Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- 18 (6.5.1921)
- Date
- 1921-05-06
- Page
- Seite 226 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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226 Das Jüdische Echo Nr. 18 Darum, weil an Stelle der Türkei englische und andere Imperialisten dem arabischen Bauern auf dem Nacken sitzen werden, der die Majorität in Palästina dar stellt, und als Helfershelfer werden sie sich der jüdischen Kapitalisten bedienen, welche tatsächlich an der Spitze der zionistischen Bewegung stehen. Der proletarischen Sowjetrepublik ist daran gelegen, daß der gerechte Zorn der unterdrückten Orientvölker nicht zersplittert und geschwächt werde, sondern daß sich dieser Zorn unmittelbar gegen die Unterdrücker, Engländer und Franzosen, nicht aber gegen ihre Helfershelfer (die Zionisten) wendet Außerdem ist der Zionismus, der fast die ganze jüdische Intelligenz umfaßt, im Falle seiner augenblicklichen Verwirklichung geeignet, uns unseres ganzen Kaders der zum Aufbau unserer Volkswirtschaft notwendigen Arbeiter zu berauben: der Ingenieure, Ärzte, Apotheker, Architekten und anderer Spezialisten, die uns bei unserer Armut für etliche Zeit noch unschätzbar sind. Dieser Beweggrund ist nicht prinzipiell, aber wenn wir unsere kommunistischen Prinzipien erreichen wollen, dürfen wir diesen praktischen Beweggrund nicht aus den Augen verlieren. Die Kampffronten sind folgende: 1. Der Ideenkampf, der den jüdischen Kommunisten überlassen wird. 2. Die Zerschmetterung der Organisation, die aber keineswegs folgenden Rahmen verlassen soll: Beobachtung und Registrierung. Die Verhinderung öffentlicher Versammlungen (keine Lokale geben!); und sollten geheime Versammlungen stattfinden, sie unter verschiedensten Vorwänden stören, die Teilnehmer für vierundzwanzig Stunden einsperren und hernach freilassen. Über alle diese Vorfälle die Zentrale mit dringendem Telegramm verständigen. Die Korrespondenz über die zionistische Bewegung auffangen und je nach ihrer Wichtigkeit der Zentrale zusenden oder bei der Orts-Tsch. K. behalten; dem Adressaten nicht zustellen. Den Mandataren der zionistischen Organisation keine Passierscheine für Eisenbahnfähren ausfolgen. Auch nicht deren Zweigverbänden: „Herzliah“, „KacLimah“, „Achusah“, „Makkabi“ und andere. Die Wohnungen der Organisation fortwährend unter den verschiedensten Vorwänden beschlagnahmen, mit der Motivierung, daß diese für militärische oder andere Zwecke benötigt werden. Im allgemeinen ist das Werk der Vernichtung so durchzuführen, diaß ohne offizielle Dekrete über die Illegalität dieser Organisation tatsächlich deren Tätigkeit lahmgelegt und paralysiert werde. Für den Vorsitzenden der Allrussischen Tsch. K.: Xenofontow. Chef der Geheimabteilung: Lacys. Sekretär der Allrussischen Tsch. K.: Uralow.“ Es ist durchaus folgerichtig, daß die Bolschewiken den Zionismus bekämpfen. Zweifellos hat der Zionismus der kommunistischen Bewegimg Abbruch getan dadurch, daß er viel jüdische Intelligenz und politische Tatkraft für das jüdische Volk und für jüdische Aufgaben herangezogen hat, wovon sich sonst vielleicht ein erheblicher Teil neben anderen Aufgaben auch den revolutiqfeären Bewegungen angeschlossen hätte. Die nationalen Juden sind zum überwiegenden Teil allerdings der Meinung, daß der jüdische Intellektuelle anderen Aufgaben zu dienen hat, als sich in die Revolutionen zu drängen. Das bedauerliche Hervoirtreten so zahlreicher jüdischer Revolutionäre ist nur durch die Tatsache zu erklären, daß diese ohne jede nationale Bindung sind und dadurch oft zu Konsequenzen gelangen, an denen vielfach radikale Revolutionäre anderer Völker eben durch ihre bewußt oder im Unterbewußtsein vorhandene nationale Bindung gehindert werden. Es müßte unsere Assimilanten nachdenklich machen, daß der auch von ihnen vielfach abgelehnte und bekämpfte jüdische Führer allgemeiner revolutionärer Bewegung ein Produkt konsequenter Assimilation ist, daß eigentlich ein konsequenter Assimilant zufrieden sein müßte, wenn ein Jude aus assimilatorischem Standpunkt heraus zur Folgerung kommt — wie es ja leider so vielfach geschieht—, daß er auf das Judentum keinerlei Rücksicht zu nehmen habe. Wir lehnen den jüdischen Revolutionär, der sich in den allgemeinen revolutionären Bewegungen hervortut, auf das Entschiedenste ab. Es ist von ihm, der wirklich jedem nationalen Gedanken fremd ist, der ihn nicht begriffen hat, durchaus nicht verdienstlich zur Ablehnung des nationalen Gedankens zu kommen. Die nationalen Werte für die Menschheit bestreiten kann nur jemand, der selbst mit beiden Füßen in seiner Nation steht und durch den nationalen Gedanken hindurchgegangen ist. Mit einem solchen könnten wir uns über Nationalismus, der von Chauvinismus wohl zu unterscheiden ist, auseinandeirsetzen. Mit dem jüdischen Weltbeglücker, der allen seinen Mangel an nationalem Gefühl beibringen will, haben wir wahrlich nichts gemein und die jüdischen Bolschewiken, die zum großen Teil mit Schuld tragen an den ungeheuerlichen Leiden der jüdischen Massen im Osten Europas handeln durchaus folgerichtig, wenn sie im nationalen Judentum ihre Feinde sehen. Wir wenden uns auch nicht an sie und ihre Gesinnungsgenossen mit dieser Auseinandersetzung, sondern wir benützen die Gelegenheit, um den Verneinern des jüdischen Gedankens in allen Lagern zu zeigen, wohin wirklich konsequente. Assimilation führt. Davis Trietsch über 4seine Palästinareise. Davis Trietsch ist soben aus Palästina zurückgekommen und hat einem Vertreter der „Jüd, Rundschau“ ein Interview gewährt, dem wir folgende interessanten Einzelheiten entnehmen: Auf die Frage nach den Hauptgesichtspunkten sagte Trietsch: „Die Ansicht, daß der Aufbau Palästinas — oder auch nur ein jahrelanges, vorbereitendes Stadium —■ im finanziellen Sinne unrentabel sein müsse, ist gänzlich falsch und geradezu das Erzübel der zionistischen Auffassung. Zum weitaus größten Teil besteht der Aufbau aus Bodenerwerb, Vorbereitung von Heimstätten, Schaffung von Arbeitsgelegenheit, von Industrien, Häuserbau und dergleichen, also alles Dinge, die normalerweise als rentabel betrachtet werden. Aber auch die sonstigen zu einem Aufbauprogramm gehörigen Erfordernisse, wie Verkehrsuntemehmungen, Mode ff. Herrenschneiderei Reiche Stoff-Auswahl Ermäßigte Preise W. Braun* Cie., München Neuhauserstr. 151, gegenüber der alten Akademie Sport