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Das jüdische Echo · 1921-04-22 · 16 (22.4.1921) · p. Seite 197

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
8 (1921)
Issue
16 (22.4.1921)
Date
1921-04-22
Page
Seite 197 (sequence 3)
Language
German
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Das Jüdische Echo Nummer 16 22. Äpril 1921 8. Jahrgang Pesachgedanken. von Jakob Fränkel. Gar mannigfache Gedanken sind es, weiche uns in diesen Tagen bewegen. Vor unserem geistigen Auge erschauen wir das Land am Nil, die tyrannische Herrschaft von Despoten, die ein ganzes Volk unter Sklavenfesseln zu halten verstehen und endlich doch gezwungen sind, demselben Volke diie Freiheit zu geben, welche es fhm ermöglicht, sein Volkstum entwickeln zu können. Es war keine kleine Aufgabe, die dem Führer von 600 000 Menschen, welche so lange unter der Knechtschaft geschmachtet hatten, bevorstand, als er sein Volk dem Lande entführte, dessen politische und soziale Weisheit sich in der Unterdrückung der Fremden kundgab. An diese Tatsache möge uns das Pesachfest gemahnen und diese Betrachtung ist dazu angetan, zu zeigen, wie das Volk Israel, das die Bedrückung als Fremder am eigenen Leibe so bitter empfunden hat, diese Frage auffaßt. Um Schutz zu suchen, kamen Jakob und seine Familie nach Miizrajim, nach dem Lande, in welchem ein Sohn desselben Jakob — Joseph — es später so meisterhaft verstand, das Staatsruder im Interesse des Landes, in welches er als Landfremder eingezogen war, tatkräftig zu steuern. Gar bald nach dem Tode dieses Wohltäters des Landes wurden seine Nachkommen aller Freiheiten beraubt und in das Joch der Sklaverei verbannt. Und als diesem Volke seine Freiheit wiedergegeben ward, war eine der ersten Satzungen seines Gesetzbuches: rüün^n K1?! rtJiP "Dl □nso P«3 ün”H ü'll „Und den Fremden sollst du nicht kränken und bedrängen, denn Fremdlinge ward ihr im Lande Mizrajim.“ Dem Volke wurde vor Augen geführt, wie bitter es selbst den Fremdenhaß empfunden hatte und wie unrecht es sei, den Fremden, den „Ausländer“, der in seiner Mitte weilt, der sich vertrauensvoll seinem Schutze unterstellt, zu verachten oder gar zu unterdrücken. Wie hoch erhaben ist diese Verordnung, welche vor Tausenden von Jahren unserem Volke bei seinem Austritt aus der Knechtschaft und vor dem Eintritt in sein Land auferlegt wurde, gegenüber den Bestimmungen, die im Zeitalter der sogenannten Zivilisation in unserem Jahrhundert zur Geltung gelangen. Unsere Gesetze, die seit ihrem Bestehen von keinem Gesetzgeber aller alten und neuen Nationen in solch ethischer und humanitärer Weise übertroffen wurden, haben ein Fremdenrecht geschaffen, wie es bisher kein Kulturstaat aufzuweisen vermag und das eine wirkliche soziale Tat genannt werden darf. Die Feiertage, welche uns bevorstehen, gemahnen uns auch an die Jugendtage unseres Volkes. Aus der Knechtschaft entronnen, hat sich der kleine Stamm trotz aller Verfolgungen und Bedrückungen in allen Teilen des Weltalls nicht nur erhalten, sondern auch weiter entwickelt Gibt es ein zweites Volk auf Erden, das nach Jahrtausenden noch die Geschichte seiner ersten freien Entfaltung so getreulich bewahrt hat und die Erinnerung in so warmer und herzlicher Weise zu feiern versteht? Aber nicht die Erinnerung allein tut es, Taten sind es, die die Rückschau von uns verlangt. In erster Reihe gilt es die Folgerung aus dem Vergangenen zu ziehen und uns zu Handlungen zu veranlassen, welche dem Jammer und dem Elend unserer Brüder gerecht werden. Sehnsüchtig schauen die Augen von Tausenden unseres Volkes auf das Land hin, das einst die Heimstätte unseres Volkes war und wieder sein soll. Schließen wir unsere Reihen einmütig zusammen, um dazu zu verhelfen, daß das Ziel unseres Volkes erreicht wird; zeigen wir der Welt, daß wir ein Land aufzubauen in der Lage sind, wo alle Völker in Friede und Eintracht unter dem Banner des jüdischen Volkes sich frei zu entwickeln vermögen, ein Land, das keine „landfremden“ Einwohner kennt und wo Ger und Toschow (Fremder und Einheimischer) gemeinsam zum Wohle des Landes Zusammenarbeiten. Der Gesamtausschuß der Ostjuden in München. Am kommenden Montag, den 25. April, werden die Ostjuden in München die Neuwahl für den „Gesamt-Ausschuß“ vornehmen, ein Anlaß, über diese Körperschaft, deren Zusammensetzung nun zum zweiten Male erneuert werden soll, rückblickend zu berichten. Sie wurde in besonders kritischer Zeit, im Herbst 1918 begründet, indem sich die hier bestehenden ostjüdischen Vereine zu einem freien Verband zusammenschlossen, der die Aufgabe übernahm, die Interessen der hier wohnenden Ostjuden zu vertreten. Wohl keiner der Begründer dieser Organisation konnte von vornherein den Umfang der Aufgaben ermessen, die sich immer mehr häuften und von den verantwortungsbewußten Mitgliedern des Gesamtausschusses übernommen werden mußten. Ursprünglich war die wesentliche Absicht, eine repräsentative Stelle zu schaffen, die überall da eintreten sollte, wo die Lebensinteressen der ostjüdischen Gemeinschaft verletzt wurden. Die erste Gelegenheit hierzu ergab sich bald nach der Gründung des Gesamtausschusses in jener wohl noch in allgemeiner Erinnerung stehenden großen Protestversammlung im November 1918. In der darauf folgenden politisch ungeheuer bewegten Zeit waren die Ostjuden als die schwächste und exponierteste Bevölkerungsgruppe der am stärksten leidende Teil, an dem zahlreiche Gegner aus allen

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