tel-Awiw zahlt man für einen Bauplatz bis zu einem Pfund per Quadratstelle, d. h. 1600 Pfund per Dunam. (Das ägyptische Pfund ist um 21/2°/o höher als das englische; ein Dunam hat 920 qm oder 1600 „Ellen“. Ein Bauplatz ist meist ein halber Dunam, aber in Tel-Awiw sind die meisten Häuser für mehrere Familien gebaut. Die Bauordnung bestimmt, daß höchstens ein Drittel der Fläche bebaut werden darf.) Im europäischen Teil von Kairo kann man billiger kaufen. Dagegen bekommt man angrenzend an Tel-Awiiw einen Bauplatz schon für 200 bis 100 Pfund, und in einer Entfernung von etwa drei Kilometern von Jaffa oder von Tel-Awiw kann man den Dunam schon für 10 Pfund haben. In entlegeneren Gegenden, die aber in vielen Fällen einer Großsiedelung auf gartenstädtischer Grundlage ausgezeichnete Chancen bieten, ist der Dunam Boden bis herab zu etwa 2 Pfund (und im Pachtvertrag sogar bis herab zu 2 Piastern per Jahr) zu haben. Man muß sich aber vor Augen halten, daß mit dem Bodenerwerb allein noch nichts getan ist, und daß die Erschließung des Bodens gerade bei! billigem, Land ein Vielfaches des Kaufpreises ausmachen kann. Mietpreise in Jaffa variieren zwischen den folgenden Extremen: In Tel-Awiw kostet eine Wohnung per Zimmer bis 5 Pfund monatlich, in den entlegeneren Teilen Alt-Jaffas bis herab zu 1h Pfund. Kurz vor meiner Abreise sah ich eine Wohnung in Tel-Awiw, von kaum über 40 qm Fläche, die 14 Pfund per Monat kostete. Es waren drei ganz kleine Zimmer von zusammen etwa 34 qm bei gemeinsamer Küchenbenutzung mit noch zwei anderen Mietern. Dies entspricht einem Mietpreis von 4 Pfund per Quadratmeter. Gleichzeitig wurde in Tel-Awiw von einem neuen Bauunternehmen ein schönes Haus für 6 Pfund per Quadratmeter hergestellt. In Jerusalem und Haifa ist es nicht viel anders. In Tel-Awiw zahlen viele Leute ein Drittel bis zur Hälfte ihres Einkommens für Miete. Es ist klar, daß Hausbau-Unternehmungen, die sich mit einer Kapitalverzinsung von 10 Prozent netto begnügten, eine absolut sichere Anlage fänden. Auch Bau- und Hypothekenbanken böten sichere Kapitalsanlagen und würden in hohem Maße kolonisationsfördernd. In diesen Dingen finden ganz große Kapitalien geeignete Verwendung. Zur Verbilligung des Wohnens wären Lehmbauten zu verwenden, die neuerdings ja auch im städtischen Siedelungswesen Deutschlands viel in Aufnahme gekommen sind, und Holzhäuser, die man sogar fertig vom Auslande beziehen könnte. Außerdem kommen alle Arten von Behelfsbauten in Betracht.“ Wie steht es mit der Lebenshaltung, Arbeitsmöglichkeit und Lohnverhältnissen? „Der bürgerliche Haushalt wird meist auf 30 bis 50 Pfund per Monat veranschlagt. Sehr eingeschränkt lebende Handwerker kommen mit Löhnen von 2 Pfund aufwärts per Woche durch. Einwanderer bekommen als ungelernte Arbeiter bei öffentlichen Arbeiten und dergleichen 20 bis 30 Piaster per Tag, und die Arbeiterorganisationen sind bestrebt, niedrigere Löhne als 30 Piaster nicht zuzulassen. Tüchtigere Handwerker, nach deren Beruf Nachfrage besteht, verlangen und erhalten einen Tagessatz bis zu 70 Piastern. Es kommen aber auch Tagessätze von 1 Pfund und mehr vor. Arbeitslosigkeit besteht nicht und hat nie in nennenswertem Umfange bestanden. Die Einwanderung beträgt seit Beginn vorigen Jahres etwa Tausend per Monat. Dies ist lächerlich wenig. Es ist die Folge der offiziell-zionistischen Auffassung, die zu der Losung „stop Immigration“ führte, während gleichzeitig die im Lande befindliche Arbeiterschaft verstärkte Einwanderung forderte. Ich stimme mit Prof. Warburg überein, wenn er sagte: Jetzt haben wir es mit einer Regierung zu tun, die selbst auf schnelle Entwicklung drängt, und uns trifft die Schuld, wenn wir dazu nicht imstande sind.... Zwar sagte man mir, daß es neuerdings vom Minimalismus still geworden sei, aber daß diese Stimmung in der entscheidenden Zeit die maßgebliche sein dürfte — dies eben hat das langsame Tempo bestimmt, unter dem wir jetzt leiden und das uns auch jetzt noch um die politischen Erfolge bringen kann.“ Was läßt sich mit der schlechten Valuta der mitteleuropäischen Länder in Palästina anfangen? „Von deutschem oder österreichischem Gelde in Palästina zu leben, ist schwer. Sobald man aber in die dortige Produktion kommt, hat man den Vorteil von der hohen Valuta Palästinas, Doch fehlt es an nichts so sehr wie an Produktion. Die bisherige jüdische Tätigkeit im Lande beruhte viel zu sehr auf dem Geld der anderen und viel zu wenig auf der eigenen Arbeit. Die Gelder, die von der Auslandsjudenschaft zur Unterstützung des Palästinawerks einfloßen, fanden sehr schnell — durch die nur-konsumierende Judenschaft hindurch — den Weg in die Geldverstecke der produzierenden Araber, aus denen es keine Rückkehr gibt. Dabei herrscht im Wirtschaftsleben Palästinas in letzter Zeit eine Geldknappheit, die auch der schlechten Valuta ungewöhnlich hohe Chancen bietet. Auch mit Geldern schwacher Valuta läßt sich heute sehr viel erzielen, wenn mit ihnen gute Vorbereitungen, technisches Können oder kaufmännische Qualität verbunden sind. In dieser Hinsicht haben gewisse aus Deutschland kommende Elemente und Unternehmungen sehr gut gewirkt. Sie begegnen einem außerordentlichen Respekt im jüdischen Palästina. Auch die Engländer stellen sich ganz prinzipiell auf den Standpunkt, daß kein Unterschied bezüglich des