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Das jüdische Echo · 1921-04-29 · 17 (29.4.1921) · p. Seite 217

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
8 (1921)
Issue
17 (29.4.1921)
Date
1921-04-29
Page
Seite 217 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 17 Das Jüdische Echo 217 stet und eihst eine halbe; geht ein, weil das österreichische, das polnische, das russische Geld heute — aber das wißt ihr ja — so wenig wert ist, daß die Leser jener Länder ihn nicht mehr, wie während des Krieges, bezahlen können. Ihr könnt es, deutsche Zionisten, und. ihr solltet, ihr müßt ihr werdet diese Zeitschrift halten, wenn ihr einen Funken Pflichtgefühl vor dem jüdischen Geiste habt. Die Jahrgänge des „Juden“ in eurem Bücherschrank veralten nicht, sie werden stets neuer, denn nur klarer spricht im Verlauf der Jahre das Gültige aus ihnen, und selbst das dann Ungültige wird euch die Zeit der fürchterlichsten Krise unseres Lebens treu aufbewahren. Ihr werdet diese Hefte aufschlagen können, wann immer ihr wollt, in schlaflosen Nächten,— falls eure Tage denn wirklich so aufgeteilt sein sollten zwischen Brotarbeit und sensationeller Erholung — auf dem Krankenbett, während langer Fahrt und an Regentagen eurer Ferien. Und immer wird der lebendige Geist und die Hingabe an unsere rettende Idee euch ebenso vorgelegt werden wie das Abbild der ganzen jüdischen Wirklichkeit. Es bedarf nur zweitausend Abonnenten, um ein Werk zu halten, das, entgleitet es unseren Händen, für die Schmach eurer seelischen Verfassung symptomatisch sein wird. Abonniert den „Juden“! Rettet eine Zeitschrift —■ ihr werdet damit weit mehr als nur eine Zeitschrift gerettet haben. Die Monatsschrift „Der Jude“ erscheint im jüdischen Verlag, Berlin NW 7, Dorotheenstraße 35. Der Bezugspreis beträgt jährlich 60 Mk., halbjährlich 30 Mk. In München zu beziehen durch die Ewer-Buchhandlung. Aus der Jüdischen Welt Palästina. Die Bibliothek von Popper-Lynkcus der Jüdischen Nationalbibliothek vermacht. Der bekannte Wiener Sozialphilosoph, Mathematiker und Dichter Josef Popper-Lynkcus teilte der Wiener Gesellschaft zur Gründung von Sammel- und Forschungsstellen für die jüdischen Kulturinstitute in Palästina mit, daß er seine gesamte Bibliothek der Jüdischen Nationalbibliothek in Jerusalem vermache. Die umfangreiche Bücherei enthält bedeutende wissenschaftliche Werke, insbesondere auf dem Gebiet der Mathematik, Physik, Technik und Naturwissenschaft, des Sozialismus und der Religionsphilosophie. Hebräisierung der Familiennamen. Die Regierung veröffentlicht soeben ein Dekret, demzufolge den Einwohnern Palästinas und den Einwanderern die Abänderung ihrer Namen ohne weiteres gestattet wird, doch muß diese Tatsache im offiziellen Regierungsorgan verlautbart werden. Dieser Erlaß erschien notwendig, weil die Einwanderer ihre Namen oft spontan hebräisiert haben. Die Arbeitslosigkeit in Palästina behoben. Die Arbeitslosigkeit in Palästina ist beendet. Es gibt fast keine Arbeitslosen mehr. Sowohl in den Städten wie in den Kolonien sind alle Arbeiter beschäftigt. Zuletzt waren am 1. Adar als arbeitslos noch festgestellt: in Jaffa 200, in Haifa 100, in Jerusalem und Tiberias je 50 Arbeiter. Italien. Die italienischen Juden und Palästina. Professor Colombo, der sich in Palästina zum Studium der dortigen Verhältnisse aufhielt, kehrt nunmehr nach Rom zurück. Er wird den italienischen Juden, die ihr Geld nach Palästina investieren wollen, diesbezügliche Vorschläge unterbreiten. Er beabsichtigt zunächst die Nudelindustrie in Palästina einzuführen; zu diesem Zwecke sollen in Galiläa, der reichsten Kornkammer im Westen Palästinas, einige Fabriken errichtet werden. Professor Colombo hofft auch das Interesse einiger Fachleute für die Organisierung von Fischereien in Palästina zu erwecken. Feuilleton Der „Spion“ mit 60 Rubeln. Der bekannte Chirurg Dr. A. Solowejczik veröffentlicht einige Erinnerungen über die Leiden der Juden unter dem zaristischen Militärregime, wobei „Spionage“ und „Verrat“ stets dazu dienten, die Räubereien und Morde des Militärs zu decken. Eine Geschichte mit heiterem Ausgang sei hier erzählt: Diese Geschichte verdanke ich dem Arzt der 53. russischen Artilleriebrigade, Dr. Alexandrow, einem Juden. Es war bei Ossowiec im Jahre 1915. Ein Soldat führte dem General einen armen Juden vor, den er unterwegs als Spion abgefaßt hatte. Er habe den Draht der Telephonleitung durchschneiden wollen, meldete der Soldat. Weinend schwor der Jude, er sei ein armer Händler und habe ins Dorf gehen wollen, um etwas Lebensmittel zum Verkaufe zu erhandeln. Der Soldat habe ihn abgefaßt, geprügelt und ihm sechzig Rubel weggenommen, die sein ganzes Geld bildeten, mit dem er Frau und acht Kinder ernähre. Der General fragte den Soldaten: „Ist das wahr?“ „Nicht ein Wort!“ — antwortete der Soldat — „Der Jude lügt!“ „Aufhängen!“ — sagte der General. Der Jude fiel ihm zu Füßen und flehte, er möge doch mit seiner Frau und seinen acht Kindern Mitleid haben. Dr. Alexandrow, welcher bei der Szene anwesend war, bat den General, mit der Ausführung seines Befehls ein wenig zu warten und ihm im Nebenzimmer eine Unterredung zu gewähren. Dort sagte er dem General: „Ich bin überzeugt, daß der Jude unschuldig ist. Ihn aufzuhängen haben Sie noch immer Zeit. Ich schlage Ihnen vor, folgende Probe zu machen: Sagen Sie dem Juden, daß Sie ihm diesmal das Leben schenken und er frei ist. Wenn er wirklich ein Spion ist, so wird er so gescheit sein, sich eiligst davonzumachen und wird nicht erst die sechzig Rubel einfordern, die der Soldat ihm weggenommen hat. Er wird schauen, so schnell als möglich fortzukommen. Ist er aber unschuldig, so wird er bestimmt die sechzig Rubel fordern, da er damit rechnet, daß Sie ein gerechter Richter sind.“ Der General ging darauf ein, kehrte mit dem Arzt in das Zimmer zurück wo der Jude sich befand und sagte ihm: „Jude, schau daß du weiterkommst. Aber merk dirs: Wenn ich dich noch einmal erwische, so hänge ich dich auf.“ Der Jude fiel vor dem General weinend nieder und dankte ihm. Schluchzend begann er dann:

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