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Das jüdische Echo · 1921-04-29 · 17 (29.4.1921) · p. Seite 215

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
8 (1921)
Issue
17 (29.4.1921)
Date
1921-04-29
Page
Seite 215 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 17 Das Jüdische Echo 215 len zustrebend, die sämtlichen Richtungen dieser Versammlung gemeinsam marschieren können. Ich habe dem nunmehr abgetretenen Verwaltungsausschuß nicht angehört. Es ist mir darum gestattet zu sagen, daß die Mehrheit dieses Ausschusses bei Ausgestaltung der Verfassung von jedem Machtstandpunkt abgesehen und einzig das Wohl d)er Gemeinde im Auge gehabt hat. Es ist ihr dankbar anzuerkennendes Verdienst, daß sie durch diese Verfassung der freien Entwicklung der Gemeinde die Bahn geebnet hat. Von diesen Grundtatsachen aus ergibt sich die Fülle von Aufgaben, die wir zu leisten haben. Sie aufzuführen würde den Rahmen dieser Ausführungen weit überschreiten. Die Vorschläge, die wir Ihnen über die Einsetzung der Ausschüsse unterbreiten, lassen eine Andeutung unserer Absichten erkennen. Sie gestatten mir eine Aufgabe hervorzuheben, die wohl nicht mit Recht als eine Aufgabe bezeichnet wird, die wir zu leisten haben, aus dem einfachen Grund, weil sie schon geleistet ist, weil wir sie als Problem nicht mehr überkommen haben. Das ist die Wahrung der Gewissensfreiheit gegenüber der streng gläubigen Richtung. (Schluß folgt.) Die Juden in Oberschlesien. Die oberschlesische Frage lenkt die Aufmerksamkeit auf die Verhältnisse der dort lebenden Juden. In dem in englischer Sprache erschienenen Buch von Sidney Osborne, „Die oberschlesische Frage“, finden sich nun einige interessante Daten über dile Bedeutung der Juden für die Entwicklung der Industrie und des Handels in Oberschlesien. Es heißt dort u. a.: In Schlesien wohnen etwa 20 000 Juden, Die großen oberschlesilschen Aktiengesellschaften für Eisenproduktion wurden im Jahre 1846 durch die Juden Moritz Friedländer, M. Levy und David Löwenfeld begründet. Die Bismarckhütte wurde von Elias Sachs und Salomon Hammer begründet und heute ist der Vorsitzende der Aktiengesellschaft „Bismarckhütte“ der Jude Siegmund Born. Die Julienhütte und die Bolianderhütte wurden von der jüdischen Familie Caro begründet und ihr Direktor ist zur Zeit Oskar Caro. Die Aktiengesellschaft für Eisen- und Stahlindustrie ist eine Gründung des bekannten Rudolf Bringsheim in Gemeinschaft mit dem Juden Eugen Sigeheim. In der Koksprodukti’on nehmen hervorragenden Rang die jüdischen Firmen Emanuel Friedländer, Dr. Moritz Donheimer und Hermann Siboski ein, die sich vor nicht langer Zeit mit der Firma Caro und Sohn fusioniert haben. Die größten Kohlengruben im Rybniker Gebiet gehören der von dem Juden Otto Friedländer begründeten Firma Heiniitsch. Friedländer hat später zusammen mit Baron Rothschild und dem Bankier Sternberg die ganze Kohlenindustrie im Gebiet von Rybnik organisiert. In der schlesischen Kohlenindustrie nimmt auch die jüdische Firma Cäsar Wohlheim eine bedeutende Stellung ein. Die berühmte schlesische Zinkindustrie wurde von dem Breslauer Juden Hermann Roth ins Leben gerufen. Der Holzhandel in Schlesien verdankt sein Aufblühen den Juden Goldstein. Grünfeld, Sternberg, Fuchs und Möller. In der Textil- und Lederindustrie, der Emailimd Tabakfabrikatiön nehmen die Juden den ersten Rang ein. Die Juden bilden in Oberschlesien bloß 1 Prozent der Bevölkerung; in Kattowitz, Rybnik, Ratibor und Neustadt zahlen sie jedoch 30 bis 50 Prozent der gesamten Steuern. Ministerpräsident Gunaris gegen ein Ritualmordmärchen in Saloniki. In der Kammer beantwortete Ministerpräsident Gunaris eine Interpellation des Abg. Ziakki, betreffend einen griechisch-jüdischen Zwischenfall in Saloniki, dahin, daß dieser Zwischenfall ohne Bedeutung gewesen und durch schnelles Eingreifen der Polizei beigelegt worden sei. Die Fabel, die den Zwischenfall veranlaßt habe, seine eine verabscheuungswürdige Verleumdung gegen ein Volk, das so viele Verdienste um die Kultur besitze. Die Verleumdung, daß die Juden christlichen Kindern Blut entziehen, errege in dem Gewissen jedes anständigen Menschen Empörung. Wir kennen, sagte der Ministerpräsident, die Israeliten als loyale und arbeitsame Bürger. Ihr sanfter, friedlicher und ruhiger Charakter widerspreche der ihnen zugemuteten Grausamkeit vollständig. Wenn einige durch Vorurteile verblendete Leute gegen die Juden eine Haltung einnähmen, die jener der großen Mehrheit ihrer griechischen Mitbürger entgegengesetzt wäre, so würden sie es mit der staatlichen Macht und der vollen Strenge der Gerechtigkeit zu tun haben. Misrachi Jugendgarten mit Hauswirtschaftsbetrieb. Das deutsche C.-K. des Misrachi hatte kürzlich beschlossen, einen Jugendgarten in Breslau zu begründen, um dort Mädchen im Gartenbau und Haushalt auszubilden. Dieser Beschluß ist von weiten Kreisen, nicht nur unter Misrachisten, sehr freudig aufgenommen worden. Vor allem im Hinblick auf Erez-Israel ist die Erziehung junger Mädchen zum Gartenbau, zum Gemüsebau und Kleintierzucht äußerst wichtig, und gerade für die Ausbildung der Chaluzot ist-bisher viel zu wenig geschehen. Diesem Mangel soll das neue Unternehmen abhelfen. Der Misrachi-Jugendgarten liegt in Breslau- Kleinburg und soll zunächst zehn Mädchen aufnehmen. Wohn- und Arbeitsgebäude gehen der Vollendung entgegen, so daß der Betrieb schon im Mai aufgenommen werden dürfte. Die Mädchen sollen zur selbständigen Leitung eines Landhaushaltes oder der Führung des eigenen Heims erzogen werden, sie werden den Betrieb in Küche und Haus gründlich kennen lernen, aber vor allem auch alle Gartenarbeit mit Bevorzugung des Gemüse- und Obstbaus und Geflügelzucht erlernen. Als Leiterin wurde Frl. Käthe Rosenberger gewonnen, die auf diesem Gebiete gute Erfahrungen besitzt und zahlreiche Schülerinnen ausgebildet hat. Der Misrachi hat mit der Errichtung des Jugendgartens ein außerordentlich nützliches Unternehmen begründet und darf auf den Beifall aller Freunde gesunder jüd. Jugenderziehung rechnen. Alle Anfragen, Anmeldungen sind unter Beifügung des Rückportos an das Büro des Misrachi Berlin, Monbijouplatz 1, zu richten, das zu jeder Auskunft gern zur Verfügung steht. Ebendorthin erbitten wir auch Beiträge für den Gartenfonds, der gesondert verwaltet wird, so daß auch solchen. die nicht Mitglieder unserer Organisation sind, Gelegenheit gegeben wird, ihr Interesse an diesem Jugendgarten zu bekunden.

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