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Das jüdische Echo · 1921-04-08 · 14 (8.4.1921) · p. Seite 175

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
8 (1921)
Issue
14 (8.4.1921)
Date
1921-04-08
Page
Seite 175 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 14 Das Jüdische Echo 175 deutscher Studenten würdig, die Juden insgesamt und ihre jüdischen Kommilitonen insbesondere zu Vaterlandsverrätern zu stempeln und sie dementsprechend zu behandeln? Es kann auch nicht studentischem Ehrgefühl entsprechen, sich des jüdischen Wettbewerbs durch Beleidigungen und plumpe Gewaltmittel zu erwehren. Nehmt den geistigen Wettbewerb mit Euren jüdischen Kommilitonen auf, sucht sie zu erreichen, sucht sie zu übertreffen an Fleiß, an wissenschaftlicher Hingabe, an ernstem Streben! Wie der deutsche Antisemitismus im ganzen nichts anderes ist als ein Eingeständnis der völkischen Schwäche eines Sechzig-Million en-Volkes, das mit sechshunderttausend Juden in seiner Mitte geistig nicht fertigzuwerden vermag, so ist auch insbesondere der studentische Antisemitismus nichts anderes als ein völkisches Armutszeugnis, das sich die deutschen Studenten selbst ausstellen. Was aber die sachliche Unfruchtbarkeit der antisemitischen Agitation angeht, so haben in, den letzten Wochen selbst Blätter der Rechten mehrfach darauf hingewiesen, daß der Antisemitismus zwar stark in der Kritik vermeintlicher oder auch wirklicher Mißstände sei, daß er jedoch umso verlegener und hilfloser dastehe, wenn er nun positive Vorschläge zur Besserung machen soll. Gerade aber die akademische Jugend, deren Lebensluft doch kritisches Denken ist, sollte sich von einer Propaganda der leeren Schlagworte am wenigsten einfangen lassen. * * * Sollte übrigens nicht auch für junge Akademiker die Frage von besonderem Interesse sein, inwiefern sich, von allen Einzelfällen abgesehen, auch ganz allgemein germanischer und jüdischer Geist harmonisch ergänzen? Ich glaube, manche Erfahrung spricht — Chamberlain, Barthels, Fritzsch, Dinter und allen den anderen zum Trotz — dafür, daß das faustisch dunkle Drängen germanischen Wesens durch jüdische Verstandesschärfe und jüdische Beweglichkeit wertvoll bereichert werden kann und oft schon wertvoll bereichert worden ist. Allerdings darf dieser jüdische Einschlag nicht übermächtig werden. Auch von dieser Seite her muß man besonders die Frage der ostjüdischen Einwanderung kühl und leidenschaftslos betrachten. Einstein über die Aufgaben der Universität in Jerusalem. Professor Einstein hat sich über die Oesichtspunkte, welche ihn bei seiner Amerikareise leiten, die er zur Zeit zur Vorbereitung der Jüdischen Universität in Jerusalem unternimmt, in einem Interview in folgender Weise geäußert: Die Jüdische Universität in Jerusalem soll derart angelegt werden, daß sie den gegebenen Bedürfnissen des Landes nach wissenschaftlichen Forschungsinstituten entgegenkommt. Vorerst wird es sich um eine Reihe von Forschungsinstituten handeln, welche sich damit befassen, die natürlichen Bedingungen Palästinas zu erforschen und wissenschaftlich zu bearbeiten. In erster Linie kommt ein agrikulturwissenschaftliches, daneben vielleicht ein chemisches in Frage. Diese Institute müssen iin engste Berührung treten mit den bereits bestehenden und noch zu entwickelnden Versuchsstationen und Lehranstalten dfer Landwirtschaft Ferner kommt vor allem in Frage ein Institut für Mikrobiologie. Seine praktischen Auswirkungen werden der Bekämpfung der Seuchen in Palästina zugute kommen. Endlich kommt für den Anfang noch in Frage ein orientalisches Institut, welches der Erforschung des Landes, seiner historischen Denkmäler und der Landessprachen dient, des Hebräischen und Arabischen. vielleicht auch weiterer orientalischer Sprachen. Diese Institute werden die Grundlagen der wissenschaftlichen Forschungstätigkeit in Palästina darstellen. Eine eigentliche Lehrtätigkeit der Dozenten dürfte einstweilen weniger in Frage kommen. Es ist sogar wünschenswert, daß vermieden wird, daß die jüdische Bevölkerung Palästinas, die noch sehr klein ist und erst langsam anwachsen wird, von Anbeginn wieder in allzu einseitiger Weise auf die geistigen Berufe hingedrängt wird; es ist vielmehr wünschenswert, daß eihe normale Verteilung der jüdischen Bevölkerung auf die verschiedenen Berufe stattfindet, und daß die bekannten Einseitigkeiten in der Berufsausbildung der Juden außerhalb Palästinas nicht in gleichem Maße eintreten. Erst mit dem Anwachsen der Bevölkerung wird die Universität eine allmähliche Verbreiterung erfahren und allmählich sich hoffentlich zu einem Mittelpunkt des jüdischen Geisteslebens und überhaupt zu einem geistigen Zentralpunkt ausbilden. Über seine allgemeinen Anschauungen zum zionistischen Problem äußert Professor Einstein, daß er starke Elemente einer völklichen Einheit bei den Juden für bestehend erachte, die jedoch unter den jetzigen Verhältnissen in vielen Ländern nicht zur vollen Entfaltung gelangen könnten. Ein jüdisches Palästina werde dazu beitragen, daß die Juden die nationale Selbstachtung wieder erlangen, die ihnen unter dem moralischen Druck der öffentlichen Meinung ihrer Wirtsvölker vielfach abhanden gekommen sei. Dieser Mangel an Selbstachtung, der zu einer an die Miimikry der Schmetterlinge erinnernden Anschmiegung der Lebensformen an die der nichtjüdischen Umgebung führe, könne am besten dadurch behoben werden, daß die Juden als Gesamtheit ein Kulturwerk errichten, auf das sie mit Freude und Stolz blicken können. Professor Einstein erklärte einem Vertreter des Jüdischen Korrespondenz-Büros gegenüber, der Keren Hajessod sei von größter Wichtigkeit für die Renaissance des jüdischen Geistes, für die Menschheit Er nahm mit Vergnügen die Einladung nach Amerika an. um seine eigenen Kräfte so weit als möglich der Unterstützung der Keren Hajessod-Bewegung zu widmen. Lujo Brentano über Ungarn und die reichen Juden. Professor Lujo Brentano empfing dieser Tage in München den Korrespondenten des Wiener ungarischen Tagblattes „ J ö v ö “. Im Verlauf der Unterredung äußerte sich der berühmte Natüonalökonom über die ungarischen Zustände. Er kenne, sagte er, sowohl Apponyi als auch Andrassy und könne es nicht fassen, daß diese beiden sich nicht gegen die heutigen Zustände in Ungarn auflehnen. Es sei die größte Schande, daß der Numerus clausus Gesetz werden konnte. Man müßte es unausgesetzt in die Welt hinausschreien und alle Personen, welche für dieses Schandgesetz stimmten, für immer an den Pranger stellen. Schließlich rief der greise Gelehrte entrüstet aus: „Warum tun aber

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