Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- 15 (15.4.1921)
- Date
- 1921-04-15
- Page
- Seite 187 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 15 Das Jüdische Echo 187 Oas Prinzip der Einheit. Von Wladimir Jabotinsky, London. (ZK.) Mehr und mehr gräbt sich die Bedeutung des Keren Hajessod i!n das Bewußtsein der ganzen jüdischen Welt ein. Allen Juden soll der Keren Hajessod angehören. Nicht ein Pfennig dieses Fonds wird für die Zionistische Organisation ausgegeben werden, sondern der ganze Fonds wird für das Aufbauwerk in Palästina verwandt. Es ist daher unbedingt erforderlich, daß der Keren Hajessod sich nicht an eine Partei allein, sondern an jeden Juden in jedem Winkel der Erde wendet. Es ist von äußerster Wichtigkeit, daß die verschiedenen Komitees, welche eingesetzt sind, um den Keren Hajessod in den einzelnen Plätzen zu fördern, derart sein müssen, daß sie in den Augen der gesamten Judenheit den unparteiischen Charakter des Fonds garantieren. Es wird unmöglich sein, einen so ungeheuren und gewaltigen Plan ohne diese wesentlichste Bedingung durchzuführen. Wir müssen uns bemühen, eine Kombination aller Richtungen des Judentums zu schaffen. Der Keren Hajessod ist nicht nur ein Finanzimstitut, er verkörpert auch das große Ideal, die Einigkeit unserer Bestebungen. Die Einigkeit der Bestrebung besagt, daß Palästina nicht nur durch die Opfer jener Pioniere aufgebaut werden* kann, welche jetzt hingehen und im Schweiße ihres Angesichts dort arbeiten. Es besagt, daß die gleichen Opfer zur gleichen Zeit von jenen anderen Juden gebracht werden müssen, welche nicht nach Palästina gehen. Die Pioniere, welche jetzt nach Palästina gehen, werden ungezählte Mühen und Entbehrungen zu erdulden haben. Das jüdische Volk hat nicht das Recht, diese Opfer von der Blüte seiner Jugend zu verlangen, wenn nicht diejenigen, die sie hinaussenden, darauf vorbereitet sind, etwas zu tragen-, das einigermaßen diesen Mühen und Entbehrungen gleichkommt. Dieser Standpunkt findet seinen Ausdruck in der Hauptidee des Keren Hajessod, iim Prinzip des Maasser, welches besagt: „Der zehnte Teil dessen, was Du besitzest und was Du verdienst, gehört nicht Dir; es gehört Palästina, also gib es hin!“ Es ist eine schwere Sache, aber wiir müssen uns daran gewöhnen, und darum fordern wir von jedem Juden ohne Ausnahme, arm oder reich, Zionist oder Nichtzionist, ein Zehntel dessen, was er besitzt, weil es Palästina gehört. Bei dem Wiederaufbau Palästinas gibt es Unternehmungen, welche vom kommerziellen Standpunkt aus rentabel sein werden und andere, welche sich, kaufmännisch gesprochen, voraussichtlich nicht bezahlt machen werden. Es ist klar, daß die Juden Palästinas nicht die ganze Last auf ihre Schultern nehmen können; sie muß vielmehr vom ganzen jüdischen Volke getragen werden. Darum ist in dem Plan des Keren Hajessod das Prinzip, die Einheit der Bestrebung, so angwendet worden, daß nur ein Fonds für beide Arten Ausgaben gebildet wird. Auf diese Weise wird jeder Zahler gleichzeitig Spender und Teilhaber. Jeder Zahler erhält ein Zertifikat über den gezeichneten Betrag, und der Nutzen, der sich aus den Investionen ergibt, wird an die Zahler gemäß der Höhe ihrer Zeichnungen verteilt werden. Offiziell gibt es etwa 1 Million Zionisten in der ganzen Welt, welche den Schekel zahlen. Wenn wir annehmen, daß das Durchschnittseinkommen des zionistischen Schekelzahlers pro Jahr die sehr kleine Summe von 10 £ beträgt und daß, wenn jeder von ihnen seinen Maasser bezahlen würde, der Durchschnittsbeitrag zum Keren Hajessod 1 £ wäre, so würde bereits die erste der erforderlichen 25 Millionen £ in die Kasse dens Keren Hajessod fließen. Die Aufbringung dieser ersten Million wäre das beste Beispiel für alle Teile der nichtzionistischen Judenheit ihre Pflicht zu tun. Dies ist die ungeheure Aufgabe, welcher wir gegenüberstehen. Ich sage es frank und frei jedem Juden, Zionist oder Nichtzionist, reich oder arm: Es ist nicht unsere Sache, es ist Eure Sache. Wenn wir Erfolg haben, so werdet Ihr Nutzen daraus ziehen; wenn es uns mißglückt, so werdet Ihr darunter zu leiden haben. Freiwillig oder unfreiwillig, jeder Jude hat, negativ oder positiv, seinen Anteil an diesem großen Experiment. Gesegnet sei das Los derjenigen, welche sich heute dazu entschließen, einen positiven Anteil an dieser geheiligten Arbeit zu übernehmen. Kein Zioniist vor allem hat das Recht, sich an andere zu wenden, bevor er nicht selbst seine Pflicht getan und den Maasser gezahlt hat. Unsere Komitees dürfen nur nach dem Grundsatz der absoluten und vollständigen Einigkeit der Bestrebungen arbeiten. Es darf nur einen Fonds geben, einen Fonds für Spenden und Investitionen, für Zionisten und Nichtzionisten, einen Fonds, der auf dem Prinzip des Maasser basiert, bei dem die Führerschaft der Zionisten nur in der Führerschaft des guten Beispiels bestehen kann. Churchill an die Äraber. „Daily Telegraph“ veröffentlicht den Wortlaut der Antwort Mr. Churchills an die arabische Abordnung in Jerusalem, dem wir folgendes entnehmen : „Ihr verlangt von mir die Abschaffung der Balfour-Deklaration und die Einstellung der Einwanderung. Dies ist weder in meiner Macht noch ist es mein Wunsch. Die britische Regierung sprach ihr Wort durch Mr. Balfour, daß sie der Schaffung einer nationalen Heimstätte wohlwollend Zusehen werde. Dies bedeutet Einwanderung und dies wurde auch von den alliierten Mächten ratifiziert, die die Sieger im Kriege waren. Die Deklaration muß daher als durch den Sieg definitiv beigründet betrachtet werden. Ich zweifle nicht, daß der Völkerbund sich dieser Ansicht anschließen wird. Noch mehr, es ist ein offenkundiges Recht, daß die zerstreuten Juden ein nationales Zentrum und ein nationales Heim haben sollen, wo sie sich wieder vereinigen können, und wo anders könnte dies denn sein als in Palästina, mit dem die Juden 3000 Jahre lang hindurch aufs innigste und tiefste verknüpft waren? WiT betrachten es als gut für die Welt, gut für die Juden und gut für das britische Imperium, und es ist auch gut für die in Palästina wohnenden Araber. Die Araber sollen weder verdrängt werden noch leiden, sic sollen aber an den Wohltaten und den Fortschritten des Zionismus ihren Anteil haben. Ihr braucht wegen der Zukunft nicht beunruhigt zu sein. Großbritannien hat der zionistischen Bewegung eine ehrliche Unterstützung versprochen, der Zionismus wird aber nur durch seine eigenen Verdienste Erfolg haben. Die gegenwärtige Regierungsform wird noch lange Jahre fortdauern. Wir werden schrittweise repräsentative Institutionen entwickeln, die zu voller Selbstverwaltung führen werden, aber bevor dieses Werk vollendet wird, werden viel-