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Das jüdische Echo · 1921-04-08 · 14 (8.4.1921) · p. Seite 174

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
8 (1921)
Issue
14 (8.4.1921)
Date
1921-04-08
Page
Seite 174 (sequence 4)
Language
German
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174 Das Jüdische Echo Nr. 14 und dem Osten. Diese Brücken abzubrechen wäre geradezu nationaler Selbstmord. Es kommt hinzu, daß die geforderte Ausschließung der Juden von unseren Hochschulen, sei es nur der fremdländischen, sei es, wie manche sogar verlangen, auch unserer deutschen Juden selbst, auch im Westen, vor allen Dingen in den Vereinigten Staaten von Amerika, ohne jeden Zweifel wieder zu einer neuen, maßlosen Hetze gegen Deutschland ausgenutzt werden würde. Und wir haben in der Welt nur noch so wenig Sympathien zu verlieren, daß wir das bißchen, was uns davon wirklich noch geblieben ist, nicht selbst sinnlos aufs Spiel setzen sollten. Im Vorbeigehen darf ich Sie vielleicht auf die kürzlich erschienene Schrift eines hervorragenden Lehrers Ihrer Münsterschen Universität, des Herrn Professors PI enge, über Deutsche und Juden aufmerksam machen. Plenge weist da in sehr interessanter Art auf die Schicksalsgemeinschaft hin, die eigentlich heute doch Juden und Deutsche miteinander verbindet. Was jene schon seit langem sind, dazu hat man auch uns Deutsche heute gemacht: zu Parias unter den Völkern, zu Ausgestoßenen, die man haßt und meidet, wie einst die mit Aussatz Behafteten. Dies gleiche Schicksal müßte besonders die deutschen Intellektuellen etwas gerechter und milder stimmen in der Beurteilung auch des jüdischen Volkes und seiner großen, weltgeschichtlichen Tragik... * * * Gerade deutsche Studenten sollten im übrigen auch nicht vergessen, welche unendliche Bereicherung die deutsche Literatur und die deutsche Wissenschaft Männern jüdischen Blutes zu verdanken haben. Ich kenne gewiß alle Fehler und Schwächen eines Mannes wie Heinrich Heine und habe die Schattenseiten seines Lebens und Schaffens niemals bestritten. Aber — Adolf Barthels zum Trotz — es hat in der deutschen Literatur nur ganz wenige Meister der deutschen Sprache gegeben, die Heinrich Heine das Wasser reichen können. Seiin Buch der Lieder ist für alle Zeiten ein unvergänglicher Nationalbesitz des deutschen Volkes. Und nennen Sie mir erst einen Germanen. der Deutschlands größten Dichter, Johann Wolfgang Goethe, so tief empfunden und ihn dem deutschen Volke so nahe gebracht hat, wie der Jude G u n d o 1 f, den gewisse unerfreuliche Verhältnisse an der Berliner Universität zu meinem schmerzlichen Bedauern dazu bestimmt haben, einen Ruf des preußischen Kultusministeriums an die erste Hochschule des Landes abzulehnen. Von Männern der Wissenschaft aber möchte ich Ihnen nur den einen Namen Albert Einstein nennen, der mehr für die Größe und den Ruhm des deutschen Namens Mode ff. Herrenschneiderei Reiche Stoff-Auswahl Ermäßigte Preise W. Braun i Cie., München Neuhauserstr. I5'l, gegenüber der alten Akademie Sport in der Welt getan hat, als Tausende antisemitische Wanderredner zusammengenommen. Und insbesondere Mediziner und Chemiker brauche ich gewiß nicht erst daran zu erinnern, was Juden, wie Ehrlich, Haber und Zuntz, der deutschen Wissenschaft und der deutschen Wirtschaft bedeuten, Sprachforscher nicht, was Fritz Mauthner, Volkswirtschaftler nicht, was K. Marx als grundlegender Theoretiker und W. Rathenau, der Organisator der deutschen Rohstoffversorgung im Kriege, für uns waren und sind. Man braucht kein kritikloser Bewunderer jüdischen Wesens, kein ausgesprochener Philosemit zu sein — ich bin es ganz gewiß nicht — man braucht nur ehrlich und gerecht zu urteilen, um das alles anzuerkennen. Man denke sich aus der deutschen Theaterwelt Otto B r a h m und Max Reinhardt fort, aus der Publizistik Maximilian Harden (ich liebe ihn gewiß nicht!) oder die Antipoden Theodor Wo 1 ff und Georg Bernhard, aus der deutschen Politik Lassalle, Lasker Bamberg e r und Eduard Bernstein, und sofort wird man begreifen, um wieviel ärmer unsere nationale Kultur ohne die Juden wäre. Schließlich noch eine Bemerkung: Zwei Dinge müßten neben allen anderen Erwägungen gerade jeden deutschen Studenten dazu bringen, sich mit Ekel von der antisemitischen Straßenagitation abzuwenden: ihre widerwärtige Roheit und ihre sachliche Unfruchtbarkeit. Über den ersten Punkt brauche ich wohl kaum etwas zu sagen. Jeder Kenner der antisemitischen Flugblattliteratur, jeder Besucher antisemitischer Versammlungen wird wissen, was ich meine. Es ist eines deutschen Studenten einfach unwürdig in diesem trüben S c h 1 a m m w a s s e r fröhlich mitzuschwimmen. Die leider vereinzelt vorgekommenen wörtlichen und sogar tätlichen Beschimpfungen jüdischer Studenten durch ihre germanischen Kommilitonen sind ein Schandfleck auf dem Ehrenschilde der deutschen Studentenschaft. Derartiges ist würdelos und unritteflieh. Mir sind Zeitungsausschnitte, in denen über Tätlichkeiten germanischer Studenten gegen ihre jüdischen Kommilitonen berichtet wurde, unter anderem aus Heidelberg, Marburg und leider auch aus Münster selbst vorgelegt worden. Es versteht sich, daß ich die Richtigkeit solcher Meldungen nicht in jedem einzelnen Falle nachzuprüfen vermag. Aber schon die bloße Tatsache, daß derartige Nachrichten immer von neuem in den Zeitungen auftauchen, ist geeignet, das Ansehen > der deutschen Studentenschaft im Inlande und im Auslande auf das schwerste zu gefährden. Wenn nichts anderes, so sollte allein schon diese eine Überlegung deutsche Studenten von derartigen Roheiten zurückhalten: Tausende deutscher Mitbürger jüdischen Stammes haben für das gemeinsame Vaterland im Weltkrieg ihr Leben gelassen; etwa 18 000 Juden haben sich im Kriege das Eiserne Kreuz zweiter, viele von ihnen auch das Eiserne Kreuz erster Klasse verdient; der erste im Weltkriege auf deutscher Seite Gefallene war ein Jude; der erste deutsche Reichstagsabgeordnete. der sofort bei Beginn des Krieges freiwillig in das Heer eingetreten war, und meines Wissens der einzige, der seine Vaterlandsliebe mit dem Tode zu besiegeln hatte, war der sozialdemokratische Jude Ludwig Frank. Ist es angesichts solcher Ziffern und Tatsachen

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