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Das jüdische Echo · 1921-04-22 · 16 (22.4.1921) · p. Seite 198

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
8 (1921)
Issue
16 (22.4.1921)
Date
1921-04-22
Page
Seite 198 (sequence 4)
Language
German
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198 Das Jüdische Echo Nr. 16 Lagern ihr Mütchen kühlen zu müssen glaubten. Besonders schwierig wurde die Situation, als nach Sturz der Räteregierung vor allem die Ostjuden als Objekt der Ausweisungspraxis dienen sollten und wenn die schwere Gefahr von den meisten Bedrohten damals abgewandt werden konnte, so ist dies hauptsächlich dem Umstand zu danken, daß der Gesamtausschuß während der Rätezeit zwar nicht in öffentlicher Form — wozu ihm die Möglichkeit genommen war, — aber umso deutlicher und kräftiger seine Gegnerschaft gegen die Räteleute zum Ausdruck gebracht hatte. Daß nach dem Sturz der Regierung Hofmann den bekannten Tendenzen der Regierung Kahr eine sehr große Zahl ostjüdischer Existenzen durch rigorose Ausweisungen zum Opfer fiel, war schließlich, da die Absicht der Behörden stärker war als die Einsicht, durch nichts zu verhindern. Die große Katastrophe, die über die Juden in Osteuropa hereinbrach, machte zusammen mit der Ausweisungs- und Fremdenpraxis der Regierung Kahr-Pöhner eine umfangreiche Unterstützungstätigkeit von Flüchtlingen, Durchreisenden und Internierten notwendig. So wurden im Sommer 1920 etwa dreißig Internierte im Fort Prinz Karl bei Ingolstadt Monate hindurch verköstigt. Als die Polizei deren Entlassung verfügte, wurden sie auf Kosten des Gesamtausschusses mit der notwendigsten Kleidung versehen, abtransportiert und außerhalb Bayerns untergebracht. Augenblicklich befindet sich wieder eine größere Anzahl teilweise schon seit Monaten internierter jüdischer Personen im Fort Prinz Karl, deren Schicksal noch völlig ungewiß ist. Es obliegt uns zusammen mit den dafür in Betracht kommenden Stellen die, Versorgung dieser Internierten. Da mit einer Änderung der Fremdenpraxis der bayerischen Behörden nicht zu rechnen ist, muß leider mit dieser Internierung als einer ständigen Einrichtung und damit mit einer ständigen Verpflichtung für uns gerechnet -werden. Daß dabei die Unterstützung der in München wohnenden Armen unserer Gemeinschaft nicht vernachlässigt werden darf, versteht sich von selbst. So waren in der Berichtsperiode, seit Januar 1920, ungefähr Mk. 80 000.— für Unterstützungszwecke aufzuwcnden. Dieser Betrag, wie sämtliche Unkosten des Gesamtausschusses, wurde von den in München lebenden Ostjuden aufgebracht. Daneben war eine verzweigte politische Aufklärungsarbeit, die sich im Detail zu einer Berichterstattung naturgemäß nicht eignet, zu leisten. Besonders wichtig war dieselbe während der allgemeinen Wahlen zu den deutschen Parlamenten und dann während der Wahlen zur jüdischen Gemeindeverwaltung. Als ein außerordentliches Tätigkeitsgebiet entwickelte sich das Schiedsgerichtswesen. Es konnte allmählich durchgesetzt werden, daß fast alle Streitfälle, die in unserer Gemeinschaft entstanden, durch das Schiedsgericht des Gesamtausschusses zu einer — meist zum Vergleich führenden — Erledigung gebracht werden konnten. Wer weiß, wieviel Groll und Feindschaft durch solche unnötigen Prozesse entstanden, wie sehr diese darüber hinaus geeignet sind uns zu schaden, wird den Wert dieser begreiflicherweise äußerst mühevollen und schwierigen Schiedsgerichtsarbeit ermessen können. Seit einigen Monaten ist es möglich geworden, auf Grund von Vereinbarungen mit dem polnischen Generalkonsul in München für polnische Staatsangehörige, diie in seinem Amtsbereich, das ist Süddeutschland, wohnen, die Besorgung von Pässen durchzuführen. Wir konnten dadurch einer sehr großen Anzahl von Personen die Reise nach München ersparen, die sie meist in Konflikt mit den Behörden bringt, da diese auf dem Standpunkt stehen, daß auch für solche Zwecke eine besondere Einreiseerlaubnis nach Bayern nötig ist. Gerade in der letzten Zeit hat sich dieser Zweig unserer Tätigkeit außerordentlich ausgedehnt und in dem Maße, in dem unsere diesbezügliche Tätigkeit bekannt wird, vermehrt sich die Arbeitslast, die wir im Interesse ostjüdischer Personen — vor allem um Kollisionen derselben mit den Behörden zu verhindern — übernehmen. Das angesichts der erschreckenden Formen, in denen si,ch die Assimilation großer Teile unserer Jugend vollzieht, ungeheuer wichtige Gebiet der kulturellen Arbeit konnte gegenüber diesen dringenden und vor allem unsere Mittel völlig aufzehrenden Lasten der Not des Tages nicht in dem erforderlichen Maße gepflegt werden; es wird ganz besonders auf diesem Gebiet in der nächsten Zeit viel nachzuholen sein. Kein Mitglied des Gesamtausschusses wird in diesem Augenblick behaupten wollen, daß alles, was nötig war, geleistet worden ist. Das Wesentliche ist: Die Notwendigkeit eines Organs, das allen Ostjuden der Stadt gemeinsam ist, das allen dient und alle vertritt, das mit einem Wort die gesamten Interessen dieser gefährdetsten Bevölkerungsgruppe wahrnehmen soll, ist heute wohl von allen erkannt. Es wird die Pflicht und die Aufgabe der Tüchtigsten unserer Gemeinschaft sein, ihre Kräfte diesem Organ zur Verfügung zu stellen, daran mitzuhelfen, daß es den Aufgaben, zu denen es geschaffen ist, immer besser gerecht werde. Der Aufgabenkreis des Gesamtausschusses wächst in dem Maße, wie die äußere und innere jüdische Not. Die Lage der Ostjuden in ganz Deutschland, ebenso wie in Bayern, wird immer kritischer. Das große Werk des Arbeiterfürsorgeamtes der jüdischen Organisationen Deutschlands ist in seinem Fortbestand durch Einstellung der großen amerikanischen Subventionen in Frage gestellt. Diejenigen, die nur einiges von seinem Wirken wissen — vor allem ein Werk des unvergeßlichen Fritz Mordechai Kaufmann — sind sich darüber klar, daß die Aufhebung des Fürsorgeamtes eine Katastrophe für die Ostjuden in Deutschland wäre. Wir haben die Pflicht, nach unseren Kräften für diese unserer Tätigkeit verwandte Arbeit einzutreten. Die Aufgaben des „Gesamtausschusses“ sind so ungeheuer groß, daß man nur dann den Mut findet, die Arbeit fortzuführen, wenn die persönlichen und materiellen Kräfte aller Beteiligten zur Verfügung stehen. Uode ff. Herrenschneiderei Reiche Stoff-Auswahl Ermäßigte Preise W. Brauns Cie., München Neuhauserstr. 15 I, gegenüber der alten Akademie Sport imiiliimimmil! imiiiiiiiiiiiiiimiimmiimimiiimmi Jakob Reich.

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