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Das jüdische Echo · 1921-04-29 · 17 (29.4.1921) · p. Seite 216

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
8 (1921)
Issue
17 (29.4.1921)
Date
1921-04-29
Page
Seite 216 (sequence 6)
Language
German
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216 Das Jüdische Ccho Nr. 17 Nachdenklicher Fall. Von Arnold Zweig. „Der Jude“ wird sein Erscheinen einstellen, wenn nicht- Und wenn schon, mokiert sich der Zionist. Was ist das überhaupt, der „Jude“, äußert die Zionistengattin, futtert den neuen Romanschmöker weiterhin angelegentlichst. Und das blauweiße Zionistenkind denkt heftig — da die Bubermode vorüber ist — in Deutschland vielleicht an Aktivismus, in Wien bestimmt an irgendwas ebenso Ephemeres, und freut sich, daß es in deutscher Sprache ein schwerfällig-abstraktes und feierlich stelzendes Verkalkungsblatt weniger gibt, dessen bourgeoiser „Sozialismus“ zum Lachen oder Heulen unpraktikabel ist. (Denn „Sozialist“ trägt man doch noch, nicht wahr?) Und der Intelli- Gent, bei heutigen Handschuhpreisen, kann sich eine Zeitschriftenlektüre leichtlich versagen, die ihm von Magie, Okkultismus und China doch nichts beibringt. Der Parteimensch aber hat mit Gründung neuer Föderationen, Gruppen, Spaltungen und Programmen soviel zu tun, daß er gerade noch Zeit findet, Brunners Mammuthbrosehüren andächtig auswendig zu lernen — einer neuen Ideologie wegen. Hört zu. Hier ist eine Zeitschrift, deren Fehler uns nicht verborgen sind — aber eine Zeitschrift zugleich, die von keiner deutsch gedruckten irgend übertroffen wird. Streng, gedacht, sachlich und voll Leidenschaft des Geistes, ganz rein in der Gesinnung, manchmal ein wenig feierlicher als gut wäre — aber feierlich aus Verantwortung, ernst aus der wahrhaft furchtbaren Lebenslage unserer Sache, streng, weil die Vermantschung der Ideen und Wirklichkeiten einen zur Raserei treibenden Grad erreicht hat in dieser Zeit; eine Zeitschrift, deren Arbeit nicht zur Selbstdarstellung schreibender Juden, sondern zur Vertiefung jüdischer Ideen, zur Darstellung jüdischer Wirklichkeiten. zur Rettung einiger weniger Wahrheiten im jüdischen Dasein geleitet wird; eine Zeitschrift, deren Zionismus euch allen erst das Recht gibt, euren Zionismus der Mindestforderungen haben zu dürfen; eine Zeitschrift endlich, in der für diese Generation aufbewahrt wird, was Zionismus überhaupt bedeutete: nämlich nicht Massenkolonisation, sondern Aufbau des jüdischen Menschen. Lehrt mich, lehrt uns das rechte Leben zionistischer, jüdischer Realität nicht: vermutlich ist sie uns, die wir sie kaum ertragen, heftiger eingestempelt als euch allen. Wir wissen, daß um der Rettung des Judentums willen Palästina mit Juden wahllos besiedelt werden muß. Aber nennt euch ja nicht Zionisten, wenn ihr meint, dies sei Zionismus. Dies ist das über Zion ausgebreitete Golus. Dies ist die Erledigung unserer Lebensmöglichkeit durch die Qual der augenblicklichen Notwendigkeit. Dies ist die Widerlegung des Zionismus; wenn nicht ohne Unterbrechung eine Stimme da ist zu Tufen: Zionismus ist die radikale und menschliche Erneuerung des Juden durch das nach jüdischen Impulsen von innen her auf gebaute Leben jüdischer Menschen. Diese Stimme ist „Der Jude“ — war er, wenn ihr es nicht ändert. Der Beschluß zur Aufgabe eines in der Luft hängenden und idealistischen Unternehmens ist beinahe gefaßt; schon löst sich die Vereinigung der Herausgebenden auf. Und was dann kommt; das werden nicht wir spüren, die ihn schrieben, sondern eure Kinder und ihr — nur ihr. Glaubt ihr, wir schrieben ihn zum Vergnügen? Haltet ihr uns für so kindlich, nicht zu spüren, wie tief und weit die Leere ist, in die unsere Worte fallen? Bildet ihr euch ein, wir wüßten mit unserer Zeit nichts Besseres anzufangen? Glaubt ihr denn — aber ihr tut das nicht — jeder von uns habe nicht auch seine persönliche Aufgabe, die ihm das Herz versengt, wenn er von ihr sich abwenden muß? Aber so denkt doch nur einen Augenblick nach, und ihr erkennt, daß Buber und wir anderen, jeder einzelne von uns, seine eigenste Sendung zu vollziehen nur aufschiebt um der Sache willen, des Volkes willen, der Idee und euretwillen. Unter den Abonnenten des „Juden“ und seinen Lesern kenne ich viele Nichtzionisten und mehrere Nichtjuden; Männer und Frauen, deren Lebensführung keineswegs leichter ermöglicht wird als die eure, deren Arbeiits- und Neigungskreis ebenso wie der eure weit außerhalb unserer Sache zentriert ist. Aber sie wissen, was diiese Zeitschrift bedeutet: daß in ihr das repräsentative Antlitz des Judentums zu sehen ist, wie es nichttraditionellen Juden allein erscheinen kann. Und darum lesen sie diese Monatsschrift, diese geistige, ununterhaltende, ideelle und spröde Folge von Aufsätzen und Betrachtungen. Sie und die Geistigen der ostjüdischen Jugend zogen daraus den Beweis, wie wesentlich quellend und instinkthaft richtig im Westjudentum jüdisch, menschlich, geistig gedacht wird; wie fest in einem Strudel von Zeit, Verfall und Neubildung das Beharrende sich halten kann, wenn es von strenger Überzeugtheit gehalten wird, das nottuende Eine auszusprechen, die Idee der bedingungslosen Erneuerung. „Der Jude“ geht ein an eurer Gleichgültigkeit Er geht ein, weil ein Inselbuch heute 4 Mark koo i L. Kielleuthner 5 kgl. bayer. Hoflieferant | 43 Maximilianstrasse 43 0 ♦ 0 Ü Bekanntes Haus für erstklassige Herrenbekleidung nach Mass

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